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Die Rache der Zwerge

Die Rache der Zwerge

Titel: Die Rache der Zwerge Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Markus Heitz
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warf ihm einen abschätzenden Blick zu, dann schaute er auf seinen Teller. »Du bist zu lang für einen Zwerg«, brummte er, schob das Gedeck von sich und stand auf. »Ich meinte damit nicht, ein Zwerg sein zu wollen, sondern ...«
»Ach? Du willst also kein Zwerg sein?« Seine schwarzen Augenbrauen zogen sich zusammen. »Hast du doch etwas gegen mein Volk?« Er legte die kräftige Hand auf den Kopf des Krähenschnabels. »Sag es frei heraus, Freund, dann ist es ausgesprochen.«
»Nein, nein!«, wehrte Irdosil hastig ab. »Was ich damit meinte, war...«
Eldrur lachte. »Er hat dich aufgezogen, Irdosil, hast du es nicht bemerkt?«
Nun grinste Boindil. »Es hat lange gedauert, bis er es bemerkte.« Er schlenderte zur Tür, die Waffe geschultert. »Kennt einer von euch dreien den Witz, bei dem der Ork den Zwerg nach dem Weg fragt?« Sie schüttelten die Köpfe. »Dann wird es Zeit, dass ich den wahren Humor in die Wälder trage.« Er blinzelte und ging hinaus. Antamar, der bislang kein einziges Wort gesagt hatte, sah Eldrur an. »Eine dumme Sache.« »Ich weiß«, erwiderte Eldrur verstimmt. »Aber was hätten wir tun sollen?«
»Vorhin? Nichts.« Antamar schaute sie der Reihe nach an. »Jetzt wirst du ihm einen passenden Begleitbrief schreiben.«
Eldrur hatte die Betonung des Wortes passend genau vernommen. Mehr musste nicht mehr gesagt werden. Auf dem Weg zu seiner Unterkunft verlief sich Tungdil mehrmals, bis ihn jemand zu einem Bett geleitete. Er hatte keinen blassen Schimmer, wo er sich befand, aber sein trunkener Kopf entdeckte sogleich die Flasche Branntwein auf dem Vorratsregal.
So sehr sein Magen ihm drohte, den Inhalt herauszuwürgen, er stand auf und nahm die Flasche an sich. Gierig entkorkte er sie und nahm einen tiefen Schluck.
Kaum schwappte das scharfe Getränk seine Kehle hinab, übergab er sich auch schon vor das Bett. Mehrfach drängte sein Essen mit Macht nach oben, sodass der Nachttopf, den er in seiner Not ergriff, nicht ausreichte. Hustend rang Tungdil nach Luft. Dabei fiel sein Blick auf den großen Silberspiegel mit seinem Abbild darin. Er sah sich in seinem ganzen Elend, in der einen Hand die Flasche, in der anderen den Nachttopf, den Bart und das Kettenhemd voller Erbrochenem, der Körper dick und aufgedunsen, ungepflegt - eine Hohnfigur des Helden, der er einst gewesen war.
Tungdil sank in die Knie; er konnte die braunen Augen nicht von dem Spiegelbild wenden, das ihm seine ganze Erbärmlichkeit gnadenlos zeigte.
»Nein«, wisperte er. Er schleuderte die Flasche gegen das polierte Silber; sie zersplitterte und übergoss das Abbild mit Alkohol. Der hässliche Tungdil glotzte ihn immer noch aus roten Augen an. »Nein!«, schrie er und warf den Topf, verfehlte den Spiegel jedoch. Er hielt sich die Augen mit den Händen zu. »Geh weg!«, brüllte er und fing an zu weinen. »Geh weg, du Mörder. Du hast ihn umgebracht ...« Er sank auf die Steinplatten und ergab sich der Trauer, schluchzte und jammerte, bis ihn der Schlaf übermannte.
Daher spürte er nicht mehr, dass starke Hände ihn hochhoben und davontrugen.
Das Geborgene Land Königinnenreich Weyurn, Mifurdania 6241. Sonnenzyklus, Spätfrühling Rodario saß in bequemen und weniger teuren Kleidern auf den Stufen der schmalen Leiter, die in seinen Wagen führte, und dachte über ein neues Stück nach, das er zum Besten geben könnte.
Er und sein Tross lagerten auf einer kleinen Insel vor der eigentlichen, von Wasser umspülten Stadt. Nach dem Beben hatten sich die Wasserflächen Weyurns vervielfacht und etliche Bewohner ihr Hab und Gut verloren. Rodarios Truppe hatte im Königinnenreich mehr Strecke auf Schiffen und Inseln denn auf festem Land zurücklegen müssen, denn lediglich kleine Teile Weyurns waren von Überschwemmungen verschont geblieben. Ein merkwürdiges Bild.
Es wurde Zeit für eine neue Heldengeschichte, denn die alte vom Sieg über die Eoil und die Avatare begeisterte ihn längst nicht mehr wie früher. Es kam ihm so vor, als ginge es den Zuschauern ebenso.
Oder vielleicht lieber eine Komödie?, fragte er sich. Den geschätzten Spectatores stand der Sinn mehr nach Unterhaltung, nach Witz, und weniger nach Pathos und Gemetzel. Die Zeiten waren gut und sorgenfrei, die Menschen des Geborgenen Landes wollten sich vor Lachen biegen und sich ordentlich über Zoten auf der Bühne amüsieren.
Nachsinnend betrachtete er Tassia, die ihre Wäsche über einezwischen zwei Wagen gespannte Leine hängte. Die Sonnenstrahlen machten ihr dünnes

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