Ein Hauch von Schnee und Asche
getrunken?
»Brianna«, sagte ich mit leiser, aber drängender Stimme. »Geh und hol Wasser – schnell.«
Sie hatte das andere Kind auf den Boden gelegt und wischte ihm den Schmutz vom Körper, blickte aber auf, und beim Anblick meines Gesichts ließ sie sofort ihren Lappen fallen und stand auf. Sie nahm den Kessel, den ich ihr in die Hand drückte, und verschwand; ich hörte ihre Schritte über den Hof rennen.
Die Fliegen machten es sich auf Hortenses Gesicht bequem; ich wedelte mit meinem Halstuch, um sie zu verscheuchen. Das Tuch berührte ihre Nase, doch ihre erschlafften Gesichtszüge zuckten kaum. Sie atmete; ich konnte sehen, dass sich ihr aufgetriebener Bauch leicht bewegte.
Wo war Padraig? Auf der Jagd vielleicht.
Inmitten des überwältigenden Gestanks entleerter Eingeweide fing ich einen Hauch von etwas anderem auf und beugte mich vor, um zu schnuppern. Ein süßer, durchdringender Fermentgeruch wie von verfaulten Äpfeln. Ich schob meine Hand unter Hortenses Schulter und rollte sie mit einer ziehenden Bewegung zu mir. Eine Flasche lag – leer – unter ihr. Eine Nase voll reichte aus, um mir zu sagen, was sie enthalten hatte.
»Verflucht und noch einmal verflucht«, knurrte ich leise. Todkrank und ohne Wasser, hatte sie Apfelwein getrunken, entweder um ihren Durst zu stillen oder um den Schmerz der Krämpfe zu lindern. Eine logische Vorgehensweise – nur dass Alkohol harntreibend wirkte. Er entzog dem Körper, der sowieso schon ernstlich ausgetrocknet war, noch mehr Wasser, von der zusätzlichen Reizung des ohnehin überforderten Magen-Darm-Traktes ganz zu schweigen.
Himmel, hatte sie den Kindern auch davon gegeben?
Ich beugte mich über das ältere Kind. Das Mädchen war schlaff wie eine Stoffpuppe, und der Kopf hing ihr auf der Schulter, doch ihre Haut hatte ihre Spannkraft noch nicht ganz verloren. Ich kniff auch sie in die Hand; die Haut blieb aufgerichtet, kehrte aber schneller wieder zum Normalzustand zurück als die des Babys.
Sie hatte die Augen geöffnet, als ich sie in die Hand kniff. Das war gut. Ich lächelte sie an und strich ihr die Fliegen vom halb offenen Mund. Ihre rosa Schleimhäute sahen trocken und verklebt aus.
»Hallo Schätzchen«, murmelte ich. »Keine Angst, ich bin jetzt hier.«
Und würde das helfen?, fragte ich mich. Verdammt; wäre ich doch nur einen Tag eher gekommen!
Ich hörte Briannas eilige Schritte und ging ihr bis zur Tür entgegen.
»Ich brauche -«, begann ich, doch sie unterbrach mich.
»Mr. MacNeill ist im Wald!«, sagte sie. »Ich habe ihn auf dem Weg zur Quelle gefunden. Er ist -«
Der Kessel in ihren Händen war immer noch leer. Ich ergriff ihn mit einem gereizten Ausruf.
»Wasser! Ich brauche Wasser!«
»Aber ich – Mr. MacNeill, er ist -«
Ich drückte ihr den Kessel wieder in die Hand und schob mich an ihr vorbei.
»Ich suche ihn«, sagte ich. »Hol Wasser! Gib es ihnen – dem Baby zuerst! Lizzie soll dir helfen – die Feuer können warten! Lauf!«
Als Erstes hörte ich die Fliegen; ein lautes Summen, bei dem meine Haut unangenehm zu kribbeln begann. Hier im Freien hatten sie ihn schnell gefunden, angezogen von seinem Geruch. Ich holte hastig Luft und schob mich durch das Buchsbaumgebüsch zu der Stelle, an der Padraig im Gras unter einer Platane zusammengebrochen war.
Er war nicht tot. Das sah ich sofort; die Fliegen bildeten eine Wolke, keine Decke – umschwebten ihn, landeten, flogen wieder auf, wenn er zuckte.
Er lag zusammengekrümmt auf dem Boden und trug nur sein Hemd. Neben seinem Kopf lag ein Wasserkrug. Ich kniete mich neben ihn und betrachtete ihn, während ich ihn abtastete. Sein Hemd und seine Beine waren voller Flecken, genau wie das Gras, auf dem er lag. Das Exkrement war sehr wässrig – das meiste war inzwischen in den Boden gesickert – aber hier und dort war es auch fest. Es hatte ihn also später erwischt als Hortense und die Kinder; sein Darm krampfte noch nicht lange, sonst wäre es zum Großteil Wasser mit etwas Blut gewesen.
»Padraig?«
»Mrs. Claire, Gott sei Dank, dass Ihr hier seid.« Seine Stimme war so heiser, dass ich die Worte kaum verstehen konnte. »Meine Kinder? Habt Ihr meine Kinder in Sicherheit gebracht?«
Er erhob sich zitternd auf den Ellbogen, und der Schweiß klebte ihm die grauen Haarsträhnen an den Wangen fest. Seine Augen öffneten sich einen Spalt breit, um mich zu sehen, doch von den Stichen der Hirschfliegen waren sie so angeschwollen, dass sie nur noch Schlitze waren.
»Ich
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