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Die Räder des Lebens

Die Räder des Lebens

Titel: Die Räder des Lebens Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Jay Lake
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antwortete sie. »Ich reise mit Boas, einem Messing, der nur sich selbst treu ist.«
    »Was bedeutet, dass er mich nicht zu töten versucht?«
    »Nein«, sagte Boas, der direkt hinter ihrer Schulter stand. »Ich werde nicht versuchen, Sie zu töten.«
    »Ihre Männer hingegen hatten nichts anderes vor«, fügte Paolina hinzu.
    Hornsby räusperte sich. »Ah ja, das. Nun ja. Wie haben sie es geschafft, den armen Augustine zu töten und Bells zu verwunden?«
    »Durch einen Mechanismus, der nur meiner Kontrolle unterliegt«, sagte sie in scharfem Ton. »Als Hinweis mag Ihnen genügen, dass ich einen Fels auf ihn habe fallen lassen.«
    »Es muss sich schon um außergewöhnliche Umstände handeln, wenn Perks mit seinen Männern, einer Frau und einem Messing im Schlepptau hierher kommt, wenn wir von unserem momentanen Umgang mit praktisch allen Einheimischen ausgehen.«
    Sie schnaubte. »Ich habe mich ihnen wie eine zivilisierte Person nähern wollen . Ihr einziges Interesse galt der Tatsache, dass sie seit einigen Monaten keine Frau mehr gesehen hatten.«
    »Bells und Augustine hätte ich nicht mal zugetraut, ein Pfund frischer Leber unbehelligt zu lassen. Dennoch sollte ich Sie als feindliche Kämpferin vor Gericht bringen und bis zur Exekution einsperren.«
    Paolina erstarrte, aber er hob eine Hand.
    »Allerdings sind uns bis jetzt wenige junge Frauen an der Mauer begegnet, die uns im gepflegten Englisch ansprechen. Keine einzige, um genau zu sein. Und ihr … ah … Boas ist der erste Messingmann, der nicht versucht hat, uns bei der ersten Gelegenheit umzubringen. Ich bin daher bereit, diesen Fall als Notwehr anzusehen und den Tod Augustines zu einem späteren Zeitpunkt zu untersuchen. Bells kann sich nur selbst vorwerfen, von einer unbewaffneten Frau verwundet worden zu sein. Weder seine Kameraden noch ich werden darauf Rücksicht nehmen.«
    »Ich werde Ihnen dafür nicht danken, Sir«, erwiderte Paolina kühl, »aber Ihre Schlussfolgerungen klingen durchaus vernünftig.«
    »Das ist wunderbar.« Hornsby nahm die Hand vom Pistolengriff und rieb sich das Kinn. »Nun, da wir dieses Problem erst einmal abgehandelt haben, möchte ich wissen, was Sie im Namen aller Affengötter des Kongos hier machen und was Sie von mir möchten?«
    »Von ihnen? Nichts, Sir. Von England wünsche ich mir viel.«
    »Von England … Ich möchte nicht taktlos sein, Madam, aber wir sind recht weit von England entfernt oder von so ziemlich allem, was man als englisch bezeichnen könnte. Was glauben Sie denn, was England für Sie tun kann?«
    Paolina atmete tief durch. Das war ihre erste und vielleicht beste Chance, jemanden mit entsprechender Autorität davon zu überzeugen, was sie für England und was England für sie tun könnte. Die gesamte Zeit, die sie darüber nachgedacht hatte, damals in Praia Nova, auf ihrem Weg, alles träumen, planen, überlegen – es lief auf diesen Moment hinaus.
    Dies war ihr Moment, der wichtigste in ihrem Leben.
    »England verfügt über die größten Zauberer der Welt«, sagte sie ihm. »Die Erben Newtons. Die Leute, die die Bassett durch die Luft steuern. Die Leute, die die Geheimnisse kennen, die am Grunde aller Existenz liegen. Bitte, Sir, ich möchte gerne nach England reisen und mich Ihnen anschließen, damit ich all das lernen kann, was Ihre Zauberer mir beibringen können.«
    Ein Zucken huschte über Hornsbys Gesicht. Sie dachte zuerst, dass Zorn der Grund dafür wäre, aber als er zu zittern begann und rot anlief, wurde Paolina klar, dass er sie auslachte. Er bemühte sich sichtlich, sich zusammenzureißen, aber schließlich musste er nach Luft ringen. »Mädchen«, sagte er, immer noch zitternd, »was glaubst du denn, woraus die Welt besteht?«
    »Ich glaube, die Welt besteht aus Männern!« Die Luft vor ihren Augen schien blutrot anzulaufen. Sie riss den Schimmer aus ihrer Tasche. »Ich glaube, Männer sind fehlerhaft!« Ihre Stimme überschlug sich, während sie die Rändelschraube drehte. »Ich glaube –«
    Boas packte sie am Arm und zog ihn zu sich heran, um ihre Gedanken und ihre Worte zu unterbrechen. »Vergeben Sie uns, Hauptmann. Dieses Mädchen ist nach den Belästigungen, die sie unter Ihren Männern erleiden musste, völlig überreizt. Ich hielte es für besser, wenn sie sich ausruhen und etwas zu essen und trinken bekommen könnte. Menschen müssen versorgt werden.«
    Paolina kämpfte sehr mit sich, ihre Zunge in Zaum zu halten. Boas hatte recht. Sie war gerade dabei gewesen, sich zum

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