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Die Totenleserin1

Die Totenleserin1

Titel: Die Totenleserin1 Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: franklin
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gesetzlichen Verfahren nicht durcheinandergeraten. Und schließlich sind die Kinder ja auch hier bestattet. Nun, wir werden sehen, wir werden sehen.«
    So ein guter Mann; ihr erster Freund in England, und sie hatte ihm nicht gedankt. »Mylord, ich verdanke Euch mein Leben. Wenn Ihr mir nicht den Hund geschenkt hättet, das gute Tier … Habt Ihr gesehen, was mit ihm geschehen ist?«
    »Ich habe es gesehen.« Prior Geoffrey schüttelte den Kopf, dann lächelte er schwach. »Ich habe angeordnet, seine Überreste aus der Höhle zu holen und an Hugh zu übergeben; Bruder Gilbert verdächtigt ihn nämlich, dass er seine Hunde heimlich auf dem Friedhof der Abtei beerdigt. Es kann also durchaus sein, dass Aufpasser bei jemandem ruhen wird, der weniger treu war.«
    Es war ein kleines Kümmernis gewesen, bei all dem anderen, aber dennoch ein Kümmernis. Adelia war dankbar.
    »Dennoch«, fuhr der Prior fort, »wir wissen beide, dass Ihr Euer Leben auch jemandem verdankt, der mehr Anrecht darauf hat, und zum Teil bin ich in seinem Namen hier.«
    Aber ihre Gedanken kreisten schon wieder um die Nonne. Sie würden sie laufen lassen. Keiner von uns hat sie töten sehen. Ulf nicht, Rowley nicht, ich nicht. Sie ist eine Nonne. Die Kirche fürchtet einen Skandal.
Sie werden sie laufen lassen
.
    »Das kommt nicht in Frage, Prior«, sagte sie.
    Prior Geoffreys Mund hatte Worte geformt, die ihm offensichtlich wohlgefällig waren, jetzt blieb er halb offen stehen. Er blinzelte. »Eine etwas hastige Entscheidung, Adelia.«
    »Die Menschen müssen erfahren, was geschehen ist. Sie muss vor Gericht gebracht werden, selbst wenn man befindet, dass sie zu verrückt ist, um verurteilt zu werden. Um der Kinder willen, um Simons willen, um meinetwillen. Ich habe das Versteck der beiden gefunden und wäre deswegen fast getötet worden. Ich verlange Gerechtigkeit – und sie muss vor aller Augen vollzogen werden.« Nicht aus Blutgier, noch nicht einmal, um Rache zu nehmen, sondern weil die Alpträume zu vieler Menschen ohne diesen Abschluss nie ein Ende finden würden.
    Dann klang etwas, was der Prior gesagt hatte, in ihr nach. »Wie bitte, Mylord?«
    Prior Geoffrey seufzte und setzte neu an. »Er hat mich darum gebeten, ehe er gezwungen war, zur Assise zurückzukehren – der König ist eingetroffen, müsst Ihr wissen. Da sonst niemand zur Verfügung steht, scheint er mich
in loco parentis
zu sehen …«
    »Der König?« Adelia kam nicht mehr mit.
    Wieder seufzte der Prior. »Sir Rowley Picot. Sir Rowley hat mich gebeten, Euch in seinem Namen zu bitten, seine Frau zu werden – ja, er gab mir praktisch zu verstehen, dass es beschlossene Sache sei.«
    Dieser außerordentliche Tag nahm einfach kein Ende. Sie war hinabgefahren in die Hölle und wieder daraus errettet worden. Ein Mann war von einer Meute Hunde zerfetzt worden. Nebenan war eine Mörderin. Sie selbst hatte ihre Jungfräulichkeit verloren, glorreich verloren, und der Mann, der sie ihr genommen hatte, besann sich jetzt auf die Etikette und schickte einen Ersatzvater, der um ihre Hand anhalten sollte.
    »Ich sollte hinzufügen«, sagte Prior Geoffrey, »dass der Antrag Sir Rowley teuer zu stehen kommen wird. Während der Assise hat der König ihm das Bistum St. Albans angeboten, und ich habe mit eigenen Ohren gehört, wie Picot das Amt ablehnte, weil er, wie er sagte, die Freiheit behalten wolle, sich in den Stand der Ehe zu begeben.«
    So sehr will er mich?
    »Henry war alles andere als erfreut«, erklärte der Prior. »Er hegt den starken Wunsch, unseren guten Steuereintreiber auf dem Bischofsstuhl von St. Albans zu sehen, und er sieht nicht gerne, wenn seine Pläne durchkreuzt werden. Doch Sir Rowley ließ sich nicht umstimmen.«
    Jetzt blieb Adelias Mund halb offen, weil sie wusste, welche Antwort sie geben musste, und es zugleich nicht konnte.
    Mit dem Aufwallen der Liebe kam die Angst, dass sie ja sagen würde, weil sie es so sehr wollte, weil Rowley heute Morgen den Schaden in ihrer Seele gelindert und geläutert hatte. Was natürlich die eigentliche Gefahr war. Er hat ein so großes Opfer für mich gebracht. Ist es da nicht richtig und schön, dass ich für ihn ein ähnliches Opfer bringe?
    Opfer.
    Prior Geoffrey sagte: »Er mag König Henry enttäuscht haben, aber er hat mir aufgetragen, Euch zu sagen, dass er noch immer großes Ansehen genießt und für eine hohe Stellung vorgesehen ist, so dass Euch aus der Verbindung kein Nachteil erwächst.« Als Adelia noch immer nicht

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