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Die Quelle

Die Quelle

Titel: Die Quelle Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Larissa Cosentino
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eingeschätzt hatte. Er
ließ sich nicht beirren und legte vorsichtig, fast zärtlich, einen
Arm um Leathans Schultern.
    „Komm, setzt dich, du musst dich dringend ausruhen…“
    Ruvin führte ihn zu einer Stelle, an der einer
seiner Krieger bereits Holz stapelte, um ein Lagerfeuer entfachen zu
können. Als dieser sah, wie Ruvin Leathan stütze, holte er rasch von
einem Gepäckstapel eine kleine lederne Plane, um Leathan auf dem nassen
Boden einen Sitzplatz einzurichten.
    „Ist dir kalt? Brauchst du eine Decke?“, wollte er
wissen, als habe Ruvins fürsorgliches Verhalten ihn angesteckt. „Das Feuer
anzuzünden könnte noch länger dauern…“, fügte er hinzu und
blickte fast vorwurfsvoll auf den Holzstapel. Leathan wollte schon verneinen,
darüber beschämt so viel Aufmerksamkeit zu erregen, doch der Gedanke
seinen durchnässten Umhang gegen eine möglicherweise trockene Decke
einzutauschen, erschien ihm zu verlockend, um das Angebot abzulehnen.
    „Ja, bitte, eine Decke wäre schön...“
    Nur wenig später saß Leathan in eine trockene
Decke gehüllt und beobachtete teilnahmslos, wie der junge Mann, dessen
Namen er noch immer nicht erfragt hatte, sich darum bemühte, ein Feuer zu
entfachen. Dazu versuchte er aus zwei Feuersteinen einen Funken auf
ausgedörrte Gräser und kleinere Äste überspringen zu
lassen, was ihm nicht gelang, vermutlich wegen der umgebenden Feuchtigkeit. Es
hatte zwar aufgehört zu regnen, doch noch immer war die umgebene Natur
durchnässt.
    Die Tropfen, die von den Bäumen fielen und das
Klicken der zwei Feuersteine bildeten für Leathan eine hypnotisierende
Geräuschkulisse. Ruvin hatte ihn alleine gelassen, um mit den anderen
Kriegern in den Wald zu verschwinden und dort das Lager so rasch wie
möglich fertig zu stellen. Er wollte wohl nicht riskieren, ohne
Überdachung vom nächsten Regenschauer überrascht zu werden. Ab
und zu hörte Leathan ihre Schritte, oder krachende Äste.
Allmählich wurde es dunkel und in der Ferne heulten einige Wölfe, als
würden sie den Einbruch der Nacht begrüßen wollen. In einer unbewussten
Geste zog Leathan die Decke etwas enger an sich. Als Ruvin von seinen Leuten
begleitet aus dem Wald zurückkehrte, sah er stirnrunzelnd zum nicht
vorhandenen Feuer.
    „Gib es auf, wir sind ohnehin alle keine Novizen mehr…
Mach einfach das Feuer an.“, sagte er und setzte sich zu Leathan.
    Als habe er nur darauf gewartet, ließ der
erfolglose Feuermacher die Feuersteine augenblicklich fallen, nahm einen Ast in
die Hand, schloss die Augen und kurz darauf hörte Leathan, wie leise
Klänge der Macht durch die Nacht hallten… Er konnte fühlen, wie sich
die Energie um das Holz bündelte, es erhitzte, bis es schließlich in
Flammen stand. Leathan wunderte sich, dass der junge Krieger nicht früher
auf diese Methode zurückgegriffen hatte. Neugierde holte ihn aus seiner
Lethargie heraus.
    „Wenn man mit Hilfe der Quelle so leicht ein Feuer
entfachen kann, weshalb es dann überhaupt auf eine andere Art versuchen?“
wollte Leathan wissen und blickte dabei gierig auf das Abendessen, das einer
der Krieger über das endlich lodernde Feuer stellte, um es zu
erwärmen.
    „Auf dem Weg zur Quelle versuchen wir so wenig Macht wie
möglich aufzurufen, um uns darauf zu besinnen, wie abhängig wir von
der Quelle sind und wie wichtig es ist, sie zu erhalten. So bewahren wir unsere
Identität als Wächter der Quelle und finden auf dem Pfad zur Quelle
zu uns und zu unseren Ahnen zurück. Nur im Kontakt zu den Pferden
dürfen wir die Macht der Quelle verwenden und im Falle eines Angriffs, um
uns zu verteidigen.“, gab Ruvin Sätze zurück, die so klangen, als
habe er sie zum Teil auswendig gelernt.
    „Ein Angriff? Von wem?“ Leathan warf instinktiv einen
kurzen Blick hinter sich, als könne eine unbekannte Gefahr jederzeit aus
dem Nichts erscheinen. Die zunehmende Dunkelheit, die eine sternenlose Nacht
ankündigte wirkte plötzlich bedrohlicher.
    „Keine Sorgen! Die Wölfe sind noch weit und es ist
schon lang her, seit Räuber den Pass gefunden haben, der zu unseren
Gebieten führt. Ich glaube nicht, dass wir heute viel mehr als eine
Verkühlung riskieren. Wir sind hier wohl sicherer, als wir es in Ker-Deijas
wären. … Anthalion wird sicherlich wissen, wo der Pass ist, und seine
Armee…“ Ruvin hielt inne, als er von der einzigen Kriegerin seines Trupps einen
vernichtenden Blick zugeworfen bekam. Sie war in ihrer Art Galtiria nicht
unähnlich, hatte jedoch etwas

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