Die Quelle
wandte sich dem Publikum
zu.
„Isentien!“, rief er lauthals und siegestrunken seines
Vaters Namen.
Ein tosender Applaus kam als Antwort. Leathan konnte sich
jedoch über diesen Sieg nicht freuen. Er hatte sich umgedreht, um zu sehen
welchen Schaden er angerichtet hatte. Erleichtert stellte er fest, dass alle
Pferde und Krieger anscheinend unversehrt wieder aufgestanden waren. Erst jetzt
konnte er sich wirklich freuen, doch sein Blick war kaum jemandem entgangen.
Irgiel, einer von Isentiens jüngeren Kriegern, rief ihm tadelnd zu,
während sich beide neu bewaffneten.
„Du kannst nicht siegen, wenn du nicht bereit bist zu
töten. Blick nie wieder zurück, damit zeigst du deine Schwäche!“
Leathan nickte. Natürlich hatte der junge Nomade mit
seiner Belehrung Recht, doch es war kein leichtes Unterfangen, die
Moralvorstellungen eines Kindes der Quelle und die aus zwei Menschenleben
einfach zu vergessen. In seinen Gedanken spürte er die Anwesenheit von
Krial, der versuchte, Ähnliches zu vermitteln. Die Wortwahl des Baseff war
jedoch drastischer.
‚Entweder du tötest oder du stirbst.’, fauchte er
und ließ dabei sein Gefühl des kontrollierten Zorns in Leathan
fließen. Mit Krials Persönlichkeit in seinen Gedanken, würde er
wohl jeden Kampf überstehen...
Leathans Blick war wilder als zuvor, als die
Trommelschläge zum letzten Mal verstummten. Viele Krieger waren bereits
aus ihren Sätteln geworfen worden, doch es war in dem Getümmel kaum
möglich zu erkennen, welcher Clan eigentlich in Führung lag. Sicher
war eines: Leathan hatte diesmal nicht mehr Gegner als andere, die Krieger
hatten wohl bemerkt, dass sie damit ihren eigenen Sieg gefährdeten.
Ein einziger Reiter kam ihm entgegen. Was Leathan jedoch
noch nicht sehen konnte, doch bereits dank Ethira wusste, war, dass sein Gegner
die abgerundete Spitze seiner Lanze abgebrochen hatte. Er wollte Leathan nicht
nur zu Boden werfen, sondern ihn auch töten oder zumindest verletzen. Dass
seine Lanze durch den Bruch etwas kürzer war, nutzte Leathan nur wenig,
denn sein Gegner war Lidriak, der Hüne von Marindas Clan: Seine Arme waren
länger als die eines Affen. Von Krials Denkweise beflügelt, ritt
Leathan ihm entgegen, ohne sich entmutigen zu lassen. Er hatte kaum Optionen,
um dieser Gefahr zu entkommen: Er musste ausweichen und das tat er auch, obwohl
er zu gerne Lidriak für diese Tat bestraft hätte. Beide blieben
unversehrt in ihren Sätteln sitzen.
„Feigling!“ schrie der Hüne, doch seine Stimme wurde
von dem Jubel des Publikums verschluckt. Jeder hätte seine Wut erkannt,
doch niemand beachtete diese Szene weiter, denn Sulidian hatte gerade zwei
Gegner gleichzeitig aus ihren Sätteln befördert.
Die Trommeln erklangen abermals, doch diesmal um das Ende
des ersten Wettbewerbs zu verkünden.
Leathan ritt an der Seite von Sihldan mit einem flauen
Gefühl im Magen in Richtung des Priesters, der als Schiedsrichter diente.
Er konnte nicht aufhören an den Hünen aus Marindas Clan zu denken...
Er wusste nicht, ob dieses Gefühl einfach nur aus Angst geboren war, oder
ob eine Vision versuchte sich nach vor zu drängen. Er hatte kaum eine
Möglichkeit, es herauszufinden, so lange er auf Magie verzichten musste.
Die Clans gruppierten sich unter den wachsamen Augen des
Priesters.
Ein tosender Applaus des Publikums galt den versammelten
Clans, doch Leathan beachtete diesmal nicht die blutrünstigen Bewunderer.
Er erfuhr erleichtert, dass es nach Auszählung es ein Kopf-an-Kopf-Rennen
zwischen Isentiens und Sulidians Clan gab. Marindas Clan kam entgegen aller
Erwartungen erst an sechster Stelle. Der Nachmittag würde zeigen, ob sich
diese für Leathan ermutigende Tendenzen bestätigen würden.
Vorerst hatten die Krieger ein wenig Zeit sich auszuruhen und wieder zu
Kräften zu kommen, während wohl die Anthalier bei den Wettbüros
Schlange stehen würden.
*
Still war es in der Arena, während Sihldan mit
seinen Kriegern in ihrem Zelt versuchte, erste Schlüsse zu ziehen. Sie
teilten ihre Erfahrungen, deckten die Stärken und Schwächen ihrer Gegner
auf. Es dauerte nicht lang, bis Sihldan Leathans Stille bemerkte. Er hatte sich
während der aufgeregten Gespräche zwischen den Männern kaum
eingemischt, sondern nur in die Leere geblickt, als seien seine Gedanken weit
entfernt.
„Leathan? Was ist los mit dir?“
Leathan zuckte zusammen, als sei er gerade aus einem
Tagtraum herausgerissen worden. Sihldan hätte ihn offensichtlich tadeln
wollen, doch
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