Die Weltgeschichte der Pflanzen
sieben Weltwunder stand, das Mausoleum, die Grabstätte von König Mausolos) und natürlich dem Pflanzennamen cypressos , die Zypressen vom Libanon-Gebirge. Das sind noch heute geläufige Begriffe aus der altmediterran-frühantiken Welt, aus der all diese Zierpflanzen, aber auch die wichtigsten unserer Getreide- und viele unserer Gewürzpflanzen stammen.
Eine Fortsetzung oder Variante des Mythos vom Narziss besteht übrigens darin, dass eines Tages an der Stelle, wo Narziss starb, Persephone, die Tochter der sehr archaischen Erd- und Ackergöttin Demeter vorbeikam. Sie pflückte die Blume, die Erde tat sich auf, und der Unterweltgott Hades nahm sie zur Frau. Bei der Hochzeit trug er einen Narzissenkranz. Persephone muss nach einem Ratschluss des Zeus die eine Hälfte des Jahres in der Unterwelt bei Hades verbringen, die andere Hälfte darf sie auf der Erde sein. Sie ist dadurch ein Symbol für den Wandel der Jahreszeiten, für Tod und Wiederauferstehung.
Auch im alten Ägypten waren Narzissen eng mit dem Totenkult verbunden, in der christlichen Kunst gelten sie als Wiederauferstehungssymbol. In der Jahwe-Religion mit ihrer Vorstellung vom richtenden und strafenden Gott, dem man Gehorsam schuldet, spielte der Wiederauferstehungsgedanke bekanntlich keine hervorragende Rolle. Jesus Christus hat durch seine Verkündigung in einer verinnerlichten Weise erneut daran angeknüpft.
Flieder
Flieder (botanisch Syringa ) zählt zu den Ölbaumgewächsen und kommt als Wildpflanze vom Balkan bis an den Südrand des Himalaja und nach China hinein vor. Als Kulturpflanze ist er, wie oben erwähnt, ein Geschenk des türkischen Sultans an den habsburgisch-kaiserlichen Gesandten Busbecq und somit ein Geschenk der Osmanen an Europa.
Bis zur Ankunft von Syringa wurde allerdings nicht diese, sondern der Holunder im Deutschen als »Flieder« bezeichnet. Eines der nicht seltenen Beispiele für Begriffsverwirrung bei Pflanzennamen. Zu der Übertragung kam es vielleicht, weil die Holunderbeeren, damals Fliederbeeren genannt, den dunkelvioletten Syringa -Blüten farblich ähneln. Außerdem wirkt eine blühende Holunderrispe mit ihren vielen kleinen Blüten wie ein blühender Flieder.
Der persische und arabische Name des Flieders lautet lilac . Diese Bezeichnung gelangte ins Französische und Englische. Im Deutschen findet sie sich in der Farbbezeichnung »lila« wieder. Das Wort lässt sich bis ins Sanskrit zurückverfolgen; nila bedeutet dort »dunkelblau«. Vielleicht ist der Flieder die so lange gesuchte »blaue Blume«.
Nelke
Rosen, Tulpen, Nelken. Die als Wildpflanzen im gesamten südlichen Eurasien und rund ums Mittelmeer verbreiteten Blumen wurden im Hochmittelalter nach Europa eingeführt. Angeblichentdeckte der französische König Ludwig IX ., der Heilige, 1270 während des siebten Kreuzzugs in Nordafrika die Nelke bei Tunis. Allerdings starb er dort bald darauf. Da sie in Europa historisch gesehen relativ jung ist, entwickelte die Nelke keine so vielschichtige Symbolik wie viele andere seit alters her bekannte Pflanzen. Doch sie ist als Marien-Symbol sowie als Liebes-, Braut- und Ehesymbol etabliert. Vor allem auf nordeuropäischen Porträts aus England, den Niederlanden und Deutschland hält der Mann oder die Frau manchmal eine Nelke deutlich sichtbar in der Hand, um einen Heiratsantrag oder ein Eheversprechen zu machen: Sag es mit Blumen.
»Nelke« bedeutet im Deutschen »Nägelchen«, mittelhochdeutsch negelkin , weil die Fruchtknoten der Pflanze an kleine Nägel erinnern; ganz genauso ist die Gewürznelke zu ihrem Namen gekommen, obwohl beide Pflanzen überhaupt nicht miteinander verwandt sind. Die botanische Bezeichnung dianthus geht auf eine Erwähnung der Nelke bei dem griechischen Naturforscher Theophrast zurück. Theophrast (circa 371-287 v. Chr.) war der Nachfolger von Aristoteles als Leiter von dessen Akademie und ein eminenter Botaniker, der sich als Erster »wissenschaftlich« mit Bäumen, Holzkunde und Waldbau beschäftigte. Allerdings zu einer Zeit, als es in Attika rings um Athen schon so gut wie keine Wälder mehr gab, hauptsächlich wegen des Schiffsbaus. Selbst die klugen Griechen der Antike waren nicht so klug gewesen, nachhaltige Waldwirtschaft einzuführen. Dianthus bedeutet so viel wie »Götterblume«, bezogen auf den obersten diós , nämlich Zeus. Die Wörter theós (lateinisch deus ) und Zeus sind praktisch identisch. Also ganz genau: »Zeus-Blume«.
Rote Nelken sind seit 1890 die Symbolpflanzen der
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