Die Quelle
immer
befürchtet hatte, ihr Clan würde nach Leathans Auftritt in Kegalsiks
Tempel vom Turnier ausgeschlossen werden.
Sie hatten jedoch kaum Zeit diesen kleinen Sieg zu
genießen, denn die Trommler stimmten ihre berauschenden Klänge
wieder an, während ein Priester Kegalsiks in Begleitung von drei Novizen
in die Arena geritten kam. Die Luft vibrierte wieder unter dem magischen Klang
und diesmal war sich Leathan sicher, dass die Trommeln etwas damit zu tun
hatten.
An beiden Enden der Arena wurden unter den Anweisungen
des Priesters Kegalsiks Holzgestelle aufgebaut, in denen lange Holzstäbe
ruhten. Sie waren am Ende abgerundet, da sie nicht zum Töten dienten,
sondern lediglich dafür da waren, den Gegner vom Pferd zu stoßen. Am
ersten Tag fand noch keiner der tödlichen Kämpfe statt, was Leathan
jedoch nicht dazu veranlasste, sich in Sicherheit zu wähnen. Er
fühlte wie Angstschweiß von seinem Rücken herunter perlte,
obwohl er genau wusste, heute würde lediglich durch Wettkämpfe
festgelegt, wer am zweiten Tag gegen wen zu kämpfen hatte. Wegen der
ungeraden Anzahl der elf Clans, würde allerdings auch bereits der erste
Verlierer verkündet werden.
Der Priester wies die Krieger ein und Leathan
bemühte sich trotz des Lärms, seine Worte zu verstehen. Die Clans
wurden in zwei Gruppen eingeteilt. Jede Gruppe musste sich an ein Ende der
Arena begeben. Verlieren würde der Clan, aus dem am meisten Krieger vom
Sattel gestoßen würden. Ein recht einfaches Spiel. Die Clans wurden
in zwei Gruppen aufgeteilt, doch auf einer Seite standen zwangsläufig zehn
Krieger mehr. Ob es ein Zufall war, dass die Mehrzahl nicht auf Seiten
Isentiens Clans zu finden war, vermochte Leathan nicht zu sagen, doch er
bezweifelte es. Ein Gefühl der Einsamkeit überkam ihn, als er an der
anderen Seite der Arena sah, wie viele seiner potentiellen Gegner feindselig zu
ihm blickten, während sie die langen Lanzen in die Hand nahmen.
Um seine Selbstsicherheit wieder zu finden, versuchte
Leathan Augenkontakt zu seinen Freunden neben sich zu bekommen, doch er konnte
in ihren Gesichtern sehen, dass die magischen Klänge sie genauso
betört hatten wie den Rest der Kämpfer. Sie waren kurz vor einem
Blutrausch und kaum noch ansprechbar. Allein Anthalions wachsame Augen schienen
ihn zu verfolgen.
Es fiel Leathan zunehmend schwer, seine Angst im Zaum zu
behalten, doch er wusste, wo er Halt finden konnte. Er sah in die Ränge
des Publikums, wo Balsik und seine beiden Sklaven, Ethira und Krial, stehen
sollten. Es war ihm unmöglich, sie in dieser Menschenmasse ausfindig zu
machen und er spürte, wie er kurz davor war, in Panik zu geraten. Die
Krieger, die sich nun in zwei Reihen gegenüber standen, hatten alle eine
Lanze im Anschlag und warteten auf das Startsignal. Wie viele würden
versuchen ihn vom Pferd zu stoßen? Wie gerne hätte er die Gedanken
der Krieger auf der anderen Seite der Arena gelesen! Plötzlich kam die
ersehnte telepathische Botschaft. Sein Plan ging auf und er seufzte erleichtert
auf.
‚Keine Sorge, wir sind bei dir und haben beide gute
Plätze’.
Das war Ethiras Gedanke. Endlich nicht mehr alleine! Die
kriegerische Erfahrung zweier Telepathen war mit ihm.
Als Leathan das Baseffpaar auf dem Sklavenmarkt entdeckt
hatte, war ihm auf Anhieb aufgefallen, wie ausgeprägt das natürliche
Talent zur Telepathie bei den beiden war. Kein Magier, so mächtig er auch
war, hätte mitbekommen können, dass sie miteinander kommunizierten.
Ethira und Krial waren nicht Leathans Sklaven, auch wenn er sie hatte kaufen
müssen, sie waren seine Verbündete, seine Berater und seine Augen im
Rücken. Er hatte mit ihnen am Vortag einige Taktiken durchdiskutiert und
festgestellt, wie ideenreich sie waren, wenn es ums Kämpfen ging. So sehr
hassten sie Anthalia, dass sie bereit waren, Leathan zu unterstützen, auch
wenn sie für Gewöhnlich andere Völker verachteten.
Dank ihrer wilden, kriegerischen Gedanken vergaß Leathan
die unzähligen Zuschauer, die feindeseligen Blicke der Nomaden der anderen
Clans und seine Furcht vor dem Versagen.
Die Trommeln verstummten als Zeichen des Beginns und
Leathan war bereit.
Die Krieger setzten alle gleichzeitig ihre Sporen ein, um
ihre Pferde unter tosendem Applaus in vollem Galopp nach vorn zu hetzen.
Leathan folgte kaum noch seinem eigenen Willen. Er gehorchte jedem Rat, den er telepathisch
bekam. Während alle Nomaden versuchten, so schnell wie möglich zu
reiten, die Lanze zielstrebig auf ein Ziel
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