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Endymion - Pforten der Zeit & Die Auferstehung

Titel: Endymion - Pforten der Zeit & Die Auferstehung Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Dan Simmons
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Linie... hier.«
    »Wie ist die Vergrößerung?«, fragte ich.
    »Das Dreieck misst etwa eins Komma zwei Meter an der längsten Seite«, entgegnete die Stimme, die ich von meinem Komlog noch so gut kannte.
    »Ziemlich kleines Gebäude, wenn Menschen darin leben sollen«, stellte ich fest. »Nein, nein«, sagte das Schiff. »Das ist nur das Stück eines von Menschenhand geschaffenen Bauwerks, das unter einem Felsüberhang herausragt. Ich würde vermuten, dass der gesamte so genannte Tempel, der in der Luft hängt, sich unter diesem Überhang befindet. Der Fels ist an dieser Stelle mehr als vertikal... er ist sechzig bis achtzig Meter einwärts geneigt.«
    »Kannst du uns eine Seitenansicht zeigen? Damit ich den Tempel sehen kann?«
    »Könnte ich«, sagte das Schiff. »Das würde allerdings bedeuten, dass ich uns in einen nördlicheren Orbit bringe, damit ich das Teleskop benutzen kann, um über den Gipfel des Heng Shan zu sehen, und ich müsste auf Infrarot schalten, um durch die Wolkenmasse in achttausend Metern Höhe zu schauen, die zwischen dem Gipfel und dem Grat des Massivs dahinzieht, wo der Tempel erbaut ist, darüber hinaus müsste ich...«
    »Vergiss es«, sagte ich. »Richtstrahl auf das Gebiet um den Tempel...
    verdammt, das gesamte Massiv... mal sehen, ob Aenea uns erwartet.«
    »Welche Frequenz?«, fragte das Schiff.
    Aenea hatte keine Frequenz erwähnt. Sie hatte nur etwas davon gesagt, dass man nicht im eigentlichen Sinne landen könne, ich aber trotzdem zum Hsuan-k’ung Ssu herunterkommen solle. Als ich diese vertikale und schlimmer-als-vertikale Wand aus Schnee und Eis sah, wurde mir allmählich klar, was sie meinte.
    »Sende auf der gemeinsamen Frequenz, auf der wir gesendet hätten, wenn du eine Komlog-Außenstelle anfunken würdest«, sagte ich. »Wenn du keine Antwort bekommst, gehst du sämtliche Frequenzen durch, die du hast. Du könntest es mit den Frequenzen versuchen, die du vorhin aufgefangen hast.«
    »Sie kamen vom südlichsten Quadranten der westlichen Hemisphäre«, sagte das Schiff mit geduldiger Stimme. »Ich habe keine Mikrowellensignale von dieser Hemisphäre empfangen.«
    »Tu es einfach, bitte«, sagte ich.
    Wir blieben eine halbe Stunde dort, überzogen das Massiv mit Richtstrahl und sendeten danach allgemeine Funksignale zu sämtlichen Gipfeln der Gegend, worauf wir die gesamte Hemisphäre mit knappen Anfragen überzogen. Es kam keine Antwort.
    »Kann es tatsächlich eine bewohnte Welt geben, wo niemand Funkgeräte benutzt?«, fragte ich.
    »Natürlich«, antwortete das Schiff. »Auf Ixion verstößt es gegen Gesetze und Bräuche, Mikrowellenkommunikation jeglicher Form...«
    »Okay, okay«, sagte ich. Ich fragte mich zum tausendsten Mal, ob es eine Möglichkeit gab, diese autonome Intelligenz neu zu programmieren, damit sie nicht gar so eine Nervensäge war. »Bring uns runter«, sagte ich.
    »Zu welchem Ziel?«, sagte das Schiff. »Es gibt größere bewohnte Gebiete auf dem hohen Gipfel im Osten – T’ai Shan heißt er auf meiner Karte
    – sowie eine weitere Stadt im Süden, auf dem K’un-Lun-Massiv, die, glaube ich, Hsi wang-mu heißt, und weitere Siedlungen auf dem Phari-Massiv und westlich von dort in einem Gebiet, das als Koko Nor ausgewiesen ist. Außerdem...«
    »Bring uns zum Tempel, der in der Luft hängt«, sagte ich.
    Glücklicherweise war das Magnetfeld des Planeten den EM-Repulsoren des Schiffs angemessen, daher schwebten wir durch die Atmosphäre und mussten nicht auf dem Schweif einer Fusionsflamme sinken. Ich ging auf den Balkon, um mich umzuschauen, auch wenn die Holonische oder die Bildschirme im oberen Schlafzimmer praktischer gewesen wären.
    Es schien Stunden zu dauern, aber tatsächlich schwebten wir schon nach Minuten in rund achttausend Metern Höhe zwischen dem fantastischen Gipfel im Norden – Heng Shan – und dem Massiv mit dem Hsuan-k’ung Ssu.
    Ich hatte den Terminator beim Sinken nach rechts wandern sehen, und dem Schiff zufolge war es hier gerade später Nachmittag. Ich nahm ein Fernglas mit auf den Balkon hinaus und sah hindurch. Den Tempel konnte ich deutlich sehen. Ich konnte ihn sehen, aber ich konnte kaum glauben, was ich sah.
    Was anfangs wie das Zusammenspiel von Licht und Schatten unter den immensen gerieften, überhängenden Granitplatten ausgesehen hatte, entpuppte sich als Reihe von Gebäuden, die sich viele Hunderte Meter nach Osten und Westen erstreckten.
    Ich konnte den asiatischen Einfluss sofort erkennen: pagodenförmige

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