Die Kriegerin der Kelten
sollte.«
Endlich, das Warten hatte ein Ende. Corvus war in gewisser Weise erleichtert. »Und es liegt ganz allein in Eurer Macht, dieses Todesurteil zu vollstrecken«, erwiderte Corvus.
»Selbstredend. Es könnte also durchaus sein, dass ich das auch tatsächlich veranlassen werde. Und es gibt eindeutig so manchen unter Euren Offizierskameraden, die das befürworten würden.« Langsam ließ Paulinus den Blick über die Köpfe der vor ihm sitzenden Männer schweifen. Clemens von der Zweiten Legion errötete leicht. Der Rest der Männer verharrte lobenswerterweise in Schweigen und saß wie erstarrt einfach nur auf seinem Platz. »Mein Gast meint allerdings auch, dass es in Eurem Fall vielleicht doch ein wenig überstürzt wäre, Euch gleich zum Tode zu verurteilen. Er meint sogar, Ihr besäßet ein außergewöhnliches Maß an Mut und innerer Stärke, und er schwört, dass Ihr darum seiner Ansicht nach wohl unter dem Schutz der Götter der Insel von Mona stehen müsst. Ersteres erwarten wir natürlich von jedem Offizier der römischen Legionen. Letzteres wiederum... nun, unter den gegenwärtigen Umständen dürfte Euch das wahrscheinlich noch zugute kommen.«
Und wenn du die weiteren Schritte in deinem Leben von nun an mit etwas mehr Sorgfalt planst, dann, so glaube ich zumindest, wirst du meinen Sohn in diesem Leben auch noch mindestens einmal wiedersehen ...
Corvus hatte den Eindruck, als ob die Luft, die ihn umgab, in diesem Augenblick einen Riss bekäme und ein Ruck sie durchwogte. Er bemühte sich, nun tatsächlich gemäß mac Calmas Empfehlung zu handeln und ausnahmsweise einmal mit außergewöhnlicher Behutsamkeit vorzugehen, sodass er nun einfach nur schwieg und nicht etwa hinterfragte, was genau die Offiziere denn bereits über ihn wüssten. Und er lächelte auch nicht, atmete noch nicht einmal, obwohl ihn die Anspannung an den Rand der Ohnmacht brachte, sondern hob lediglich leicht eine Braue und wandte sich um, um jenen blonden Stammesangehörigen zu mustern, der sich den einzig bequemen Platz am Ende des Tisches gesichert hatte.
Der Britannier hatte eine kräftigere Statur als jeder andere der Anwesenden. Sein Körperbau glich in etwa dem der Bataver, und sein Hals war so dick, dass es aussah, als säße sein Kopf unmittelbar auf den Schultern. Sein Haar dagegen wirkte seltsam feminin, und bei Tageslicht war es wahrscheinlich von einem reinen, silbrigen Weiß. Im Schein der Lampen jedoch hatte es das blasse Gelb von polierten Fohlenhufen angenommen. Locker lag es auf seinen Schultern und fiel dann schwer über eine grellgrüne Tunika mit einem Muster aus gelben Kordelknoten am Saum und an den Unterkanten der kurzen Ärmel. Der goldene Reif, der sich dicht über seinem Ellenbogen um seinen Arm wand, war von solch teurer Machart, wie ein Angehöriger der südlichen Stämme es sich niemals leisten könnte. In den Reif eingelassen war die lang gestreckte Silhouette einer Stute, die ganz aus Weißgold gefertigt war und über der wiederum ein Dreieck zu schweben schien.
Velocatos. Langsam begann Corvus, mit diesem Namen eine gewisse Bedeutung zu verknüpfen. Denn der Mann war ganz eindeutig nicht bloß ein Kurier. Und auch die Tatsache, dass ausgerechnet ihm der Platz am Kopfende des Tisches zugewiesen worden war, erschien Corvus nun logischer als noch vor wenigen Augenblicken. »Es ist lange her«, wandte er sich an Paulinus’ Gast, »dass wir zuletzt durch die Anwesenheit eines Kuriers der Briganter beehrt wurden. Vor allem nicht von dem Gemahl von Cartimandua, der Königin der Briganter.«
Das Licht der kleinen Laternen ließ die Augen des Gesandten blässlich leuchten. »Es ist ja auch schon eine ganze Weile her, dass die Eceni den Aufstand probten. Aber wenn ich mich recht erinnere, hattet Ihr auch zum Zeitpunkt ihrer letzten Revolte bereits den Dienstgrad des Präfekten inne, nicht wahr? Ich meine, damals, als man dem Sohn des Gouverneurs für seinen Einsatz in der Schlacht der Zerschlagenen Stämme das Eichenblatt verlieh.«
Der Gouverneur wusste ganz genau, wie die Schlacht in Wahrheit verlaufen war, und zumindest, was seine eigenen Offiziere anbelangte, hatte er zu diesem Thema niemals falsche Schmeicheleien erwartet. Mit formvollendeter Höflichkeit entgegnete Corvus also: »So, das ist also der Name, unter dem diese Schlacht im Norden bekannt wurde? Die Eceni nennen sie die Schlacht der Salmfalle. Sie feiern sie noch heute als einen Sieg über die Besatzer. Und zumindest was mich ganz
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