Die Legende von Shannara 01 - Brooks, T: Legende von Shannara 01
für dich, sondern auch für die, die du beschützt.«
Der Junge schwieg jetzt etwas länger, dann schüttelte er zweifelnd seinen Kopf. »Ich weiß nicht. Ich weiß nicht, ob ich das tun kann. Ich weiß nicht, ob ich es will.«
Sider nickte. »Das weiß ich auch nicht. Keiner von uns wird es wissen, bis zu dem Augenblick, an dem ich den Stab an dich weiterreiche. Alles, was wir bis dahin tun können, ist zu versuchen, dich darauf vorzubereiten, was es bedeutet, den Stab zu tragen. Wir können darüber reden. Wir können es ausprobieren. Du kannst fragen, was immer du willst, und ich antworte, so gut ich kann. Das gibt dir die Gelegenheit herauszufinden, ob dich diese Aufgabe interessieren könnte… und zwar nicht abstrakt, sondern im praktischen Umgang damit. Ich werde versuchen, dich davon zu überzeugen, dass du der richtige Mann bist, um diesen Stab zu tragen. Aber ich werde dich nicht zwingen, ihn zu nehmen, und ich erwarte auch nicht von dir, dass du dich selbst dazu zwingst. Es muss freiwillig geschehen. Du musst das Bedürfnis danach verspüren.«
Der Junge schüttelte wieder den Kopf. »Mir gefällt die Vorstellung nicht. Ich möchte nicht für so viele Menschen verantwortlich sein.«
»Aber unterscheidet es sich denn so sehr von dem, was du jetzt schon tust? Du vertrittst das ganze Dorf und indirekt sogar das ganze Tal. Sie verlassen sich auf deine Fähigkeiten als Fährtenleser, damit du über sie wachst, damit du sie schützt, damit du auf sie aufpasst. Wenn du versagst, werden viel mehr Leute als nur du allein unter den Folgen zu leiden haben. Für viele wird es den Tod bedeuten. Wegen der drohenden Invasion liegt jetzt die Verantwortung für viel mehr Menschen in deinen Händen als jemals zuvor. Du brauchst dir nicht einzubilden, dass sich deine Verantwortlichkeiten groß ändern würden, wenn du den Stab nimmst. Es würde jedoch deine Chancen verbessern, das, was getan werden muss, auch richtig zu machen.«
»Was du sagst, klingt, als sei ich als Fährtenleser alleine für alle verantwortlich«, verteidigte der Junge seine Position, als er darüber nachgedacht hatte. »Es gibt auch noch andere Fährtenleser, die genauso qualifiziert und genauso verantwortungsvoll sind wie ich, und die mich bei meiner Aufgabe unterstützen. Wenn ich aber der nächste Träger des Stabes werden würde, dann stünde ich ganz allein da.«
»Das würdest du«, bestätigte Sider. »Aber wie unangenehm wäre das für dich? Meinst du denn nicht, dass du sogar jetzt schon auf dich allein gestellt bist? Die ganze Zeit? Ist das denn nicht die Art und Weise, in der du schon jetzt die Dinge angehst? Weil du dir sagst, dass die Verantwortung bei dir liegt und dass es gleichgültig ist, ob es auch noch andere gibt, die es genauso gut könnten und die du rufen kannst, damit sie dir etwas davon abnehmen? Das ist doch nicht deine Art zu denken, oder? Du übernimmst die Verantwortung für dein Tun, und nur du allein.«
Er sah, dass er Recht hatte. Er sah es in den Augen des Jungen, spürte es an dessen Zögern, bevor er zu einer Antwort ansetzte.
»Aber trotzdem ist es nicht dasselbe«, beharrte Panterra.
Sider ließ die Antwort einen Moment lang so stehen, dann legte er eine Hand auf die Schulter des Jungen und drückte sie leicht. »Warum lassen wir es nicht fürs Erste dabei bewenden? Wir können später noch darüber reden. Du kannst über das, was ich dir gesagt habe, nachdenken. Wir sollten etwas essen und dann schlafen.«
Der Junge nickte, sagte aber nichts. Sider sah, dass er bereits dabei war, es sich zu überlegen.
Sie bereiteten ihr Abendessen zu: Gekochtes Kaninchen, ein wenig von dem mehrere Tage alten Brot, das man ihnen bei ihrem Abschied aus Holdfast-Crossing mitgegeben hatte, etwas Gemüse aus ausgegrabenen Wurzeln, in Streifen geschnitten, um es zusammen mit dem Fleisch zu kochen, und kaltes Quellwasser. Sie aßen schweigend, während das letzte Tageslicht am Himmel erlosch und langsam die Sterne sichtbar wurden.
»Morgen erreichen wir Glensk Wood«, sagte Sider, als sie ihr Mahl beendet hatten. Sie saßen am Feuer, das langsam herunterbrannte, und lauschten den Geräuschen der heraufziehenden Nacht. »Ich werde dich dort verlassen und allein weitergehen. Ich werde erst in ein paar Tagen zurückkehren.«
Der Junge schwieg eine Weile. »Weil ich nicht dein Lehrling sein möchte?«
Sider hätte fast gelächelt, schaffte es aber gerade noch, ernst zu bleiben. »Damit hat es nichts zu tun. Ich werde das Tal
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