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Die Kriegerin der Kelten

Die Kriegerin der Kelten

Titel: Die Kriegerin der Kelten Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Manda Scott
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Götter gemeinsam gehandelt, als sie ihr Feuer über den Himmel branden ließen, damit dieses mit dem von Menschenhand geschaffenen Feuer auf der Erde verschmolz. Und aus dem Zusammentreffen der beiden Flammenmeere war schließlich ein solch überwältigendes Strahlen erwachsen, dass die Krieger in flüssigem Sonnenlicht geradezu zu baden schienen, wie geblendet waren, auf ihrer Haut die zarte Berührung der Götter erahnten und eine aus tiefstem Herzen stammende Dankbarkeit verspürten.
    Letztendlich aber musste das Heer sich doch irgendwann wieder aus seiner lähmenden Verzückung lösen, musste handeln, den Tag erobern und mit fester Hand seine Geschicke lenken. Folglich sank Valerius nun auch nicht in kraftloser Erleichterung zu Boden - obwohl der Moment eine solche Geste beinahe schon zu fordern schien -, sondern lockerte lediglich seine verkrampften Finger, schloss die Hände dann wieder zu Fäusten zusammen und fragte: »Huw?«
    Prompt trat der beste Steinschleuderschütze Monas an Valerius’ Seite. Ganz leise fiel ein kleiner Stein in seine lederne Schlinge, gefolgt von dem gedämpften Sirren, als das Geschoss mit einer knappen Handbewegung auf seine Flugbahn geschickt wurde.
    Der Stein, den Huw ausgesandt hatte, war ein unscheinbarer Feuerstein von der Größe eines Hühnereis, den er und Valerius gemeinsam in der abendfeuchten Dämmerung des Vortags gefunden hatten. Die eine Seite des Steins war aufgebrochen gewesen, sodass unter der weißen Oberfläche sein schwarzes Herz zu erkennen war. Er symbolisierte Briga, die umarmt wurde von Nemain, und er schien eine gute Wahl zu sein, um das Ende der römischen Herrschaft zu besiegeln.
    Der Stein prallte mit einem solch lauten Dröhnen gegen die bronzene Tempeltür, als hätte ein Gott gegen einen riesigen Kampfschild geschlagen. Der Nachhall war selbst auf dem flachen Abhang in zehn Speerwurfweiten Entfernung vom Tempel noch zu hören, und wie Wogen auf einem Meer aus Schweigen brandete schließlich sein Echo heran.
    Knappe zwei Herzschläge später herrschte abermals Stille vor dem Tempelhof des Gottes Claudius. Dann, unter dem strahlenden Segen des Gottes und mit all dem Lärm und all der Inbrunst, die sie nur irgend aufbringen konnten, stürmten Valerius und sein Heer auf die bronzenen Pforten zu.
    Das Getöse war schier unvorstellbar und sogar noch lauter als der normalerweise bereits regelrecht ohrenbetäubende Schlachtenlärm. Allein dass bislang noch die Schreie der Verwundeten und Sterbenden fehlten, untermalt von den dumpfen Geräuschen, mit denen Eisen auf Fleisch prallte. Doch an ihrer Stelle war ein beständiger Regen von Eisen auf Bronze, von Holz gegen Bronze und von Stein gegen Bronze zu hören, während Schwerter, Speerhefte und Schleudersteine in einem nicht enden wollenden Crescendo gegen die schweren metallenen Tempeltüren knallten. Die Waffen hinterließen keinerlei Einbuchtungen, geschweige denn, dass sie die Türflügel aus den Angeln gehoben hätten. Doch das hatte auch niemand erwartet.
    Einige Zeit später, als Valerius beinahe schon glaubte, taub geworden zu sein, hörte er über den Lärm hinweg ein schrilles Pfeifen.
    Er trat einen Schritt zurück und wischte sich den Schweiß vom Gesicht. Seine Kehle und sein Brustkorb schmerzten, und er verspürte ein trockenes Brennen in den Augen, ganz so, als ob er sich mitten in einer Schlacht befände. Auch sein rechter Arm tat weh.
    »Hier!«
    Valerius hob den Blick. Unmittelbar über ihm in etwa zwanzig Metern Höhe stand Cygfa auf dem Tempeldach. Die Sonne umhüllte sie mit ihrem Glanz, und Cygfas Haar erstrahlte wie ein Heiligenschein, während ihre zarten Gesichtszüge wie in Marmor gemeißelt schienen. Sie sah aus wie der junge Alexander, den Valerius einst auf einem Fresko in einer gallischen Villa gesehen hatte. Mit einem Mal spürte Valerius, wie seine Vergangenheit sich plötzlich wieder in seine Gegenwart zu drängen schien - hastig schüttelte er den Kopf, um die unwillkommenen Bilder zu vertreiben.
    Cygfa brüllte aus Leibeskräften, damit er sie auch über den Lärm hinweg verstehen konnte. »Wir sind so weit! Schick die Feuereimer hoch.« Sie ahmte einen Speerwurf nach, um ihm anzuzeigen, dass der taktische Teil des Angriffs nun beginnen konnte. Dann, als sie sah, dass auch Valerius bereit war, ließ sie ein kleines Gewicht zu ihm hinab, das sich, als er es auffing, als ein vergoldeter Dachziegel entpuppte. Unter dem Gold war der Ziegel von erstaunlich billiger Machart und

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