Die Legenden der Albae: Tobender Sturm (Die Legenden der Albae 4) (German Edition)
Mustern aus Dsôn Faïmon bestickt war. Er machte keinen Hehl aus seiner Herkunft und war stolz auf seine Vergangenheit.
Was habe ich in den vergangenen Teilen der Unendlichkeit erlebt und geleistet. Er warf seine Blicke abwechselnd auf den Fluss und auf die Schlucht unter ihm. So lange gelang es mir, alles zu vermeiden, was uns in eine Auseinandersetzung mit dem Abschaum treibt. Und nun das! Gelegentlich wandte er sich um und betrachtete die Bewohner, die den Übergang benutzten.
Man grüßte ihn und ging den Geschäften nach. Niemand nahm zur Kenntnis, in welch nachdenklicher Stimmung er sich befand, und keiner ahnte, was sich über der Stadt zusammenbraute.
Stumm verwünschte Shôtoràs seine Nichte. So schlau wie sie ist, leidet sie dennoch an übergroßer Torheit. Er konnte sich ihren Drang nicht erklären, einen handfesten Krieg auszulösen. Was denkt sie sich dabei? Irïanora verfügte nicht einmal über eine besondere Strategie. Überraschung alleine reichte gegen die Erhabene nicht aus.
Die Kämpfe würden zu lange dauern. Der Regent schüttelte den Kopf und richtete die Augen wieder auf den Tronjor, der beständig und blau leuchtend im Sonnenschein dahinzog. Die Einzigen, die sich darüber freuen würden, sind die umliegenden Völker. Damit wären sie uns entweder los oder würden über uns herfallen, weil sie uns geschwächt wüssten.
Shôtoràs schloss die Augen und lauschte auf das Rauschen der Luft; der Bart und die Haare wehten spürbar.
Die Vergangenheit drängte heran und beschwor Bilder herauf.
Sie hatten sich gesammelt, nahe des von Säure zerfressenen Schwarzen Herzens, hatten das Land einbrechen sehen und wussten, dass die Wandelnden Türme durch die Gegend streiften und die Unauslöschlichen geflüchtet waren, anstatt ihnen beizustehen.
Geflüchtet. Shôtoràs schnaubte verächtlich. Verräter an denen, die ihnen so lange die Treue gehalten hatten. Ausgerechnet er, ein glühendes Gestirn, gehörte zu denen, welche die Überlebenden nach Norden führten, um eine neue Heimat zu finden.
Aber die Einigkeit hielt nicht lange. Die Albae zerstreuten sich, und damit begannen die Niederlagen. Das Sterben. Die Endlichkeit.
Doch nicht in meiner Stadt. In Gedanken sah er Dsôn Dâkiòn entstehen, unter seiner Leitung und Führung. Wie Tausende Albae sich in die gigantischen Ruinen gewagt hatten, sichernd und suchend, immer auf der Hut vor den letzten Bewohnern; wie sie die titanischen Türme und Gebäude bestaunten und sich fragten, welche Rasse dieses Monument errichtet hatte; wie sie auf den alten Fundamenten und aus den Ruinen neue Gebäude bauten und die Traditionen bewahrten.
Auch wenn es etliche Alte wie Shôtoràs gab, die Zeit ließ sich nicht anhalten. Mit den neuen Generationen kamen neue Ideen und Gedanken.
Es lief nicht schlechter deswegen, auch wenn es den Regenten oftmals Überwindung kostete, sich auf die Veränderungen einzulassen und ihnen zuzustimmen: Es gab keine Sklaven mehr, Albae bedienten nun Albae. Aus den verschiedenen Berufen waren Stände geworden, und es brauchte viel Kraft, um zu verhindern, dass sich einer über den anderen erhob.
Wer sich dem Druck der Änderungen verweigert, wird zerbrechen. Shôtoràs legte die Hände auf die sonnenwarmen Steine der Brüstung.
Ishím Voróo änderte vieles. Auch die Albae selbst.
Anfangs verlief es schleichend und ging mit rätselhaften Todesfällen einher, die auf Sumpffieber und andere Krankheiten der Ödnis geschoben wurden – bis die Cîanai und Cîanoi unter ihnen plötzlich erstarkten.
Es liegt vielleicht an den Steinen. Shôtoràs dachte daran, dass die Basaltquader angeblich von der Insel stammten, auf der sich die Erhabene erstreckte. Nicht wenige Cîani waren mit Modôia damals aus Dsôn Dâkiòn fortgegangen. Tion soll die Seele des blonden Abschaums verschlingen!
Er hasste die Regentin. Aus tiefstem Herzen, inständig und mit aller Leidenschaft. Sie war abgerissen und abgehalftert aus Tark Draan gekommen, begleitet von struppigen Albae, die sie wie Vieh unterwegs eingesammelt hatte. Dann behauptete sie, zuvor in einer Stadt namens Dsôn Sòmran gelebt zu haben, im Grauen Gebirge. Und in einem Albaereich in Tark Draan wollte sie gedient haben.
Lächerlich!
Ihren schmeichelnden Worten und ihren Versprechungen von einer schöneren Stadt folgten Hunderte, die ihre Existenz einst Shôtoràs verdankten.
Mir! Er atmete durch und hob die Lider.
Er traute Irïanora nicht zu, die Wogen zu glätten, um die Metapher bei
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