Die Krieger 5 - Das Labyrinth der Götter
stillschweigend übereingekommen, an jeder Abzweigung den Gang zu wählen, der aufwärts führte. So hofften sie wohl, die Lemuren abzuhängen, die sich eher zum Schlund der Erde hingezogen fühlten als zu luftigen Höhen. Das von den Wänden hallende Echo erschwerte es ihnen jedoch, die Richtung zu bestimmen, aus der die Dämonen heranstürmten, und so mussten sie häufig Eryne um Rat fragen. Immer wenn die künftige Göttin eine zitternde Hand ausstreckte, beeilte sich die kleine Schar, bei nächster Gelegenheit die entgegengesetzte Richtung einzuschlagen. Aber mit der Zeit wurde es auch für Eryne immer schwieriger, die Lemuren zu orten. Die Affendämonen hatten sich offenbar in kleinere Banden aufgeteilt, und so wuchs die Gefahr eines weiteren Zusammenstoßes.
Irgendwann gelang es den Erben zum Glück, sich so weit von den Lemuren zu entfernen, dass sie langsamer zu laufen wagten. Nachdem sie fast eine Dezime lang ununterbrochen gerannt waren, konnten sie nun endlich ein wenig durchatmen. Allerdings hatten sie keine Ahnung, wo sie sich befanden. Wie tief waren sie mittlerweile in das Gebirge vorgedrungen?
Nach einer Weile spürte Eryne keine Dämonen mehr in der Nähe, horchte aber weiter in sich hinein, um jederzeit Alarm schlagen zu können: Ihr Blick verlor sich in der Dunkelheit, ihre Unterlippe bebte leicht. Nach einigen Dezillen gelangten die Erben in eine weitere Höhle, aus der nur ein einziger Gang herausführte – eine hervorragende Stelle für eine Barriere.
Corenn und Yan gingen sogleich ans Werk, und Bra’n nutzte die kurze Rast für ein vertrauliches Gespräch mit Kebree.
»Wir haben dir Treue geschworen, Herr, und wir stehen zu unserem Wort. Aber wohin führst du uns? Gibt es noch Hoffnung, oder müssen wir uns darauf gefasst machen, hier unten den Tod zu finden?«
»Ich will euch nicht belügen, und deshalb habe ich keine Antwort auf deine Frage, mein Freund. Aber sag deinen Männern, sie sollen meinen Gefährten weiterhin folgen. Wenn überhaupt, so können nur sie uns von den Bestien fortführen!«
Bra’n nickte ernst und wandte sich ab, um die Botschaft weiterzugeben. Kurz darauf krachten große Felsbrocken von der Decke und versperrten den Gang, aus dem sie gekommen waren.
Erst als Corenn und Yan zu den anderen Erben zurückkehrten, trat in der Höhle wieder Stille ein, und sie konnten ihr Gespräch fortsetzen.
»Bra’n hat Recht«, meinte Rey. »Wenn wir einfach immer weiterlaufen, sitzen wir irgendwann in der Falle.«
»Ich wüsste nicht, was uns anderes übrig bleibt«, brummte Grigän. »Nach Wallatt können wir nicht zurück, also müssen wir versuchen, Ith zu erreichen.«
Zejabel wollte gerade etwas sagen, da kam Cael ihr zuvor. Es war nicht gerade höflich, ihr derart ins Wort zu fallen, aber er konnte die Idee, die ihm soeben gekommen war, nicht für sich behalten. Der Drang, den anderen davon zu erzählen, war stärker als alles andere. »Wir könnten ins Jal zurückkehren«, rief er.
Im gleichen Moment wurde ihm klar, dass er immer noch unter dem Einfluss seiner Stimme stand. Welche seiner beiden Persönlichkeiten hatte diese Idee gehabt? Handelte es sich vielleicht um einen hinterhältigen Versuch seines inneren Dämons, sie ins Karu zurückzulocken? Die verständnislosen Blicke, die ihm seine Eltern und Niss zuwarfen, schmerzten ihn. War sein Gesicht etwa wieder zu einer hasserfüllten Fratze verzerrt? Falls ja, hatte er es nicht bemerkt …
»Ins Jal? Wozu?«, fragte Lana verwundert. »Wenn wir zurückkehren, müssen wir vielleicht für immer dort bleiben!«
»Aber immerhin kämen wir so aus diesem verfluchten Labyrinth heraus«, überlegte Amanon laut. »Einer von uns könnte Nol aufsuchen und ihn fragen, ob er uns nicht an einen anderen Ort schicken kann.«
»Das kommt mir ebenso gefährlich vor wie weiterzulaufen. Vielleicht schaffen wir es ja doch bis Ith«, murmelte Bowbaq.
»Außerdem wissen wir nicht, ob der Ewige Wächter der ethekischen Pforte noch lebt«, gab Nolan zu bedenken. »Ohne ihn können wir den Durchgang zum Jal nicht öffnen.«
»Und selbst wenn er lebt – wie bringen wir ihn dazu, uns zu helfen?«, meinte Leti. »Wir können die Inschrift der Pforte nicht lesen und wissen nicht, wie man den Wächter ruft.«
»Alle Unsterblichen können die Wächter rufen«, entgegnete Amanon. »So viel wissen wir mittlerweile. Und die Pforte befindet sich an einem der Ausgänge des Labyrinths. Wenn es uns gelingt, sie zu finden, und der Wächter noch
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