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Drachenritter 05 - Der Drache, der Graf und der Troll

Drachenritter 05 - Der Drache, der Graf und der Troll

Titel: Drachenritter 05 - Der Drache, der Graf und der Troll Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Gordon R. Dickson
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neue Schale darbieten wollte, wandte Jim sich um.
    Es war kein Mundschenk. Statt eines Dieners des Grafen sah Jim eine Gestalt in einem teuren, waldgrünen, dicken Wollgewand mit einer Kapuze buchstäblich hinter seinem Stuhl hocken.
    Dann erkannte er das Gewand und die Kapuze als einen Teil von Angies Reisekleidung. Es konnte jedoch nicht Angie sein, da sie ein Stück von ihm entfernt am Tisch saß und sich mit beträchtlichem Vergnügen von John Chandos unterhalten ließ. Als Jim tiefer in die Kapuze hineinspähte, sah er das erschrockene Gesicht der Amme, die oben im Turm hätte sitzen sollen, eingesperrt in das Zimmer mit dem kleinen Robert Falon, bis Jim und Angie oder Brian zurückkehrten.
    »Vergebt mir, Mylord, bitte vergebt mir!« wisperte die Amme.
    »Was ist geschehen?« fragte Jim mit leiser Stimme; er war plötzlich sehr wachsam und sehr besorgt.
     
    Mylord, vergebt mir, aber ich dachte, ich hätte recht getan...«
    Wovon redet Ihr? Heraus damit!« knurrte Jim. »Ich weiß, Mylady sagte, ich solle die Tür nur für Euch drei öffnen«, stieß sie hervor, »aber es war eine Dienstmagd von Agatha Falon, die dem kleinen Neffen von Lady Falon ein Geschenk bringen wollte; einen Ring von ihr mit dem Familienwappen. Man hat mich lediglich gebeten, die Tür weit genug zu öffnen, daß sie mir den Ring durchreichen konnte.« Die Amme blickte drein, als stünde sie kurz vor einem Tränenausbruch. »Ich- ich habe es getan.«
    »Ja?« fragte Jim. »Und weiter? Ist das der Grund, warum Ihr so fertig mit den Nerven seid?« »Fertig mit den Nerven, Mylord?« Die Amme sah ihn verständnislos an.
    »Aufgeregt. Durcheinander!« erklärte Jim ungeduldig.
    »O nein«, sagte die Amme. »Die Dienstmagd hat nur getan, was sie gesagt hat. Sie hat lediglich ihre Finger mit einem Ring für den kleinen Lord durch die Tür gestreckt, dann die Hand wieder zurückgezogen. Ich habe die Tür dann so hastig wieder geschlossen und Verriegelt, daß ich ihr beinahe die Finger eingeklemmt hätte.«
    »Nun denn«, sagte Jim. Mittlerweile war er vollkommen  durcheinander.   »Was  soll  dann  dieses  ganze Getue?«
    »Erst nachher fiel mir ein, Mylord, daß man - wo Ihr doch ein Magier seid und es viele unsichtbare Dinge gibt - gefährliche, magische Dinge in das Zimmer Eurer Lordschaft bringen könnte und daß der Ring vielleicht mit einem bösen Zauber oder etwas in der Art behaftet sein könnte. Und ich hatte ihn angenommen. Je länger ich darüber nachdachte, um so größer wurde meine Angst. Glücklicherweise war Wilfred, Euer Bewaffneter, Mylord ...«
    »Ja, ja«, sagte Jim. »Ich habe ihm Order gegeben, draußen im Korridor Wache zu stehen.«
    »Nun«, fuhr die Amme fort, »ich habe ihn hineingerufen, damit er bei dem Kind bleibt und mir die Tür bei meiner Rückkehr wieder aufsperrt. Dann habe ich dieses Gewand von Lady Angela genommen - oh, ich weiß, es war falsch von mir, Mylord, es zu berühren, ganz zu schweigen davon, es anzuziehen -, aber ich wollte hinunterkommen und Euch von dem Vorfall berichten, ohne daß jemand mich erkennt.«
    »Nun, ich verstehe nicht recht...«, begann Jim und hielt dann inne.
     Plötzlich verstand er sehr wohl. Das, was man ihm gerade berichtet hatte, hatte zwei Seiten. Die eine war die Angst der meisten dieser Leute vor magischen und dunklen Mächten, die sich ihrem Einfluß entzogen, und ihre feste Überzeugung, daß sie im Angesicht solcher Dinge hilflos sein würden. Die andere Seite war die Tatsache, daß ein Geschenk wie dieses von Agatha Falon, die bisher nicht das geringste Interesse an dem kleinen Robert gezeigt hatte, gelinde gesagt ein wenig merkwürdig war. Schließlich verfügte diese Welt tatsächlich über Magie, und ein Ring konnte durchaus etwas Magisches an sich haben - etwas Magisches, das schon vor dem Segen des Bischofs in der Burg gewesen war; dieser Segen verhinderte schließlich nur das Wirken neuer Magie.
    »Na gut«, sagte er. »Geht wieder hinauf. Ich bin gleich da.«
    Die Amme schlüpfte davon. Jim blickte auf und den Tisch hinunter. Der Bischof stand immer noch zwischen dem Grafen und Agatha Falon, beugte sich jedoch nicht zu weit vor, um auf keinen Fall seine kirchliche Würde zu verletzen. Angie war weiterhin in ein angeregtes Gespräch mit Sir John Chandos verstrickt. Diese letzte Beobachtung irritierte Jim - und zwar nicht wenig.
    Jim mochte Sir John Chandos. Und mehr als das, er bewunderte ihn. Chandos hatte einen brillanten Verstand und war von

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