Die Seevölker
Geschichte nicht mit großer Sorg-
falt verfolgt hat: Auf die manethonische 18. Dynastie (thebanische)
folgt nicht die 19. (tanitische) Dynastie, sondern ihr folgen die 22. und
die 23. (libysche) Dynastie; nach der äthiopischen oder 25. Dynastie
kommt die 19., die mit der 26. Dynastie identisch ist; ihr folgte die 27.
(persische) Dynastie; die 20. Dynastie einheimischer Könige, die ein
gewisses Maß an Unabhängigkeit erkämpften, ist wiederum identisch
mit der 29. und der 30. Dynastie; die 21. Dynastie regiert größtenteils
1 »Das Dunkle Zeitalter Griechenlands« und die »Assyrische Eroberung« können Ge-
genstand eines einzigen Bandes sein: Die Zeit von Jesaja und Homer.
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parallel zur 20. Dynastie, aber sie beginnt früher (unter Dareios II.) und
dauert bis in die ptolemäische Zeit. Unter der 31. Dynastie vollzieht
sich die Wiederherstellung der Perserherrschaft in Ägypten vor der
Eroberung durch Alexander, dem die Ptolemäer folgen.
Um Klarheit in die Geschichte zu bringen und sie von der manetho-
nischen Numerierung der Dynastien zu befreien – die nur zum Chaos
beiträgt –, führe ich eine andere Nomenklatur für die ägyptischen Dy-
nastien ein.
Das Mittlere Reich in Ägypten (die Aufteilung in eine 11. und eine
12. Dynastie ist überflüssig) fand sein Ende in einer Naturkatastrophe
um die Mitte des 15. Jahrhunderts vor der neuen Zeitrechnung. Aus
Arabien drangen Hirtenvölker in das Land ein (die Amalekiter – den
Ägyptern als Amu und den griechischen Autoren als Hyksos bekannt).
Die Hyksos-Dynastie regierte über vierhundert Jahre lang – bis etwa
–1020. Bereits vor diesem Datum gab es in Theben Vasallenfürsten. Die
Hyksos-Herrschaft über Ägypten wurde durch die gemeinsamen An-
strengungen von Saul aus Israel und von Kamose und Amosis aus
Theben beendet. In den nächsten (fast) zweihundert Jahren (etwa
–1020 bis etwa –830) wurde das Land von der Thebanischen Dynastie
(bekannt als die Achtzehnte) der Thutmosis und Amenophis regiert.
Gegen Ende dieser Periode verlegte Echnaton die Hauptstadt nach
Achet- Aton (el-Amarna), aber unter Semenchkare und Eje wurde The-
ben bald wieder zur Hauptstadt bestimmt.
Der thebanischen Periode folgte die libyische Herrschaft der Scho-
schenks und Osorkons für über einhundert Jahre (ca. –830 bis –720).
Danach regierten die Äthiopen etwa 50 oder 60 Jahre; gleichzeitig übten
jedoch von Norden her die Assyrer Druck aus, und das Land wurde
wiederholt besetzt von Sen-nacherib (der Haremhab krönte), Asarhad-
don und Assurbanipal (der Necho I. =Ramses I. zum Vasallenkönig
machte). Als Necho von eindringenden Äthiopiern getötet wurde, be-
setzte Assurbanipal einmal mehr Theben (–663).
Es folgt die Periode der Tanitischen Dynastie: Sethos (Psammetich
der griechischen Autoren), Sohn von Ramses I. (Necho I.) erlangte die
Unabhängigkeit von Assurbanipal und wirkte in dessen Kriegen gegen
die Chaldäer und die Meder als sein Verbündeter mit. Sethos' Haupt-
stadt war Tanis im Delta. Die Tanitische Dynastie regiert von –663 bis
–525. Nach Sethos regierte Ramses II. (Necho II.), sein Sohn, der über
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längere Zeit Sethos' Mitregent gewesen war. Er führte einen ausge-
dehnten Krieg gegen Nebukadnezar, den Chaldäer. Ramses' Erbe Me-
renptah (bei Jeremia Hophra und von Herodot Apries genannt) verlor
den Thron an einen Rebellen, General Amasis; letzterer regierte über
vierzig Jahre lang in Frieden und starb, als der Perser Kambyses sich
bereits auf seinem Marsch zur Eroberung Ägyptens befand.
Von –525 bis –332 – also nahezu zweihundert Jahre – wurde Ägyp-
ten von den Persischen Königen beherrscht (Kambyses, Dareios, Xerxes,
Artaxerxes I., Dareios II., Artaxerxes II. und Artaxerxes III.); einige von
ihnen wurden zu ägyptischen Pharaonen gekrönt; sie setzten einheimi-
sche Gouverneure in Ägypten ein wie Psamschek oder Nechthor.
Im vierten Jahrhundert – während der Regierungszeit von Artaxer-
xes II. und von Artaxerxes III. – erlangte Ägypten ein gewisses Maß an
Unabhängigkeit, vergleichbar der Unabhängigkeit der griechischen
Staaten während der Zeit der Großkönige von Persien. Nepherites,
Hakoris, Nektanebos I. (Ramses III.), Teos und Nektanebos II. waren
die einheimischen Könige dieser Periode, und sie könnten als Sebenny-
tische Dynastie bezeichnet werden – nach dem Herkunftsort des Be-
rühmtesten unter ihnen. Gleichzeitig regierte eine bereits
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