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Die Zeit der Feuerblüten: Roman (German Edition)

Die Zeit der Feuerblüten: Roman (German Edition)

Titel: Die Zeit der Feuerblüten: Roman (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Sarah Lark
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er ging. Vielleicht erwischte sie ihn ja doch noch! Sie empfand genug Wut und Hass, ihm das Messer kaltblütig in den Rücken zu stoßen.
    Ottfried hielt inne, als er am Tisch vorbeiging, hob das Messer auf und wandte sich grinsend zu ihr um. »Ach ja. Vergiss dein Messer nicht, Kätzchen …«
    Unvermittelt schleuderte er die Klinge in Cats Richtung. Sie duckte sich entsetzt, obwohl von dem Wurf keine echte Gefahr ausging. Ottfried hatte offensichtlich nie gelernt, gezielt ein Messer zu werfen. Cat selbst hätte es besser gekonnt. Doch bevor sie die Waffe noch aufnehmen und sie nach ihm schleudern konnte, hatte sich die Tür schon hinter ihm geschlossen. Sie hörte, wie sich seine Schritte entfernten.
    Cats Rache würde warten müssen – wenn sie überhaupt Rache üben würde. Es wäre Wahnsinn, die Männer der Gemeinde würden ihr nicht glauben, dass es Notwehr gewesen war – erst recht nicht, wenn sie Ottfried mit ihrem Messer im Rücken fanden. Es war weitaus besser zu fliehen. Sie würde jetzt nach Ida schauen, und dann …
    »Cat?« Aus der Zimmerecke, in die sich Ida, den verängstigten Hund im Arm, gedrückt hatte, kam ihre erstickte Stimme. »Bist du in Ordnung, Cat?«
    Cat rappelte sich auf. »Ich würde das nicht so nennen«, murmelte sie. »Aber ich bin nicht verletzt. Was ist mit dir? Und Chasseur?«
    Ida schrie erschrocken auf, als Cat das Leintuch um sich schlang und sie sah, dass es blutig war.
    »Das ist nichts«, beruhigte Cat sie. »Ich war nur … ich war nur noch Jungfrau. Aber sag, was ist jetzt mit euch?«
    »Dem Hund fehlt nichts«, antwortete Ida. »Nur meine Hand tut schrecklich weh. Ich glaube, da ist was gebrochen.«
    Sie versuchte, aufzustehen, taumelte jedoch. Cat zog sie schließlich aufs Bett, um die Hand genauer zu untersuchen. Sie stand in unnatürlichem Winkel ab, das Gelenk war geschwollen.
    Cat seufzte. »Ja, wir werden das schienen müssen, und es wird wehtun«, erklärte sie dann. »Und obendrein ist es die rechte Hand. In der nächsten Zeit wirst du nicht viel tun können.« Sie versuchte zu lächeln. »Der vierte Anlauf mit diesem Garten bleibt dir so wenigstens erspart.« Vorsichtig legte sie Idas Hand auf die Bettdecke und strich der Freundin sanft übers Haar. »Pass auf, Ida, ich ziehe mich jetzt an. Es hilft ja nichts, wir können hier auf keinen Fall warten, bis womöglich dein Vater kommt oder der alte Brandmann auf der Suche nach Ottfried. Und dann melke ich und bettle vielleicht die Missionare um irgendetwas zu essen an – und um Verbandmaterial. Später schienen wir das richtig, aber ich muss vorher ein paar Kräuter suchen. Gegen die Schmerzen und vielleicht auch für eine Salbe gegen die Schwellung. Und du lässt dir schon mal eine Geschichte einfallen, wie es passiert ist. Dein Auge ist übrigens auch fast zugeschwollen. Am besten erzählen wir, du seist auf dem Weg hier herauf gefallen.«
    Cat nahm ihr Kleid auf und bemerkte seufzend, dass es noch klamm war. Das Feuer musste sehr bald ausgegangen sein, nachdem sie eingeschlafen waren.
    Ida nickte unglücklich. Cat fand, dass sie furchtbar aussah, das Gesicht verschwollen vom Weinen und von Ottfrieds Schlag, das Haar zerzaust und strähnig … Sie würde sie nachher kämmen müssen – und sehen, wie sie diese vermaledeiten Hauben in Form bekam. Jetzt zog sie sich erst mal selbst an. Nach kurzer Überlegung griff sie nach einer der Decken, um den Holzklotz, den sie am Vorabend als Melkschemel benutzt hatten, zu polstern.
    Ida verstand das falsch. Offenbar befürchtete sie, Cat packte ihre Sachen. In ihren großen blauen Augen stand pures Entsetzen, als sie Cat darauf ansprach. »Du gehst doch nicht weg?«, fragte sie leise. »Also für … für immer? Du lässt mich doch nicht allein?«
    Cat schüttelte den Kopf. So gern sie all das hinter sich gelassen hätte, jetzt, da Ida verletzt und hilflos war, konnte sie auf keinen Fall fortlaufen.
    »Hab keine Angst«, sagte sie leise. »Wenn wir gehen, Ida, dann gehen wir zusammen.«

KAPITEL 5
    In den nächsten Wochen war für Cat gar nicht daran zu denken, Sankt Paulidorf zu verlassen. Ida hatte nicht nur ein gebrochenes Handgelenk, sondern wurde im Anschluss an die dritte Flut und die furchtbare Nacht obendrein krank. Sie fieberte, litt unter Schüttelfrost, hustete allerdings nicht. Te Ronga hätte wahrscheinlich diagnostiziert, dass Ida schlicht am Entsetzen krankte. Sicher hätte sie irgendeine Zeremonie durchgeführt, um die Geister zu beruhigen, die die

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