Die Silberne Festung
restlichen Besatzungsmitglieder der beschädigten Raumstation sich sicher an Bord des Rettungsboots befanden, hatten weitere Raketen eingeschlagen und unter anderem eine Brennstoffzelle explodieren lassen.
Saint-Michael bestätigte Walkers Meldung, wünschte seinen Männern alles Gute, klappte eine Plastikabdeckung neben seinem Sitz zurück und drückte auf einen großen schwarz-gelb gestreiften Knopf. Im nächsten Augenblick wurde das Rettungsboot hydraulisch aus der Station ausgestoßen und von automatisch zündenden Treibsätzen ins All hinausgeschossen. Vielleicht würde auf diese Weise jemand überleben, der berichten konnte, was hier geschehen war. Und weshalb…
Raumflugzeug Elektron l
»Vorsicht, Eins! Unter ihnen !«
Diesmal erkannte Goworow sofort, wovor Woloschin ihn warnen wollte.
Das langgestreckte silberglänzende Raumfahrzeug unter der Frachtluke hatte sich von der Station gelöst und flog rasch davon. Sekunden später war es bereits außer Sicht.
»Die Rettungskapsel«, antwortete Goworow über Funk. »Die Amerikaner haben die Station geräumt. Ich glaube nicht, daß sie versehentlich ausgestoßen worden ist.«
»Sollen wir versuchen, an Bord der Raumstation zu gehen, Eins?«
»Nein – ich nehme an, daß sie die Lagekontrolltriebwerke ferngesteuert zünden werden, um die Station aus der Bahn zu bringen. Bleiben Sie in Position und versuchen Sie, einzelne Untersysteme zu treffen. Falls Raketen übrigbleiben, können wir uns noch die Stationsmodule vornehmen.«
Während Goworow sprach, stellte er fest, daß die Raumstation langsam zu rotieren begann, und ließ Elektron I dieser Drehung folgen. Das war nicht weiter schwierig, obwohl die Rotation ungleichmäßig war – offenbar wurden die Lagekontrolltriebwerke nicht mehr von Computern gesteuert, als die Station sich jetzt um den Mittelkiel statt um die Hochachse ihrer Module drehte.
Mehrere Teile der SBR-Antennen und weitere Trümmerstücke lösten sich vom Kiel und krachten gegen die Module, als sei die Station dabei, sich selbst zu zerstören. Angesichts dieser Tatsache fand Goworow, sie könnten sich ihre restlichen Sichel-Raketen für eine spätere Verwendung aufheben.
Woloschin, der seine Position beibehalten hatte, beobachtete nun, wie die Raumstation sich unter ihm drehte, anstatt zu versuchen, mit ihrer Rotation Schritt zu halten. Jetzt kam die Unterseite der Armstrong-Raumstation in Sicht… Aus einem der unteren Module sah er ein merkwürdiges Gebilde ragen: den Nachführmechanismus des richtbaren Skybolt-Spiegels. Der Spiegel selbst erinnerte Woloschin an eine riesige leuchtende Zielscheibe.
Auch kein schlechtes Ziel! dachte er, während er sein Laservisier aktivierte.
Armstrong-Raumstation
»Mehr ist nicht möglich, Ann«, sagte Saint-Michael über die Bordsprechanlage.
Allein das Sprechen mit aufgesetzter Sauerstoffmaske war schwierig.
Das große gewölbte Glasvisier der Maske verzerrte alles, was am Rande seines Blickfelds lag, und beschlug, sobald er sprach oder schwer atmete.
Die seinen Kopf umschwebenden Kabel und Schläuche behinderten nicht nur die Sicht, sondern auch seine Hände. Unter diesen Umständen war es fast unmöglich, eine 800 Tonnen schwere Raumstation auch nur einigermaßen präzise zu steuern.
»Kannst du der positiven X-Achse noch einen kleinen Stoß geben?«
»Nein, das dauert viel zu lange«, wehrte Saint-Michael ab. »Wenn du’s nicht so schaffst, mußt du’s sagen. Wir brauchen Zeit, um in unsere Raumanzüge zu kommen, bevor die Russen die Station zerstören.«
Inzwischen ging das Zerstörungswerk weiter. Eine gewaltige Detonation erschütterte die Raumstation. Die Explosion schien sich in unmittelbarer Nähe des Kommandomoduls ereignet zu haben. Die Lichter flackerten, brannten wieder hell, flackerten erneut und gingen dann aus. Die wenigen unbeschädigt gebliebenen Notleuchten verbreiteten trübes Licht. Gleichzeitig schien die Station sich taumelnd schneller zu drehen…
»Ann!«
Sein Ruf ging in einer weiteren Explosion unter. Er klammerte sich an den Deckenhandgriff. Aber jetzt handelte es sich nicht um eine Detonation im Kiel; ohrenbetäubend laute, rhythmische Donnerschläge hallten durch die ganze Raumstation…
Raumflugzeug Elektron II
Das Laservisier wollte sich nicht auf die große runde Zielscheibe richten lassen – irgendein Spiegel in ihrem Inneren lenkte den Laserstrahl seitlich ab, so daß er nicht zum Raumflugzeug zurückkam –, aber Woloschin konnte statt dessen auf ihr
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