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Endymion - Pforten der Zeit & Die Auferstehung

Titel: Endymion - Pforten der Zeit & Die Auferstehung Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Dan Simmons
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in unserem Startsystem war nur siebzehn Stunden entfernt gewesen, aber im System von T’ien Shan mussten wir den Übergang von C-plus jenseits des letzten Eisplaneten bewerkstelligen, und das Bremsmanöver im System dauerte drei volle Tage. Ich lief durch die verschiedenen Decks, die Wendeltreppe hinauf und hinunter und sogar auf den kleinen Balkon hinaus, den ich das Schiff hatte ausfahren lassen. Ich sagte mir, dass ich versuchte, mein Bein wieder in Form zu bringen – trotz der Behauptung des Schiffs, dass der Autochirurg es geheilt habe und ich keine Schmerzen mehr spüren könne, tat es noch weh –, aber in Wahrheit versuchte ich, nervöse Energie loszuwerden. Ich kann mich nicht entsinnen, jemals vorher derart nervös gewesen zu sein.
    Das Schiff wollte mir bis in die kleinste Einzelheit alles über dieses System erzählen – gelber Stern vom Typ G, bla, bla, bla – nun, das konnte ich sehen... elf Planeten, drei Gasriesen, zwei Asteroidengürtel, ein hoher Prozentsatz Kometen im inneren System, bla, bla, bla. Mich interessierte nur T’ien Shan; ich saß in der mit Teppichboden ausgelegten Holonische und verfolgte, wie der Planet größer wurde. Die Welt war erstaunlich hell.
    Blendend hell. Eine funkelnde Perle im Schwarz des Weltalls.
    »Was Sie sehen, ist die untere, permanente Wolkendecke«, dröhnte das Schiff. »Die Albedo ist eindrucksvoll. Es gibt höhere Wolken – sehen Sie diese Sturmfronten rechts unten über der erleuchteten Hemisphäre? Diese hohen Zirruswolken, die Schatten nahe der nördlichen Polkappe werfen?
    Das sind die Wolken, die den Bewohnern Wetter bringen.«
    »Wo sind die Berge?«, fragte ich.
    »Dort«, sagte das Schiff und zog einen Kreis um einen grauen Schatten auf der nördlichen Hemisphäre. »Meinen alten Karten zufolge ist dies ein hoher Gipfel in den nördlichen Ausläufern der östlichen Hemisphäre –
    Chomo Lori, ›Schneekönigin‹ –, und sehen Sie diese Riefungen, die sich davon ausgehend nach Süden erstrecken? Sehen Sie, wie sie dicht nebeneinander verlaufen, bis sie den Äquator passieren, und sich danach immer mehr voneinander entfernen, bis sie in den südpolaren Wolkenmassen verschwinden? Das sind die beiden großen Massive, das Phari-Massiv und der Gebirgszug K’un Lun. Sie waren die ersten bewohnten Felsformationen des Planeten und sind ausgezeichnete Beispiele für das Äquivalent der heftigen Verwerfungen der frühen Dakota-Kreidezeit, die dazu führten, dass...«
    Bla, bla, bla. Und ich dachte immerzu nur an Aenea, Aenea, Aenea.
    Es war seltsam, in ein System einzufliegen ohne Pax-Flotte, die uns angriff, ohne Orbitalverteidigung, ohne Mondbasen... nicht einmal eine Basis auf dem gigantischen Ochsenauge von einem Mond, der aussah, als hätte jemand einen einzigen Schuss in eine glatte orangefarbene Kugel abgefeuert – keine Daten über das Kielwasser von Hawking-Antrieben oder Neutrinoemissionen oder Gravitationslinsen oder von Drohnen mit Bussard-Jets geräumte Felder – überhaupt keine Spur einer höheren Technologie. Das Schiff behauptete, dass minimale Mikrowellensendungen von bestimmten Gegenden des Planeten ausgingen, aber als ich sie auffangen ließ, stellte sich heraus, dass sie in einem Chinesisch von vor der Hegira abgefasst waren. Das war ein Schock. Ich war noch nie auf einer Welt gewesen, wo die Mehrheit der Bewohner etwas anderes sprach als eine Version von Netzenglisch.
    Das Schiff schwenkte in einen geostationären Orbit über der östlichen Hemisphäre ein. »Ihre Anweisung lautete, den Berg namens Heng Shan zu finden, der rund sechshundertundfünfzig Kilometer südöstlich des Chomo Lori liegen müsste... da!« Das Teleskopbild in der Holonische zoomte auf einen wunderschönen Fangzahn aus Schnee und Eis, der durch mindestens drei Wolkenschichten drang, bis der Gipfel klar und strahlend über dem größten Teil der Atmosphäre aufragte.
    »Herrgott«, flüsterte ich. »Und wo ist Hsuan-k’ung Ssu? Der in der Luft hängende Tempel?«
    »Er müsste... dort sein«, sagte das Schiff triumphierend.
    Wir sahen hinab auf einen vertikalen Kamm aus Eis und Schnee und grauem Fels. Wolken brodelten an der Basis dieser ungeheuren Klippe.
    Obwohl ich nur das Holo sah, griff ich nach Kissen und wurde von einem Schwindelgefühl gepackt.
    »Wo?«, fragte ich. Es waren keine Gebäude zu sehen.
    »Das dunkle Dreieck«, sagte das Schiff und zog einen Kreis um etwas, das ich für einen Schatten auf der grauen Felswand gehalten hatte. »Und diese

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