Die Legende von Shannara 01 - Brooks, T: Legende von Shannara 01
wir immer noch hundert Mal besser dran als ohne dich.«
»Zweifellos«, grinste Esselline. »Bist du jetzt zufrieden?«
Sider schaute zu Panterra hinüber und zwinkerte. »Den Umständen entsprechend.«
Vierundzwanzig Stunden später lagerten sie eine Tagesreise von Glensk Wood entfernt in einer kleinen Senke. Die Dämmerung war hereingebrochen, und im Westen schwand das letzte Tageslicht. In einer Grube hatten sie trockenes Holz aufgestapelt, um später ihr Abendessen zu kochen. Sider legte die Holzstücke geistesabwesend zurecht und dachte an die Unterhaltung mit Hadrian Esselline zurück.
»Glaubst du, dass irgendjemand kommen wird?«, fragte der Junge ihn unvermittelt, als ob er seine Gedanken lesen könnte. »Außer Esselline?«
Sider nickte beiläufig, ohne ihn anzusehen. »Ein paar werden sich von seiner Entscheidung beeinflussen lassen. Die schließen sich ihm vielleicht an.« Er zuckte mit den Schultern. »Trotzdem ist es schwer abzuschätzen. Glensk Wood sollte sich besser darauf einstellen, sich allein verteidigen zu müssen.«
Jetzt endlich hob er den Blick zu dem Jüngling, der seine Worte mit einem knappen Nicken quittierte. »Es wäre besser, wenn sie mehr unternehmen würden. Was denken sie denn, warum wir uns all die Mühe machen, hier herunterzukommen, um sie zu warnen? Würden wir das tun, wenn es nicht so wichtig wäre?«
Sider schlug seine Feuersteine auf den Zunder, bis die Funken ihn in Brand setzten; dann blies er in die kleine Flamme, bis das Holz ebenfalls Feuer fing, und ging zu dem Jungen. Er setzte sich neben ihn. »Es ist nicht so einfach«, sagte er.
»Warum? Für mich sieht es ganz einfach aus.«
Er ist noch so jung , dachte Sider und betrachtete Panterras weiches Gesicht und die markanten Gesichtszüge. So wie ich, als der alte Mann zum ersten Mal zu mir gekommen ist. Ich wusste nichts von der Welt, und dieser Junge weiß auch nicht viel mehr, wenn man davon absieht, dass er ein Fährtenleser ist und es versteht, in der Wildnis zu überleben. Er weiß noch nicht, wie einem das Leben zusetzen kann und dass es mit einem macht, was es will.
Er beugte seinen mageren Leib vor und starrte auf seine Stiefel, während er sprach. »Was einfach aussieht, ist es meistens nicht. Und hier gilt das sogar noch mehr als sonst, möchte ich hinzufügen. Es gibt Allianzen, sowohl öffentliche als auch geheime, die das Denken der menschlichen wie der elfischen Anführer bestimmen. Und es gibt Feindschaften zwischen den Familien und den Städten, die auch nach Jahrhunderten nicht vergessen sind. Auch so etwas spielt eine Rolle. Was oberflächlich betrachtet deutlich und klar wirkt, ist mit vielen untereinander zusammenhängenden Details verknüpft, die man manchmal nicht überwinden kann.«
Er sah den Jungen an. »Es droht eine äußere Gefahr, klar und unmittelbar, und dass etwas geschehen muss, ist für uns, die wir abseits leben, offenkundig. Aber die meisten leben nicht wie du und ich. Sie sind Teil einer größeren Gemeinschaft von Familie, Freunden und Mitbürgern, und ihre Handlungen werden durch eine Vielzahl von Überlegungen gesteuert. Für sie ist es viel wichtiger, nichts Falsches zu tun, als das Richtige zu machen. Sie lassen sich Zeit, weil sie fürchten, Fehler zu begehen, die sie ins Verderben stürzen. Wie ich schon sagte… es ist kompliziert.«
Der Jüngling nickte und strich sich sein strähniges Haar aus dem Gesicht. »Das kann ich mir vorstellen.«
Der Graue fasste ihn schärfer ins Auge. »Wie würde es dir gefallen, jemand zu werden, der bei alldem wirklich etwas bewegen kann?«
Der Junge blinzelte. »Was meinst du damit? Inwiefern etwas bewegen?«
»Stell dir vor, du wärest in einer Position, in der du mit jedem über Dinge sprechen kannst, die getan werden müssen und die vielleicht lebensverändernde Auswirkungen für jedermann haben. Würde dich das interessieren?«
»Aber das kann niemand. Nicht einmal du.«
Sider Ament lächelte. »Manchmal gelingt es mir. Und das ist schon Grund genug für mich, es auch weiterhin zu versuchen.«
»Aber ich bin nicht du. Ich bin nur ein Fährtenleser.«
»Du bist nicht nur ein Fährtenleser, Panterra. Du bist viel mehr als das. Du bist etwas Besonderes. Du bist begabt, und du besitzt eine Menge Fertigkeiten. Ich habe nicht übertrieben, als ich Esselline gesagt habe, dass ich einen guten Grund gehabt hätte, dich mitzunehmen. In der ganzen Zeit, die ich bisher durch das Tal gewandert bin und die Pässe bewacht habe, ist
Weitere Kostenlose Bücher