Die Zeit der Feuerblüten: Roman (German Edition)
schwankte zwischen dem Impuls, das verrutschte Leintuch wieder über ihre Brüste zu ziehen, und dem Griff nach ihrem Messer. Aber sie wusste bereits, dass sie verloren war, als sie vergeblich nach ihrem Gürtel tastete. Der Gürtel lag neben ihrem Kleid am glimmenden Feuer – und das Messer lag auf dem Tisch, an dem sie das Brot geschnitten hatte …
»Gib dir keine Mühe!« Ottfrieds verschlagenes Lächeln bewies, dass auch er es gesehen hatte. »Heute Nacht bist du fällig. Fragt sich nur, mit welcher von euch ich anfange. Der Braut oder der Wilden … Ach, ich kann’s gar nicht erwarten, kleine Katze, zu sehen, was die Krieger dir so beigebracht haben … Ich hatte mal so ’ ne Halbindianerin in Bahia …«
»Du wolltest doch woanders schlafen«, flüsterte Ida, offensichtlich immer noch nicht ganz bei sich. »Du … ich träum das jetzt, oder?«
»Das will ich doch hoffen, meine Liebe, dass du von mir träumst. Und nicht womöglich von diesem Karl Jensch …« Ottfried grinste böse. »Aber heute … Ja, ich hab’s entschieden, ich fang mit der kleinen Maori an. Du kannst zuschauen, Ida. Kannst was lernen. Mit dir macht’s nämlich schon längst keinen Spaß mehr, wenn du da unter mir liegst wie … wie was Totes.«
Cat wollte sich aus dem Bett rollen und fliehen, doch Ottfried griff bereits nach ihren Oberarmen. Er war betrunken, dennoch reichte allein sein Gewicht, die zierliche Cat auf dem Bett festzuhalten. Sie stöhnte vor Schmerz, versuchte aber trotzdem weiter, sich zu wehren, als er sich auf ihre Beine kniete, um seine Hose zu öffnen.
»Auszuziehen brauch ich dich ja nicht mehr!« Er lachte auf und warf einen kurzen bewundernden Blick auf ihren Körper. Das Leintuch riss er mit einem Griff herunter. »Und eine Hübsche bist du! Goldener Flaum … sieht aus, als wärste meine erste echte Blonde!«
Sehr viel mehr Zeit verwandte er dann jedoch nicht auf die Bewunderung seiner Beute. Cat schrie, als er brutal in sie eindrang – und noch lauter vor Entsetzen, als sie Idas Reaktion darauf sah. Die junge Frau war wie erstarrt vor Schreck. Sie hätte Zeit gehabt, sich vom Bett fallen zu lassen, zum Tisch zu rennen und das Messer zu holen. Aber Ida überlegte nicht. Sosehr Ottfried mit Cat beschäftigt war, den Schatten des Holzstücks, mit dem sie halbherzig nach ihm schlug, sah er doch – und wehrte den Angriff mit einer kleinen Schulterbewegung ab. Ida versuchte daraufhin zu kratzen und zu boxen, doch er entledigte sich ihrer wie eines lästigen Insekts. Mit einem einzigen Stoß schleuderte er die junge Frau durch den Raum, wie er es sonst mit dem Hund zu tun pflegte. Ida schrie vor Schmerzen auf, als sie hart auf dem Boden aufschlug. Cat konnte nicht sehen, wo, hörte aber während der ganzen furchtbaren Nacht den Hund wimmern und ihre Freundin schluchzen.
Cat gab sich nicht die Blöße zu weinen, als Ottfried wieder und wieder in sie eindrang. Seine widerliche Selbstbeweihräucherung, er schaffe es öfter in einer Nacht als jeder andere Mann, schien tatsächlich nicht der Wahrheit zu entbehren. Er vergewaltigte Cat vier Mal hintereinander – und er schlief zwischendurch nicht ein, sosehr er nach Whiskey roch und so verzweifelt die junge Frau das auch hoffte. Immerhin begnügte er sich mit Cat und machte die Drohung, sich später auch Idas anzunehmen, nicht wahr. Ob Ida verletzt war? Cat machte sich größte Sorgen um die Freundin, aber es gab nichts, was sie tun konnte. Ottfried hielt sie fest wie ein Schraubstock, sie war ihm völlig ausgeliefert, und ihre Versuche, nach ihm zu treten und zu beißen, schienen ihn nur weiter zu erregen. Schließlich lag sie resigniert still da, während er in der Morgendämmerung ein letztes Mal in sie eindrang.
Dann stand er schwankend auf.
»Kurze … kurze Nacht!«, stieß er aus. »Muss sehen, wie ich das Lange erkläre. Aber vielleicht … vielleicht hab ich ja den Fluss bewacht, den … den Scheißfluss. Werde mal runtergehen … gucken, wie’s steht mit dem Haus. Ihr kommt dann nachher einfach nach.«
Ottfried bewegte sich unsicher, als er zur Tür ging. Die Nachwirkungen des Whiskeys? Der Kampf mit Cat hatte ihn wohl kaum so mitgenommen. Eher mochte er steif sein von den Stößen, mit denen er Cat die halbe Nacht traktiert hatte. Oder ihn schmerzten einfach die Muskeln nach der harten Arbeit am Tag zuvor. Cat jedenfalls tat alles weh – aber sie machte sich trotzdem bereit, Ottfried nachzusetzen und das Messer an sich zu nehmen, wenn
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