Die Krieger 5 - Das Labyrinth der Götter
lebt, wäre das unsere Rettung! Vielleicht ist es sogar möglich, durch die Pforte direkt nach Goran zu gelangen. Dann könnten wir den Kaiser vor dem Angriff der Lemuren warnen.«
Alle sahen Eryne an, die ratlos mit den Schultern zuckte. Cael hatte das Gefühl, einen Fehler gemacht zu haben. Seine Idee schien auf keine große Begeisterung zu stoßen, außer vielleicht bei seinem Cousin. Unschlüssiges Schweigen trat ein, und Cael fand sich schon damit ab, dass sie weiterfliehen würden, ohne eine Entscheidung getroffen zu haben.
»Da ist noch etwas«, sagte Zejabel in die Stille hinein. »Ich habe entdeckt, welche magischen Kräfte das Schwert besitzt.«
Auch wenn sie versuchte, ihre Worte beiläufig klingen zu lassen, war ihr die Aufmerksamkeit ihrer Gefährten sicher. Cael bemerkte, dass der Blick der Zü nachdenklich auf dem Griff ruhte. Sie hielt das Schwert so, als wollte sie es dem Ersten überreichen, der sie darum bat. Plötzlich verspürte er den übermächtigen Drang, die Waffe zu packen.
Die Worte »magische Kräfte« hatten etwas Unheilvolles in ihm geweckt.
»Ich glaube, man muss das Schwert nicht einmal aus der Scheide ziehen, um es zu gebrauchen«, fuhr Zejabel fort. »Bei unserem letzten Kampf habe ich mir ganz einfach den Tod der Lemuren gewünscht, und im nächsten Moment wanden sie sich am Boden.«
»Aber sie lebten noch«, entgegnete Keb. »Zumindest einem musste ich den Todesstoß versetzen.«
»Sie sind ungewöhnlich zäh«, meinte Yan. »Damals vor dreiundzwanzig Jahren hat sich Saal damit gebrüstet, uns töten zu können, indem er es sich von seinem Schwert wünschte. Das Einzige, was ihn daran hinderte, waren unsere Dara-Steine.«
»Jetzt fällt es mir auch wieder ein«, pflichtete Leti ihm bei. »Das würde zu ihm passen. Saat war wahnsinnig genug, um sich einen derart bösen Zauber auszudenken.«
Die Erben überlegten schweigend, während die Aufständischen allmählich unruhig wurden. Cael bohrte sich die Fingernägel in die Handfläche, um dem Drang zu widerstehen, Zejabel die Waffe aus der Hand zu reißen. Nur ein Eroberer war eines solchen Schwerts würdig, und die Stimme in seinem Kopf flüsterte ihm zu, dass niemand ein größerer Eroberer sei als er selbst. In Kürze würde er die Gedanken des Dämons und seine eigenen nicht mehr auseinanderhalten können. Und dann würde etwas Grauenhaftes geschehen.
»Wir können Sombre bestimmt nicht töten, indem wir das Schwert gegen ihn richten«, wandte Reyan ein. »Das wäre viel zu einfach.«
Niemand widersprach oder stimmte ihm zu. Auch wagte offenbar keiner der Erben, die Hand nach dem magischen Schwert auszustrecken. Cael konnte kaum noch an sich halten. Das Schwert war so nah, und niemand schien es zu wollen! Wenn Eryne nicht plötzlich eine Hand zur Stirn geführt hätte, eine Geste, die ihnen mittlerweile wohlbekannt war und die sie in hellen Aufruhr versetzte, hätte Cael diesem Drang gewiss nachgegeben. Hastig liefen sie weiter. Die Lemuren waren ihnen wieder auf den Fersen.
Cael war versucht, die allgemeine Verwirrung zu nutzen, um Zejabel von hinten anzuspringen und ihr die Waffe zu entreißen. Einzig mit ungeheurer Willensanstrengung gelang es ihm, sich zu beherrschen – die Frage war nur, wie lange noch.
Auf Eryne lastete eine solche Verantwortung, dass sie kaum bemerkte, wie erschöpft sie war. Dabei hätte sie von der kopflosen Flucht durch die Finsternis eigentlich völlig zerschlagen sein müssen. Sobald ihnen die Lemuren zu nahe kamen, rannten sie durch die Gänge, so schnell sie konnten, und davor hatten sie zwei volle Tage auf dem Rücken ihrer Pferde verbracht. Auch die ständige Konzentration war ungemein kraftraubend, aber ihre göttliche Natur half ihr offenbar, all diese Anstrengungen zu vergessen. Jedenfalls kam sie nicht dazu, auf ihre müden Glieder zu achten. Bei der wilden Hatz durch die Gänge zählte jeder Augenblick, und wenn sie nur für den Bruchteil einer Dezille unaufmerksam war, konnte das ihrer aller Tod bedeuten.
Sie wusste, dass ihre Warnungen für die Gefährten und die Aufständischen überlebenswichtig waren. Andererseits war sie die Einzige, deren Anwesenheit die Lemuren spüren konnten. Die Dämonen mochten ein besonders scharfes Gehör oder einen ausgeprägten Geruchssinn haben, aber wahrscheinlich folgten sie den Menschen einfach, indem sie Erynes Geist orteten.
Hin und wieder erwog sie, die anderen zu verlassen, um die Dämonen auf eine falsche Fährte zu locken, doch sie
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