Dune 01: Der Wüstenplanet
Imperator hegt die Hoffnung, daß er niemals so weit zu gehen braucht«, sagte der Graf.
Es war einigermaßen schwierig, aus diesen Worten Ironie herauszulesen. Fenrings Worte klangen eher schmerzlich. Aber irgendwie konnte er es schon hinkriegen. »Ich bin immer einer seiner loyalsten Untertanen gewesen«, sagte der Baron. »Ihre Worte schmerzen mich mehr, als ich in einfachen Worten ausdrücken kann.«
»Hmmmm«, machte der Graf. »Hmmm.«
Der Baron drehte Fenring auch weiterhin den Rücken zu und nickte. Plötzlich sagte er: »Es ist Zeit, in die Arena hinüberzugehen.«
»Tatsächlich«, erwiderte Fenring.
Sie verließen den abgeschirmten Bezirk der Halle und gingen nebeneinander auf die Gruppe der Angehörigen der Kleinen Häuser zu, die sich am Ende des Raumes versammelt hatte. Irgendwo im Innern der Kuppel wurde eine Glocke angeschlagen. Noch zwanzig Minuten bis zum Beginn.
»Die Kleinen Häuser erwarten, daß Sie sie anführen«, sagte Fenring und nickte den Leuten zu.
Wie doppelsinnig, dachte der Baron. Wie verflucht doppelsinnig.
Er schaute auf die neuen Talismane, die den Hallenausgang flankierten: der Stierschädel und das Ölgemälde des alten Herzog Atreides, Letos Vater. Sie erfüllten ihn mit einer dunklen Ahnung, und er fragte sich, welches Motiv Herzog Leto dazu inspiriert hatte, diese Dinge zuerst in seiner Halle auf Caladan und später auf Arrakis aufzuhängen: ein Gemälde seines Vaters und den Kopf des Stiers, der ihn getötet hatte.
»Die Menschheit verfügt, hm, nur über eine ... äh ... Wissenschaft«, sagte der Graf, nachdem die Gäste sich ihnen angeschlossen hatten und sie gemeinsam vor der Halle in den Warteraum gingen. Es war enger hier, die Fenster waren hoch und der Boden bestand aus gemusterten Platten von weißer und purpurner Farbe.
»Und welche Wissenschaft ist das?« fragte der Baron.
»Es ist die ... äh ... Wissenschaft der, hm, Unzufriedenheit«, erwiderte Fenring.
Die schafsnasigen Angehörigen der Kleinen Häuser hinter ihnen stießen ein erheitertes Gelächter aus, das gerade noch an der Grenze dessen lag, was der Baron tolerieren mußte. Glücklicherweise öffneten in diesem Moment die Pagen die Tür. Das Gelächter ging unter im Lärm anspringender Motoren. Die Wagen standen bereit. Bunte Wimpel flatterten im Wind.
Um die plötzliche Stille zu überbrücken, hob der Baron die Stimme und sagte: »Ich hoffe, daß Sie nicht mit der Vorstellung unzufrieden sind, die mein Neffe Ihnen heute bietet, Graf Fenring.«
»Ich bin, hm, lediglich von einer ... äh ... gewissen Vorahnung erfüllt«, gab der Graf zurück. »Wie bei einer, hm, Procès Verbal, bei der man noch nicht weiß, gegen wen sie, hm, gerichtet ist.«
Es war nur den vor ihnen liegenden Treppenstufen, die der Baron mit festen Schritten nahm, zu verdanken, daß niemand etwas von seiner völligen Verblüffung wahrnahm. Eine Procès Verbal! dachte er. Das ist ein Bericht über ein Verbrechen gegen das Imperium!
Der Graf grinste in einer Form, als habe er einen guten Witz gemacht und klopfte dem Baron beruhigend auf den Arm.
Während der Fahrt zur Arena saß der Baron die ganze Zeit über zwischen seinen bewaffneten Wagenbegleitern, warf mißtrauische Blicke auf Graf Fenring und fragte sich, was dieser Laufbursche des Imperators sich dabei gedacht haben mochte, einen solchen Witz ausgerechnet in Anwesenheit von Angehörigen Kleiner Häuser zu machen. Hinter seinen Worten mußte etwas anderes stecken, denn Fenring war dafür bekannt, daß er niemals etwas tat, für das er kein Motiv besaß. Er benutzte nicht einmal zwei Worte, wo eines ausreichte.
Gemeinsam nahmen sie in der goldenen Loge über der Arena Platz. Fanfaren schmetterten. Die Ränge neben und unter ihnen waren mit Menschen gefüllt, die Fähnchen schwenkten. Und schließlich glaubte der Baron, die Antwort auf seine Frage gefunden zu haben.
»Mein lieber Baron«, sagte Fenring und näherte sich mit den Lippen dem Ohr des Barons, »Sie sind sich doch darüber im klaren, daß der Imperator die Wahl Ihres Erben noch nicht sanktioniert hat, nicht wahr?«
Am meisten überrascht war der Baron über die Tatsache, daß ihm Fenrings Worte auf der Stelle die Sprache verschlugen. Er starrte den Mann an und sah dabei aus den Augenwinkeln, wie sich Lady Fenring durch die Wachen zu ihrer Loge zwängte.
»Das ist der Hauptgrund, der mich hierhergeführt hat«, fuhr der Graf fort. »Der Imperator hat mich gebeten, ihm einen Bericht darüber zu geben, ob
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