Dune 01: Der Wüstenplanet
aber irgendwie mußte der Imperator von dieser Bedrohung erfahren.
Immer noch die Kraft seiner Stimme einsetzend, sagte Paul: »Ergeben Sie sich, Captain.«
Der Mann zur Linken des Offiziers sprang plötzlich vor, aber bevor er etwas erreichen konnte, traf ihn das Messer seines eigenen Vorgesetzten in die Brust. Der Angreifer taumelte zurück und fiel zu Boden. Captain Aramsham sah seinen letzten verbliebenen Kollegen von der Seite an und sagte: »Was Seiner Majestät nützt, entscheide ich ganz allein, verstanden?«
Die Schultern des anderen Sardaukar sanken herab.
»Legen Sie die Waffe nieder«, sagte der Captain.
Der Sardaukar gehorchte.
Der Captain sah Paul an. »Ich habe einen Freund für Sie getötet«, sagte er. »Ich hoffe, Sie werden das nicht vergessen.«
»Ihr seid meine Gefangenen«, erwiderte Paul, »denn ihr habt euch ergeben. Ob ihr lebt oder sterbt, ist für uns unwichtig.« Er gab seinen Leuten ein Zeichen, die beiden Eindringlinge zu übernehmen, und winkte dem Unterführer, der den Auftrag gehabt hatte, die Schmuggler eingehend zu untersuchen, heran.
Die Fremen nahmen Aramsham und seinen Gefährten zwischen sich und führten sie hinaus.
Paul verbeugte sich vor seinem Unterführer.
»Muad'dib«, sagte der Mann. »Ich habe einen Fehler gemacht und ...«
»Das hast du nicht«, entgegnete Paul. »Den Fehler habe ich begangen, indem ich dich nicht warnte, welchen Leuten du gegenüberstandest. Denke in Zukunft, wenn du einen Sardaukar durchsuchst, immer daran, daß jeder einzelne von ihnen über einen falschen Zehennagel verfügt, mit dem er – unter Zuhilfenahme eines zweiten – in der Lage ist, einen effektiven Transmitter zu konstruieren. Sardaukar haben in der Regel auch mehr als einen falschen Zahn, und sie verstecken in ihrem Haar ganze Rollen von Shigadraht, der so dünn ist, daß man ihn mit bloßem Augen kaum erkennen kann. Aber er ist stark genug, um den Kopf eines Gegners säuberlich vom Hals zu trennen. Wenn man einem Sardaukar gegenübersteht, ist höchste Vorsicht geboten. Selbst wenn man sie von allen Seiten durchleuchtet hat und ihre Gliedmaßen einzeln abklopft: man kann nie ganz sicher sein, daß sie nicht doch noch irgendwo etwas versteckt haben.«
Paul blickte auf und sah Gurney, der sich ihnen langsam näherte und zuhörte.
»Dann wäre es das Beste, wenn wir sie sofort töteten«, meinte der Unterführer.
Kopfschüttelnd maß Paul Gurneys Gesicht und sagte: »Nein. Ich möchte, daß die beiden Männer fliehen.«
Gurney zuckte zusammen. »Aber, Sire!« keuchte er entsetzt.
»Ja?«
»Ihr Mann hier hat recht. Lassen Sie die Gefangenen sofort umbringen. Und zerstören Sie alle Spuren ihrer Anwesenheit. Sie haben die Sardaukar des Imperators besiegt! Wenn der Imperator davon Wind bekommt, wird er nicht eher ruhen, bis er Sie auf kleiner Flamme geröstet hat.«
»Auf dieses kleine Vergnügen wird er leider verzichten müssen«, erwiderte Paul. Er sprach langsam und kalt. Irgend etwas war in ihm vorgegangen, während er die Sardaukar in seinem Blickfeld gehabt hatte. Eine Anzahl von Entscheidungen waren durch sein Bewußtsein geflossen. »Gurney«, fragte er plötzlich, »gibt es in der näheren Umgebung Rabbans viele Mitglieder der Gilde?«
Gurney richtete sich auf und runzelte die Stirn. »Ihre Frage hat keinen ...«
»Gibt es sie?« herrschte Paul ihn an.
»Arrakis wimmelt nur so von Agenten der Gilde. Sie kaufen Gewürz, als handele es sich dabei um das kostbarste Mineral des Universums. Was, glauben Sie, war der Grund, weshalb wir uns so weit in die Wüste hinaus ...«
»Das Gewürz ist das kostbarste Mineral des Universums«, gab Paul zurück. »Für sie jedenfalls.« Er sah Stilgar und Chani an, die gerade die Höhle durchquerten und auf sie zukamen. »Und wir kontrollieren es, Gurney.«
»Es sind die Harkonnens, die das Gewürz kontrollieren!« protestierte Halleck.
»Die Leute, die ein Ding zerstören können«, entgegnete Paul, »kontrollieren es auch und haben es in der Hand.« Er brachte Gurney, der darauf etwas erwidern wollte, mit einer schnellen Handbewegung zum Schweigen und nickte Stilgar zu, der, Chani neben sich, vor Paul stehenblieb.
Paul nahm das erbeutete Sardaukarmesser in die rechte Hand und zeigte es Stilgar. »Du lebst nur, um das Beste für unseren Stamm zu erreichen«, sagte er. »Wärest du in der Lage, mir mit diesem Messer das Leben zu nehmen?«
»Wenn es zum Besten des Stammes wäre, ja«, nickte Stilgar.
»Dann tue es«, sagte
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