Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen

Die Pflanzenmalerin

Titel: Die Pflanzenmalerin Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Martin Davies
Vom Netzwerk:
sie sich mit einem anderen Mann zusammengetan. Oder Banks hatte genug von ihr und hat sie dafür bezahlt, dass sie die Stadt verließ.«
    »Es gibt auch noch eine andere Möglichkeit.«
    Katya verzog das Gesicht. »Ich weiß. Und das ist die wahrscheinlichste. Tod im Kindbett. Oder kurz danach.«
    »Und das Kind? Nirgendwo steht, dass Banks Kinder hatte, nicht mal uneheliche.«
    Wir sahen uns düster an. Schließlich wandte sich Katya wieder dem Bildschirm zu und begann den Film zurückzuspulen. »Aber wenigstens das können wir herausfinden.«
    Ich zog die Brauen hoch. »Und wie?«
    »Kein Problem.« Sie nahm den Mikrofilm aus dem Gerät. »Wir checken Geburten und Todesfälle in den Gemeinderegistern von Marylebone. Das kann ich morgen machen. Ich gehe alle Todesfälle von 1773 und 1774 durch und schaue nach Frauennamen, die mit B anfangen und mit N aufhören.
    »Da wirst du Dutzende finden.«
    »Aber dann haben wir wenigstens ein paar konkrete Namen und können da weiterforschen.«
    Ich überlegte. »Okay... Und wenn du keine passenden Namen findest? Was dann?«
    Sie zuckte die Schultern und sah mir fest in die Augen.
    »Dann suchen wir woanders. Wenn dein Freund Hans Michaels eine Verbindung finden konnte, dann können wir das auch.«
     
    Die nächsten Tage trugen nicht eben dazu bei, ihren Optimismus zu belohnen. Katya und ich verbrachten einen Vormittag in der Nähe von Farringdon und sahen die Gemeinderegister durch, aber erstaunlicherweise fanden sich darin keine Todesfälle, die zu dem Namen B---n passten. Was laut Katya auch einfach bedeuten konnte, dass sie woanders gestorben war. Doch obwohl uns die Ideen ausgegangen waren, was wir als Nächstes tun könnten, brachte es keiner von uns fertig, die Jagd abzublasen. Anderson hatte Recht: Der Ulieta-Vogel war die große Entdeckung, die ich nie gemacht hatte, das Ereignis, auf das ich insgeheim noch immer wartete; es war zwecklos, so zu tun, als interessierte er mich nicht. Die nächsten beiden Tage verbrachte ich in diversen Londoner Archiven und flatterte wie ein Unheilsvogel über langen Totenlisten. Katya kam dazu, wann immer sie konnte, und wir quetschten uns entweder zusammen vor einen Bildschirm oder arbeiteten Seite an Seite, in einträchtigem Schweigen. Nach wie vor hatten wir keine Ahnung, wie das Bild von Miss B. mit dem Vogel zusammenhing, und es schien auch keine Möglichkeit zu geben, das herauszufinden. Und was den Vogel selbst betraf, so tappten wir völlig im Dunkeln.
    Der Sonntagabend war stürmisch, und als ich zu kochen anfing, prasselte der Regen gegen die Küchenfenster. Der alte Boiler kommentierte das Wetter mit einem heiseren Brummen und machte es drinnen warm und gemütlich. Als es in den Töpfen zu brodeln begann, kam Katya nach Hause, und wir aßen zusammen bei gedämpfter Beleuchtung und dem erfreulich ohnmächtigen Ansturm des Regens gegen die Scheiben. Keiner von uns hatte etwas zu berichten, und so machten wir eine Flasche Wein auf und redeten über andere Dinge als den Vogel. Die Wärme und der Wein munterten uns auf und wirkten irgendwie befreiend. Bald plauderten wir vergnügt drauflos, und als die Flasche leer war, stand ich auf, um eine zweite zu öffnen. Katya erhob sich ebenfalls und trat neben mich.
    »Wegen des Vogels …«, begann sie. »Du musst die nächsten Tage allein weitermachen. Ich muss nach Schweden. Nicht lange, nur ein paar Tage. Ich hab da was zu erledigen.« Sie nahm mir die Flasche aus der Hand, stellte sie auf den Tisch und schenkte uns ein.
    »Kommt das nicht ein bisschen plötzlich?«, fragte ich.
    Sie drehte sich zu mir um. »Wahrscheinlich ist es nur Zeitverschwendung, aber es muss sein. Ich erzähl dir davon, wenn ich zurück bin.« Ich war stehen geblieben, und sie nahm die Gläser und gab mir meins. »Na, komm, noch einen Schluck zum Abschied.«
    Ich trank und sagte irgendetwas, das sie zum Lachen brachte, aber obwohl der Abend weiter gut verlief, war die Küche irgendwie zu einem tristeren Ort geworden. Allein nach dem Vogel zu suchen erschien mir nicht sehr verlockend. Als ich am nächsten Morgen aufwachte, war Katya schon weg.
     
     
     
    Richmond - elegant und verschwiegen, ein Ort, wo eine verwaiste junge Dame mit einer ehrbaren alten Frau ein ruhiges, vornehmes Dasein führen konnte. Wo sie, wenn sie für sich zu bleiben wünschte, zurückgezogen leben konnte. Wo sie in geziemender Begleitung ihrer Anstandsdame nach Herzenslust auf dem Hügel spazieren gehen oder im Wald zeichnen konnte.

Weitere Kostenlose Bücher