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Die nachhaltige Pflege von Holzböden

Die nachhaltige Pflege von Holzböden

Titel: Die nachhaltige Pflege von Holzböden Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Will Wiles
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niedergelassen, und am Tresen war eine Reihe von Männern in Zwei- und Dreiergrüppchen vor Anker gegangen, in jener leicht vorgebeugten Haltung, die anzeigte, dass sie dort zu verweilen gedachten, nicht bloß, um eine Erfrischung zu bestellen. Die Stimmung war heiter und gelöst, kommunikativ und selbstzufrieden, alles, was ich nicht war. Ich genierte mich als einsamer Trinker, auch wenn das in diesem Land kein seltener Anblick war. Es war ein Land von Einzelgängern, in dem man politische Gefangene lieber erschoss, weil man argwöhnte, sie würden sich in der Einzelhaft zu wohlfühlen. Die Zinkplatte des Tischchens, an dem ich saß, war voll kleiner Dellen, als hätte ein Lilliputaner-Erschießungskommando sie als Zielscheibe benutzt. Die Dellen im roséfarbenen Metall verzerrten mein gespiegeltes Gesicht, zogen meine Kinnlade in die Länge und ließen es so aussehen, als schwelle ein zweiter Kopf hinter dem meinen hervor …
    Mein Name wurde genannt, klar und deutlich in meinem Rücken, und ich zuckte zusammen, wie ertappt.
    Ich drehte mich um. Hinter mir stand ein langer Kerl, der Besitzer des zweiten Kopfes, den ich hinter meinem Spiegelbild hatte aufschwellen sehen. Dieser Kopf war eiförmig, mit vorzeitig schütterem hellblondem Haar, das sorgfältig über die rosa durchschimmernde Kopfhaut gekämmt war. Die hohe Stirn dominierte die übrigen, kindlich-rosa Gesichtszüge, die ein freundliches Lächeln zeigten. Weiter südlich trug er eine schwarze Smokingjacke und ein weißes Hemd mit offenem Kragen, aus dem ein enormer Hals herausragte, schweißbedeckt wie ein Pferdehals.
    Â»Haha!«, tönte es von oben. »Ich hab dich erschreckt!«
    Â»Aber hallo«, sagte ich und wand mich von meinem Stuhl hoch, mit der lockeren Eleganz einer neugeborenen Giraffe.
    Â»Ich bin Michael«, sagte der Eierkopf mit deutsch klingendem Akzent. Sein Lächeln wurde noch breiter und offenbarte eine Zahnreihe von amerikanischer Strahlkraft. Er streckte die Hand aus, und ich schüttelte sie.
    Â»Möchtest du was trinken?« Ich deutete auf mein Glas, für den Fall, dass ihm das Konzept nicht geläufig war.
    Â»Aber klar«, nickte Michael enthusiastisch, bevor seine Miene sich verdüsterte. Er warf einen finsteren Blick zum Tresen hinüber. »Aber nicht hier.«
    Â»Okay.« Ich war im Begriff gewesen, mich wieder zu setzen, und stand stattdessen wieder auf.
    Michael zeigte mit einer schnellen Handbewegung auf mein Glas. »Trink aus, trink aus.«
    Ich langte nach meinem Drink und kippte ihn in einem Zug. Das Eis schmerzte an den Zähnen.
    Â»Wie viel Geld hast du dabei?«, fragte Michael.
    Â»Ungefähr hundert Euro.«
    Â»Okay. Wir können mehr holen.«
    Â»Okay«, sagte ich zerstreut, während ich die Jacke anzog. Ȁh, was ?«
    Hinaus also, durch die Schleuse des Foyers, hinaus auf die regennasse Straße.
    Â»Er schuldet mir Geld«, sagte Michael, »und es ist ihm – wie sagt man? – scheißegal. Ja, ist wirklich scheiße von ihm, wie egal ihm das ist, er scheißt drauf, sagt man das so?«
    Dieser Monolog blubberte vor sich hin, seit wir die Bar verlassen hatten, aber da Michael mit langen Schritten vor mir herhastete, bekam ich nicht viel davon mit.
    Â»Wer?«, fragte ich.
    Â»Wer? Victor!« Auf dem Weg über den großen Platz kamen wir gerade an der Kirche vorbei. »Er schuldet mir Geld, und er ist so scheiße drauf, also trinke ich da nichts mehr. Ich will ihn nicht mehr sehen. Kein Geld mehr für den Scheißkerl!«
    Â»Der Barkeeper«, füllte ich meine Wissenslücke selber.
    Zu meiner Erleichterung blieb Michael am Rand der Allee stehen – ich hatte schon befürchtet, er würde sich mitten ins Verkehrsgetümmel stürzen, so blindwütig, wie er vor mir hergehetzt war.
    Â»Klar, der Barmann.« Michael sah mich an, als wäre ich schwer von Begriff. »Von der Bar, Mann. Stopp jetzt mal!«
    Ich wusste nicht, was er wollte, ich stand doch schon brav am Bordstein – aber der Ausruf war offenbar nicht an mich gerichtet, sondern an den Verkehrsstrom. Es war nach neun, die Stoßzeit war längst vorbei, und die Autofahrer konnten die triumphalen Schneisen durch die Stadt jetzt schön zum Rasen nutzen. Überhaupt schien mir der Abend mehr und mehr an Tempo zuzulegen, auch wenn ich mich viel lieber nur ausgeruht hätte. Einen

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