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Die Weltgeschichte der Pflanzen

Die Weltgeschichte der Pflanzen

Titel: Die Weltgeschichte der Pflanzen Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Wolfgang Seidel
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internationalen Arbeiterbewegung. Daher auch die »Nelkenrevolution« in Portugal, mit der das dortige spätfaschistische Regime 1974 weitgehend friedlich abgelöst wurde. Die an dem Putsch führend beteiligten Offiziere waren überwiegend sozialistisch gesinnt.

Männer machen Blumengeschichte
Begonie
    Begonien, Dahlien, Freesien, Forsythien: All diese Zierpflanzen sind nach Botanikern benannt. Durch diese »Verewigung« sollten Forscher und Entdecker im Gedächtnis bleiben.
    Der Marineoffizier Michel Bégon (1638-1710) fuhr nicht zur See, sondern übte seine Befehlsgewalt stets an Land aus – als Kommandant wichtiger französischer Häfen in der Zeit des Sonnenkönigs Ludwig XIV . Insbesondere des Hafens Rochefort seit 1688. Ludwig hatte den Hafen an der Mündung der Charente nördlich von Bordeaux schon seit 1666 zu einem enormen Arsenal mit großen Werften erweitern lassen, wo Hunderte von Schiffen gebaut und überholt wurden, die man für den Schutz der französischen Kolonien und der Handelswege brauchte. Die bedeutendste französische Kolonie in der Karibik neben Martinique und Guadeloupe war Haiti. Außerdem war Frankreich der mit Abstand größte Landbesitzer auf dem nordamerikanischen Kontinent. Die nach dem Sonnenkönig benannte Kolonie »Louisiana« reichte damals vom Sankt-Lorenz-Strom im heutigen Kanada bis zur Mündung des Mississippi in den Golf von Mexiko. Martinique und Guadeloupe sind als französische Überseedepartements heute übrigens Teil der EU .
    Dort amtete Bégon von 1682 bis 1685 als Generalgouverneur der französischen Karibikinseln. Bei seinem dreijährigen Aufenthalt sammelte der botanisch interessierte und mit vielen Naturforschern korrespondierende Bégon selbst eine große Menge pflanzlicher Kuriositäten. Als staatlicher Würdenträger und ganz im Stil der großen Herren seiner Zeit ging er nach dem Vorbildseines Königs stets mit üppiger Walleperücke, Brokatgehrock und hochhackigen Schuhen aus dem Haus. Bégon galt nach übereinstimmendem Urteil seiner Zeitgenossen als einer der hervorragendsten Staatsdiener Ludwigs XIV . Sein direkter Vorgesetzter war der Marine- und Finanzminister Jean-Baptiste Colbert.
    Benannt wurde die ganze Gattung der Begonien (nicht nur eine einzelne Pflanze!) durch den Paulaner-Mönch und überragenden Pflanzenforscher Charles Plumier (1646-1704), der ebenfalls im Auftrag des Sonnenkönigs zwischen 1689 und 1695 drei Forschungsreisen nach Südamerika unternahm. Und es war Michel Bégon, der Plumier für diese Aufgabe vorschlug, nachdem Ludwig ihn um eine dementsprechende Personalempfehlung gebeten hatte. Ludwig wiederum wusste um Bégons botanische Interessen und seine karibischen Erfahrungen.
    Plumier hatte also allen Grund, sich mit der Namensgebung erkenntlich zu zeigen.
    Obwohl viele der von Plumier auf seiner ersten Reise gesammelten Pflanzen und Zeichnungen durch Schiffbruch verlorengingen, war der König mit dem Ertrag so zufrieden, dass er Plumier zum »Königlichen Botaniker« ernannte und gleich wieder nach Südamerika schickte.
    Diese Aktivitäten zeigen, dass nicht nur in Großbritannien im 18. und 19. Jahrhundert aktive Pflanzenforschung und Pflanzenpolitik betrieben wurde, sondern auch im Frankreich des 17. Jahrhunderts, wie bereits vorher in Deutschland, Spanien und Italien seit der Spätrenaissance.
    Den Entdeckungen und Beschreibungen von Tausenden von Pflanzen aus der Neuen Welt (nebst vielen neu entdeckten Tierarten) durch Plumier verdanken etliche weitere Forscher neben Michel Bégon botanische Unsterblichkeit. Ihre Namen sind dadurch Alltagsbegriffe in vielen Weltsprachen geworden: Leonhart Fuchs (Fuchsien), Matthias de L’Obel (Lobelien), Pierre Magnol (Magnolien).
    Die Begonien sind eine der artenreichsten Pflanzengattungen; sie stellen auch den größten Teil der Familie der Schiefblattgewächse; es gibt sonst nur eine andere Pflanze, die dann auch gleichzeitig eine eigene Gattung und Art bildet. Die bekannten Zierpflanzen kommen weltweit in tropischen und subtropischen Gebieten vor, hauptsächlich jedoch in Südamerika.
Bougainvillea
    Der (Marine-)Offizier und Gentleman Louis Antoine de Bougainville (1729-1811) war der erste französische Weltumsegler (1766-1769) im Auftrag seines Königs Ludwig XV ., des Nachfolgers des Sonnenkönigs. Auf dieser Tour du Monde fuhr übrigens eine als Mann verkleidete Frau namens Jeanne Baret mit, die eine anerkannte Botanikerin wurde. Sie war die Geliebte eines ebenfalls mitreisenden

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