Die Legende von Shannara 01 - Brooks, T: Legende von Shannara 01
verlassen, um Prue zu suchen und sie zurückzubringen.«
Der Jüngling blickte hastig hoch. »Dann musst du mich mitnehmen. Ich kann dir helfen.«
»Diesmal nicht. Ich weiß, dass du mich begleiten willst, aber ich habe eine bessere Chance, sie zu befreien, wenn ich alleine gehe.«
Panterra schüttelte den Kopf. »Es ist nicht in Ordnung, dich das tun zu lassen. Schließlich war ich es, der sie verlassen hat. Ich sollte derjenige sein, der zurückgeht und sie befreit.«
Sider beugte sich vor, schlang die Arme um seine Knie und blickte in die Bäume. »Vertrau mir und verlass dich auf mein Urteil.«
Er sagte es freundlich und ließ seine Stimme bewusst sanft klingen, aber er konnte trotzdem sehen, wie der Junge zusammenzuckte. Er bedauerte, es ihm auf diese Weise sagen zu müssen, aber die Zeit, die ihnen allen noch blieb, näherte sich ihrem Ende. Und das galt ganz besonders für das Mädchen. Taureq Siq würde schon sehr bald herausfinden, dass es kein Treffen mit ihm und den Anführern des Tals geben würde. Wenn das geschah, hatte er keine weitere Verwendung mehr für Prue Liss und würde sie wahrscheinlich rasch loswerden wollen.
»Was soll ich tun, solange du fort bist?«, erkundigte sich Panterra schließlich.
Das ist die richtige Frage, dachte Sider. »Ich möchte, dass du zu Aislinne gehst und ihr erzählst, was geschehen ist, damit sie die Informationen an Pogue weitergeben kann. Er muss erfahren, dass Hilfe unterwegs ist. Einstweilen vergewissere dich, dass der Pass an der Declan-Schlucht gegen einen Angriff gerüstet wird. Ich rechne zwar damit, dass sie zuerst am Aphalionpass angreifen, aber wir dürfen kein Risiko eingehen.«
Der Junge nickte. »Werdet ihr durch die Declan-Schlucht zurückkommen, wenn du sie gefunden hast?«
»Ja.«
»Dann warte ich dort auf euch. Ich kann mit den anderen an den Befestigungen arbeiten.«
Sie schwiegen und sahen sich an. Keiner wusste, was er noch hätte sagen sollen. »Mach dir keine Sorgen«, meinte der Graue schließlich. »Ich bringe sie gesund und munter zurück.«
Panterra antwortete nicht, aber in der folgenden Stille konnte Sider Ament nur allzu deutlich hören, was er dachte.
Das musst du auch.
KAPITEL 24
Nur zwei Tage, nachdem sie ihre Großmutter besucht hatte, wurde Phryne zu ihrem Vater zitiert. Er verkündete ihr, dass die Einschränkungen, die man ihr auferlegt hatte, aufgehoben wären. Er schien weder zufrieden noch unzufrieden zu sein, was diese Entscheidung betraf, sondern wirkte eher resigniert. Seine Erklärung ließ jedoch keine Fragen offen.
»Deine Großmutter scheint zu glauben, dass du genug bestraft wurdest«, fing er an, nachdem sie vor ihm Platz genommen hatte. »Sie hat mir diesbezüglich von ihren Kurieren wiederholt Mitteilungen überbringen lassen. Sie will, dass ich dich auf nützlichere Weise arbeiten lasse. Sie möchte, dass ich dir noch einmal die Gelegenheit gebe zu beweisen, dass du Verantwortungsgefühl besitzt.«
Er hielt inne. »Ich bin in diesem Punkt ihrer Meinung, und das will schon etwas heißen. Mistral Belloruus hat sich bei mir in den vergangenen Jahren nicht gerade beliebt gemacht. Wenn es nach ihr gegangen wäre, wäre ich bis ans Ende meiner Tage ein Witwer geblieben, der um deine Mutter trauert. Aber in diesem Punkt würde ihr sogar deine Mutter widersprechen, wenn sie das noch könnte. Das Leben gehört den Lebenden, und die Lebenden haben die Pflicht, weiterzumachen.«
Er stockte, als würde ihm plötzlich nicht mehr gefallen, was er gesagt hatte. »Ich will damit nicht sagen, dass ich deine Mutter nicht mehr geliebt habe, als ich je eine andere Frau lieben könnte, Phryne. Niemand könnte in meinem Herzen jemals ihren Platz einnehmen. Vielleicht glaubst du das nicht, aber es ist so.«
Sie glaubte zwar tatsächlich etwas anderes, aber sie war dennoch bereit, zumindest daran zu zweifeln. Dafür reichte ihre Liebe zu ihm noch aus.
»Also gebe ich dir dein altes Leben und deine Freiheiten zurück, und zwar ohne jede Einschränkung«, fuhr er fort. »Ich gehe davon aus, dass du mein Vertrauen nicht noch einmal missbrauchen wirst und dass du mit Bedacht handelst, auch wenn du versucht bist, das Gegenteil zu tun. Du wirst keinen plötzlichen Eingebungen folgen, du wirst die Vorsicht nicht in den Wind schlagen, um deine Neugierde zu befriedigen, und du wirst unter gar keinen Umständen das Tal verlassen. Sind wir uns einig?«
Sie nickte. »Das sind wir.«
»Das ist wichtig, angesichts dessen, worum ich
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