Die Legende von Shannara 01 - Brooks, T: Legende von Shannara 01
in Arborlon? Wie kommt Panterra ohne Prue zurecht?«
Sie verzog das Gesicht. »Müsst ihr mich immer wieder daran erinnern?« Sie seufzte. »Ganz gut, denke ich, nachdem er weggegangen ist. Sider Ament hat ihn mit in den Süden genommen, um die Dörfer dort aufzusuchen und Hilfe für die Verteidigung der Pässe zusammenzutrommeln. Seitdem habe ich ihn nicht mehr gesehen. Und was gibt’s hier?«
»Du kannst dich selbst vom Fortgang der Arbeiten überzeugen, wenn du willst«, schlug Tasha vor. »Wir haben den größten Teil des Verteidigungswalls fertig. In drei Tagen müssten die Arbeiten beendet sein. Ist das der Grund, warum du hier bist? Um deinem Vater Bericht zu erstatten?«
»Natürlich nicht!« Sie versuchte, beleidigt auszusehen. »Ich bin nur hier, um mich zu vergewissern, dass ihr beide wohlauf und guter Dinge seid. Aber da es euch beiden ziemlich gut zu gehen scheint, kann ich mich ja bei der Gelegenheit ruhig umsehen.«
Die Brüder lachten. Dann nahm Tasha ihren Arm und dirigierte sie zum Wall. »Komm mit, Cousine Prinzessin, und überzeug dich, wie die schwer arbeitenden Elfen ihre Pflicht erfüllen.«
Mit Tenerife im Schlepptau führte Tasha sie durch Berge von Baumaterialien und Ausrüstung. Man hatte Baumstämme und gewaltige Steine aus dem Tal herangeschafft. Ihre Schmiede hatten Ketten, Klammern und Riegel geschmiedet und die Handwerker schwere Seile, Flaschenzüge, Seilrollen und Bauwinden hergestellt. Sie schaute sich alles an, war aber immer noch verwirrt wegen der Position des Walls. »Warum habt ihr ihn so dicht an diesem Ende des Passes gebaut?«, fragte sie schließlich.
Tasha lachte. »Sieht aus wie ein Fehler, oder? Aber nur, wenn man die Wahl dieses Standortes beurteilt, ohne länger darüber nachzudenken. Lass es mich erklären.« Er zeigte auf die Felswände zu beiden Seiten. »Das hier ist der engste Punkt des Passes, an dem man nicht an den Wänden hochklettern kann, um die Verschanzung zu umgehen. Weiter drinnen haben wir schon ein paar Klettersteige und mögliche Fußstützen entfernt, wodurch die Wände sogar noch steiler geworden sind. Auf dieser Seite haben wir Fußstützen herausgemeißelt, damit wir Verteidiger über die ganze Höhe der Felswände postieren können, die außer Sicht sind, wenn man sich von außen nähert. Im Falle eines Angriffes können Bogenschützen diese Positionen besetzen. Wegen der zeitlichen Beschränkungen haben wir schon bald beschlossen, einen einzigen Wall statt mehrerer zu bauen. Ein guter Wall muss ausreichen. Ein weiterer Grund, warum wir gerade diesen Ort gewählt haben, ist weniger offensichtlich. Komm mal mit hier herüber.«
Er führte sie zum Wall. Gemeinsam stiegen die drei Cousins an Leitern bis zur Brüstung hinauf und an der äußeren Seite wieder hinunter. Tasha führte sie etwa zehn Meter weiter, dann stoppte er und zeigte nach oben. »Jetzt schau hoch. Da, in den Felsvorsprüngen auf beiden Seiten.«
Sie schaute hoch, aber sie konnte nichts entdecken. »Wonach suche ich?«
»Nach etwas, was du nicht siehst… und das ist gut so. Wir wollen nicht, dass die Trolle es sehen. Wir haben auf jeder Seite Bolzen eingeschlagen und mit Seilen gesichert, die mehrere Tonnen Steine zurückhalten. Wenn man an den Seilen zieht, gibt es eine Steinlawine, die jeden unter sich begraben wird, der sich auf der falschen Seite des Passes befindet. Das ist die letzte Rettung, falls die Mauern eingenommen werden. Die Trolle werden zu Hunderten nach vorne drängen, und sie werden weder die Zeit noch den Platz haben, um wegzulaufen. Die meisten werden dort sterben, wo sie gerade stehen.«
Sie nickte. »Aber glaubt ihr nicht, dass sie die Falle sehen werden, die ihr ihnen stellt?«
Tenerife zuckte mit den Schultern. »Du hast sie nicht gesehen. Und sind ihre Augen etwa schärfer als deine?«
»Vielleicht haben sie mehr Erfahrung mit solchen Dingen als ich?«
»Vielleicht werden sie aber auch viel zu sehr damit beschäftigt sein, am Leben zu bleiben, wenn sie es bis hierher geschafft haben, um irgendwelche Felsvorsprünge genauer zu inspizieren, die sich fast hundert Meter über ihnen befinden.«
Sie nickte. Das leuchtete ihr ein. »Und wer hat das alles geplant?«
Tasha sah sie mit hochgezogener Augenbraue an. »Ronan Caer. Erinnerst du dich an ihn?«
Sie schüttelte den Kopf. »Aber der Name klingt vertraut.«
»Das sollte er auch. Er hat dir den Arm gebrochen, als du fünf warst. Ihr habt mit Stöcken gespielt und so getan, als würdet ihr
Weitere Kostenlose Bücher