Elfenlicht
Ich hätte bei ihr sein sollen! Ihre Beine ... Ihre beiden Knie sind unter einen der schweren Hämmer geraten. Es war ... Sie ... Ihre Kniegelenke sind völlig zerschmettert. Es war den Heilern unmöglich, die Knochen wieder zusammenzufügen. Sie mussten ... Sie haben ihr beide Beine abgenommen. Dicht über den Knien.« Voller Hass blickte er Melvyn an. »Sie wird nie wieder ... laufen können.«
»Du Ungeheuer!« Der Wolfself sprang auf. Er streckte die Hände vor, als wolle er Shandral erwürgen.
Ollowains Ellenbogen krachte gegen Melvyns Schläfe, als dieser ihn zur Seite stoßen wollte. Ohne einen Laut brach der junge Elf zusammen.
»Er ist wie ein Geschwür, das man aus dem Leib schneiden muss«, sagte Shandral gehässig. »Er hätte niemals seine Wolfshöhle verlassen dürfen.«
»Du hast die Erlaubnis, nun zu gehen, Shandral.«
Der Fürst stieß mit der Fußspitze gegen Melvyn. »Und was wird mit diesem Stück Dreck?«
»Morgen werde ich dein Weib besuchen, um mit ihr zu sprechen. Danach werde ich entscheiden.«
»Sie ist noch sehr schwach, Schwertmeister. Sie wird dir keine Hilfe sein.«
»Ich werde ihre Kräfte nicht lange beanspruchen. Heute Abend erwarte ich dich auf dem Fest der Kentauren. Enttäusche mich nicht. Und nun geh!«
Shandral verließ das Zelt mit leisen Flüchen auf den Lippen.
Ollowain war zutiefst erschüttert. Fast hätte der Fürst sich verraten. Der Schwertmeister war sich ganz sicher, dass Shandral eigentlich hatte sagen wollen: Sie wird nie wieder fortlaufen können. Das war kein Unfall in der Schmiede gewesen! Shandral hatte Leylin für ihre Untreue bestrafen lassen. Aber das würde er ihm wohl kaum beweisen können.
DAS FEST DER KENTAUREN
Ollowain kannte nichts, was einer Schlacht so nahe kam wie ein Fest der Kentauren. Das Tosen der Trommeln ließ ihm fast die Ohren bluten. Die dumpfen Rhythmen drangen bis in sein Innerstes und erzählten ihm von hunderten von Kämpfen. Sie weckten in ihm die Lust zu kämpfen, Blut zu vergießen.
Wilde Stimmen schmetterten melancholische Lieder. Sie waren ein wenig wie die Sagas der Fjordländer. Die Helden starben einen tragischen Tod. Ollowain lächelte traurig. Er dachte an den Befehl, den Emerelle ihm gegeben hatte. Natürlich würde er gehorchen. Ihr hatte er immer gehorcht.
Der Schwertmeister führte eine kleine Gruppe von Elfen ins Herz des Chaos. Das Lager der Kentauren war riesig. Zelte gab es hier keine. Nur hier und dort war eine Sonnenplane aufgespannt. Meistens um ein Lager aus Weinamphoren kühl zu halten.
»Gibt es etwas, wovor ich mich besonders in Acht nehmen sollte?« Obilee musste schreien, obwohl sie neben ihm ritt.
»Rühr keine Wolfsmilch an. Wer davon trinkt und keinen Pferdemagen hat, wird unweigerlich krank.«
»Was ist das, Wolfsmilch?«
»Vergorene Stutenmilch, mit Anis und anderen Gewürzen versetzt. Trink nichts, was weiß ist!« Ollowain beobachtete verstohlen die übrigen Reiter in seinem Gefolge. Melvyn schien es zu genießen, hier zu sein. Allerdings warf der Wolfself, wenn er sich unbeobachtet fühlte, Shandral Blicke zu, die keinen Zweifel an seinen finsteren Absichten ließen. Ollowain hatte Melvyn entwaffnen lassen, aber wahrscheinlich hätte dieser keine Schwierigkeiten damit, Shandral nur mit bloßen Händen zu töten.
Der Fürst von Arkadien zuckte immer wieder zusammen, wenn irgendein Trupp Betrunkener in plötzliches Gejohle ausbrach.
Elodrin hingegen ließ sich durch nichts aus der Fassung bringen. Der Seefürst wirkte äußerlich völlig gelassen. Doch Ollowain wusste, dass der Adlige es zutiefst hasste, seine Zeit auf einem barbarischen Saufgelage zu verbringen. Obwohl die Kentauren ihre treuesten Verbündeten waren, sah er in ihnen nur wenig mehr als Tiere.
Yilvina war angespannt wie eine Stahlfeder. Sie trug ein weißes Stirnband, damit ihr in der Hitze kein Schweiß in die Augen rann. Wie eine stumme Drohung ragten ihre beiden Schwertgriffe hinter ihren Schultern auf. Misstrauisch beobachtete sie jeden, der sich auch nur ungefähr in Richtung des Seefürsten bewegte.
Nardinels Schönheit umgab die dunkelhaarige Elfe wie ein schützender Panzer. Zugleich wirkte sie ein wenig entrückt, als sei sie in tiefe Meditation versunken oder als weigere sie sich schlicht, zur Kenntnis zu nehmen, wo sie hier gelandet war. Sie ritt als Einzige im Damensitz.
Obilee war im Gegensatz zu der Heilerin erfrischend neugierig. Sie sah sich um und belagerte Ollowain mit ihren Fragen. Jetzt deutete sie
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