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Die Kriegerin der Kelten

Die Kriegerin der Kelten

Titel: Die Kriegerin der Kelten Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Manda Scott
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leicht gebogen.
    Valerius spürte, dass jemand neben ihn getreten war. Breaca war gekommen, scheinbar wie aus dem Nichts. An dem Sturmangriff auf die Tempelpforten hatte sie nicht teilgenommen. Valerius reichte ihr den Dachziegel. Energisch zerbrach sie ihn in zwei Hälften und dann in Viertel, ganz so, wie auch die alten Männer in Rom ihre Leidenstafeln in Stücke brachen, mit denen sie symbolhaft ihre zuvor auf diese Tafeln geschriebenen Leiden zerstören wollten. Valerius konnte noch nicht einmal erahnen, was in diesem Augenblick wohl in Breacas Innerem vorging. Ihr Gesicht verriet nichts, was für ihn sehr ungewohnt war.
    Hinter ihr wurden von Krieger zu Krieger die Feuereimer weitergereicht. Sie schwelten vorerst nur, standen noch nicht richtig in Flammen, sondern gaben nur feinen, staubähnlichen Rauch von sich, und über ihnen schwebte der Geruch nach Pech und Eichenrinde. Valerius starrte zum Mittelpunkt jener Menge hinüber, die noch immer wild auf die Tempeltür eindrosch.
    »Huw!« Der Bursche stand nicht weit von Valerius entfernt, und auch er hatte bereits Cygfa auf dem Tempeldach entdeckt. Grinsend ließ er abermals seine Steinschleuder kreisen.
    Valerius aber winkte ihm hektisch zu und brüllte, dass er die Schlinge wieder wegstecken solle. »Zurück!«
    Aber die Krieger besaßen nicht die Disziplin der römischen Legionare, und der Lärm schien seine ganz eigene Gewalt entwickelt zu haben, sodass es schwer war, ihnen nun Einhalt zu gebieten und sie abermals der nervenzermürbenden Stille auszusetzen. Dennoch ließ ihre Raserei allmählich etwas nach, während mehr und mehr von ihnen abgezogen wurden, um beim Transport der Pecheimer zu helfen. Andere wichen freiwillig zurück, kletterten auf die niedrige Tempelhofmauer und beobachteten Cygfa und deren zwölfköpfige Ehrengarde dabei, wie diese Eimer für Eimer auf das Dach des Tempels hievten und mehr und mehr grauer Rauch das klare Blau des Himmels beschmutzte.
    Die im Tempelinneren Eingeschlossenen begriffen erst deutlich später, was ihnen nun drohte, als die vor der Pforte wütende Horde der Krieger. Der Lärm, mit dem Letztere auf die Tempeltür eingehämmert hatten, war von außen bereits nur schwer zu ertragen gewesen. Im Inneren des Gebäudes aber, in der steinernen Kammer, die den Kern des Tempels bildete und in der der Krach noch durch seinen eigenen Widerhall verstärkt wurde, war das Dröhnen geradezu ohrenbetäubend. Die Geräusche, mit denen nun die Dachpfannen hochgestemmt und fortgeschleudert wurden, gingen in dem allgemeinen Toben also völlig unter. Rasch hatten die Krieger auf dem Dach nasse Häute über die stetig größer werdende Lücke gebreitet, die sie geschaffen hatten, damit das ansonsten hereinfallende Tageslicht nicht ihren Plan verriet.
    Insgesamt acht Krieger standen auf dem schräg abfallenden Dach, ein jeder mit einem Eimer in den Händen. Vier weitere Krieger hielten die Ecken der nassen Häute. Cygfa reckte eine mit Pech und Kiefernharz bestrichene Fackel empor, die sogar noch heller strahlte als die Sonne.
    Die Befehle aber erteilte diesmal nicht Cygfa, sondern Valerius, schließlich beruhte die Mischung in den Eimern auch auf seiner Idee, und es war gut, wenn auch das restliche Heer sah, dass er teilhatte an der letzten Schlacht um Camulodunum.
    Er rief Cygfa etwas zu und hob die Hand. Diese grinste, neigte die Fackel kurz in der Art des Kriegergrußes und sagte dann irgendetwas, das man vom Boden aus nicht verstehen konnte. Sofort zogen die vier Krieger, die die Ziegenhäute an ihrem Platz hielten, die Abdeckung beiseite. Cygfa drehte sich langsam einmal um ihre eigene Achse, woraufhin alle acht Eimer regelrecht in Flammen aufgingen und dunklen, teerhaltigen Rauch in die Luft spien. Durch die Lücke zwischen den Dachpfannen stieg der gellende Angstschrei eines einzelnes Mannes auf, kurz darauf folgte eine wahre Kakophonie von weiteren schrillen Stimmen, als der erste der brennenden Pecheimer in den Tempelsaal hinabgeschleudert wurde.

XXVII
    Die Streitkräfte brachen aus dem Tempel hervor, noch ehe der letzte Pecheimer durch die Lücke im Dach hinabgeschleudert worden war.
    Und mit genau diesem Ausbruch hatten alle gerechnet. Denn sofern man noch eine gewisse Wahl hatte, so würde doch wohl jeder Krieger, ja, auch jeder Kaufmann, jeder Gerber, jeder Geschirrmacher und sogar jeder Staatsbeamte lieber zur Waffe greifen und den Tod in der Schlacht wählen, als lebendig zu verbrennen. Zumal immer noch die Chance

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