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Die Zeit der Feuerblüten: Roman (German Edition)

Die Zeit der Feuerblüten: Roman (German Edition)

Titel: Die Zeit der Feuerblüten: Roman (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Sarah Lark
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Felder und die höher liegenden Grundstücke nicht so glimpflich davongekommen. Schließlich waren außer dem Moutere auch die ihn speisenden Bäche rasend angeschwollen.
    »Den bringst du morgen wieder in Ordnung!«, erklärte Ottfried gelassen. »Es war ja ohnehin noch kaum etwas reif. Bei meiner Mutter ist es schlimmer.«
    Das Land der alten Brandmanns lag deutlich höher, weshalb Frau Brandmanns Anpflanzungen die letzte Flut recht gut überstanden hatten. Aber diesmal war auch ihr beinahe reifes Gemüse zu einem großen Teil weggespült worden.
    »Hier wird doch nie etwas reifen!«, hielt ihm Ida erschöpft entgegen. »Wir können es wieder und wieder versuchen …«
    »Es ist völlig sinnlos«, sprach Cat endlich aus, was sie schon den ganzen entsetzlichen Tag über mit Groll erfüllte. »All das, was wir hier machen. Ich verstehe nicht, warum ihr die Siedlung nicht gleich nach der ersten Flut aufgegeben habt!«
    Ottfried blitzte sie an. »Wie deine Leute? Die Maori?« Er spuckte ihr die Worte entgegen. »Das feige, faule Volk, das dieses Land nicht zu schätzen wusste?«
    »Aber Ottfried, du musst doch einsehen …«
    Ida verstummte, denn eben näherten sich Jakob Lange und Peter Brandmann gemeinsam mit den Landwirten und ein paar anderen älteren Männern.
    »Die bestellten Felder sind alle in Ordnung!«, meldete Bauer Friesmann. »Kaum Verluste. Aber wir müssen die Entwässerung ernster nehmen, ab morgen wird das Grabensystem ausgeweitet.«
    »Nein, nicht gleich morgen!«, fiel ihm Peter Brandmann mit seiner Predigerstimme ins Wort. »Ab morgen ziehen wir erst mal all unsere Kräfte zusammen, bringen das Haus der Busches in Ordnung und bauen das der jungen Schiebs wieder auf! Wäre doch gelacht, wenn ihr nicht in einer Woche wieder ein Dach über dem Kopf hättet, was Manfred?« Er tätschelte die Schulter des jungen Mannes, dessen Familie ihr Haus in den Fluten hatte versinken sehen.
    Cat hörte nicht, was Manfred Schieb erwiderte, die anderen Männer stimmten auf jeden Fall eifrig zu. Die Gemeinde Sankt Paulidorf war vom Aufgeben weit entfernt.
    »Und was machen wir jetzt?«, fragte Ida erschöpft. »Ich … Also jetzt all das Wasser aus dem Haus wischen, das … das schaffe ich nicht …«
    Sie sah tatsächlich aus, als würde sie gleich zusammenbrechen – vor Erschöpfung, aber auch vor Kummer. Und selbst Ottfried schien keine Lust zu haben, noch mit den Aufräumungsarbeiten zu beginnen, zumal die Dämmerung bereits einsetzte.
    »Wir schlafen in der alten Hütte hinter der Mission«, meinte er. »Holt Bettzeug aus dem Haus und was zu essen, und dann macht es euch da gemütlich.«
    »Wir?«, fragte Cat alarmiert. »Soll ich mir nicht was anderes suchen, und du schläfst da mit Ida?«
    Ida zuckte zusammen, doch Ottfried schüttelte den Kopf. »Ich hab noch was zu erledigen. Muss was besprechen mit den Männern. Das weitere Vorgehen. Ich schlaf dann woanders.«
    »Sie werden sich die Überschwemmung schöntrinken«, übersetzte Cat, als die Frauen sich durch den Schlamm und das fußhoch stehende Wasser erst zu Idas Haus durchkämpften, um dann ein paar Bündel mit den wichtigsten Sachen zu packen. »Aber ein Glück, dass eure alte Hütte noch steht. Angeblich reißen Ottfried und seine Freunde doch die alte Siedlung ab.«
    »Das dauert seine Zeit, wenn man pro Brett einen Whiskey trinkt«, murmelte Ida böse. »Sollen sie machen, was sie wollen. Hauptsache, ich hab meine Ruhe. Ich bin so müde, Cat … so müde. Und morgen geht es von vorne los. Ich wünschte, ich hätte dieses verfluchte Sankt Paulidorf nie gesehen!«
    Cat konnte nicht wissen, dass dies der erste Wunsch war, den Ida Brandmann jemals ausgesprochen hatte.

KAPITEL 3
    Ida raffte das Bettzeug zusammen, während Cat in der Küche nach etwas Essbarem suchte. Möglichst etwas, das man gleich verspeisen konnte. Keine der Frauen hatte Lust, jetzt noch zu kochen, zumal der Ofen in der alten Hütte erst angefeuert werden musste. Schließlich schlug Cat ein Brot und ein paar Reste Trockenfleisch in ein Küchentuch.
    »Mehr hab ich nicht gefunden«, sagte sie entschuldigend zu Ida. »Und dabei bin ich hungrig wie ein Wolf. Und mir ist kalt – das Beste wäre eine heiße Suppe.«
    Es war eigentlich nicht kalt gewesen an diesem Tag, während der Arbeit hatten die Frauen sogar geschwitzt. Aber jetzt, da sie zur Ruhe kamen, begannen sie in den nassen Kleidern zu frieren. Cat sehnte sich danach, die Sachen auszuziehen und sich irgendwie zu trocknen.

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