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Die Silberne Festung

Die Silberne Festung

Titel: Die Silberne Festung Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Dale Brown
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schloß sie hinter sich und überzeugte sich davon, daß der Innendruck des Skybolt-Moduls automatisch wiederhergestellt wurde. Als der Druck fast wieder normal war, schwebte er zwischen den zahlreichen Geräten zu Ann hinüber und zog sie an sich. Als erstes überprüfte er ihre Sauerstoffmaske, die vorschriftsmäßig funktionierte. Bei näherer Untersuchung zeigte sich, daß Ann an der linken Schläfe eine Beule und eine kleine Platzwunde hatte.
    Das Helmvisier berührte die Sauerstoffmaske. »Ann, kannst du mich hören?«
    Nach scheinbar endlos langem Warten sah er, wie sich ihre Gesichtsmuskeln spannten, bevor sie die Augen öffnete.
    »Alles okay, Ann?«
    »Ich… ich bin gegen die Konsole geflogen… starke Explosion…«
    »Wir müssen sehen, daß du hier rauskommst. Kannst du dich bewegen?«
    Sie nickte, tastete mit einem Fuß nach dem Boden und stellte fest, daß sie ihn nicht erreichen konnte. »Hör zu, du mußt dich in eine Rettungskugel setzen, damit ich dich mitnehmen kann.«
    »Skybolt… Der Laser funktioniert, Jason! Er hat gefeuert… er hat gefeuert…«
    »Denken wir jetzt mal nicht an Skybolt, Ann. Die Raumflugzeuge zerschießen unsere Module – und dieses kann das nächste sein.« Er holte eine Rettungskugel aus ihrem an der Decke montierten gelben Container.
    »Kannst du den Reißverschluß von innen zuziehen?«
    Sie nickte schwach, während ihre keuchenden Atemzüge die Maske des Sauerstoffgeräts von innen anlaufen ließen.
    Eine weitere Explosion erschütterte die Raumstation, deren Drehrichtung sich nun dramatisch zu ändern schien. Saint-Michael mußte sich festhalten, bis er trotz des Schwankens wieder fest stand; danach zog er den Reißverschluß der Rettungskugel auf.
    »Okay, du mußt dich jetzt um dein Sauerstoffgerät herum möglichst klein machen.« Mit seiner Hilfe umschlang Ann das Sauerstoffgerät mit Armen und Beinen und ließ ihr Kinn darauf ruhen.
    »Vergiß nicht, den Reißverschluß zu schließen, sobald ich dich mit der Kugel bedecke, und auf den Innendruck zu achten. Notfalls kannst du ihn mit dem Sauerstoffgerät auf ein halbes Bar bringen.«
    Während Ann einen Meter über dem Deck in fötaler Haltung vor ihm kauerte, umhüllte Saint-Michael sie mit der Rettungskugel und zog den Außenreißverschluß zu. Als er sie zu einem Sauerstoffanschluß im Skybolt-Modul bugsierte, spürte er, wie sie die innere Dichtung zuzog, der Sauerstoffschlauch schloß sich an und begann, die Rettungskugel aufzublasen. Er beobachtete das Manometer, brachte den Innendruck auf ein Bar und überprüfte die Rettungskugel nochmals. Sie sah wie ein riesiger Wasserball aus.
    Dann ließ er die Rettungskugel am Sauerstoffschlauch, umging die Sicherheitssperren und öffnete die Luke zum Technikmodul. Dort war der Druck auf Null abgefallen, und die gelegentlich noch zu hörenden Explosionen ließen darauf schließen, daß der Rest der Station ebenso drucklos war. Folglich gab es für sie nur noch eine Überlebensmöglichkeit. Er löste Anns Rettungskugel vom Sauerstoffschlauch und schob sie vor sich her durch den Verbindungstunnel zum Andockmodul.
    Aus seinem Kopfhörer drang eine festere, deutlichere Stimme. »Jason…?«
    »Wie geht’s dir?«
    »Ich sehe bei jeder Bewegung Sterne vor den Augen und habe starke Kopfschmerzen. Wohin gehen wir?«
    »Enterprise.«
    »Haben die Russen sie nicht angegriffen?«
    »Die Enterprise kann uns nicht heimbringen«, sagte Saint-Michael, indem er die Luke des Andockmoduls am Ende des Verbindungstunnels öffnete, »aber sie kann uns vielleicht retten. In meinem Raumanzug habe ich nur für sieben Stunden Luft und Strom. Auch wenn die Enterprise beschädigt ist, hat sie Luft und Wasser für dreißig Tage an Bord – und sie kann sich mit den restlichen Triebwerken im Orbit halten. Sie ist unsere Chance, bis…«
    Ann fragte sich, weshalb Saint-Michael plötzlich zu sprechen aufgehört hatte. Dann begriff sie: Er hatte sie ins Andockmodul getragen, in dem noch die verkohlten Leichen von Bayles und Kelly lagen. Vor ihrem inneren Auge stand deutlich das Bild der beiden Besatzungsmitglieder, die sich zu retten versucht hatten, während hinter ihnen die Flammenwand der zerstörten Brennstoffzelle der Enterprise stand…
    Saint-Michael registrierte die verzerrten Gesichter, die blicklosen Augenhöhlen, die verbrannten Uniformen und die angekohlten, verkrümmten Hände. Während er seine kostbare Last behutsam über die beiden Verbrannten hinweghob, wurde ihm klar, daß diese

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