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Endymion - Pforten der Zeit & Die Auferstehung

Titel: Endymion - Pforten der Zeit & Die Auferstehung Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Dan Simmons
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lernst, wirst du sehen, dass ich keine Eingeborene bin. Die meisten Menschen in dieser Region sind chinesischer, tibetanischer oder sonst wie zentralasiatischer Abstammung.«
    »Woher kommst du?«, fragte ich unverblümt und hörte mich selbst in meinen Ohren unhöflich an.
    »Ich wurde auf Barnards Welt geboren«, sagte sie. »Ein hinterwäldlerischer Bauernplanet. Maisfelder und Wälder und lange Abende und ein paar gute Universitäten, aber sonst nicht viel.«
    »Ich habe davon gehört«, sagte ich. Was meinen Argwohn vertiefte. Die
    »guten Universitäten«, die zu Zeiten der Hegemonie den Ruhm von Barnards Welt begründet hatten, waren längst in Kirchenakademien und Seminare umgewandelt worden. Plötzlich verspürte ich den Wunsch, die nackte Brust dieser jungen Frau zu sehen – ich meine, ob eine Kruziform dort war. Ich hätte nur zu leicht das Schiff wegschicken und in eine Falle des Pax laufen können. »Wo hast du Aenea kennen gelernt?«, fragte ich.
    »Hier?«
    »Nein, nicht hier. Auf Amritsar.«
    »Amritsar?«, fragte ich. »Nie gehört.«
    »Das ist nicht ungewöhnlich. Amritsar ist eine marginale Solmev-Welt weit draußen im Outback. Sie wurde erst vor einem Jahrhundert besiedelt –
    Flüchtlinge eines Bürgerkriegs auf Parvati. Ein paar tausend Sikhs, ein paar tausend Sufi fristen dort ein karges Dasein. Aenea wurde angeheuert, um ein Gemeindezentrum in der Wüste zu entwerfen, und ich heuerte an, um die Vermessungen durchzuführen und die Bauarbeiter anzutreiben. Seitdem bin ich bei ihr.«
    Ich nickte, immer noch zögernd. Etwas, das nicht ganz Enttäuschung war, erfüllte mich und brodelte wie Wut, aber nicht so klar und deutlich; es grenzte an Eifersucht. Aber das war absurd. »A. Bettik?«, fragte ich, und mich überfiel plötzlich die Eingebung, dass der Androide in den vergangenen fünf Jahren gestorben war. »Ist er...«
    »Er ist gestern zu unserem zweiwöchentlichen Einkaufstrip zum Marktplatz von Phari aufgebrochen«, sagte die Frau namens Rachel. Sie berührte mich am Oberarm. »A. Bettik geht es gut. Er müsste heute Abend bei Mondaufgang wieder hier sein. Komm mit. Hol deine Sachen. Sag dem Schiff, dass es sich auf dem dritten Mond verstecken soll. Du wirst dir all das lieber von Aenea erzählen lassen.«
    Am Ende nahm ich wenig mehr als Kleidung zum Wechseln, feste Schuhe, mein kleines Fernglas, ein kleines Messer samt Scheide, eine Lasertaschenlampe, die Hautanzüge und Atemgeräte und ein handtellergroßes Komlog-Tagebuch aus dem Schiff mit. Das alles stopfte ich in einen Rucksack, hüpfte die Stufen zur Wiese hinunter und sagte dem Schiff, was es tun sollte. Mein Anthropomorphisieren hatte ein Ausmaß erreicht, dass ich annahm, das Schiff würde mürrisch auf die Vorstellung reagieren, wieder in den Winterschlafmodus zu gehen – diesmal obendrein auf einem luftleeren Mond –, aber das Schiff bestätigte den Befehl, schlug vor, dass es sich einmal täglich via Richtstrahl melden wollte, um sicherzustellen, dass die Kom-Einheit funktionierte, und dann schwebte es auf und davon, schrumpfte zu einem Pünktchen und verschwand wie ein Ballon, dessen Schnur durchgeschnitten worden war.
    Rachel gab mir eine Woll -Chuba, die ich über meine Thermojacke ziehen konnte. Mir fiel der Nylonharnisch auf, den sie über Jacke und Hose trug, die Kletterausrüstung aus Metall, die an den Laschen hing, und ich fragte nach.
    »Aenea hält im Tempel einen Harnisch für dich bereit«, sagte sie und schüttelte das Zubehör an der Schlinge. »Dies ist die am höchsten entwickelte Technologie auf diesem Planeten. Die Metallarbeiter in Potala fordern und erhalten einen königlichen Lohn für dieses Zeug – Steigeisen, Flaschenzüge, klappbare Eisbeile und Eishämmer, Klampen, Karabinerhaken, Eisschrauben, Pickel, Vogelschnäbel, was du willst.«
    »Werde ich es brauchen?«, fragte ich zweifelnd. In der Heimatgarde hatten wir einige Grundregeln des Eiskletterns gelernt – Abseilen, Manövrieren in Gletscherspalten, Dinge dieser Art –, und als ich mit Avrol Hume auf dem Schnabel gearbeitet hatte, hatte ich das angeseilte Klettern im Steinbruch geübt, aber was das richtige Bergsteigen anbetraf, da hatte ich meine Zweifel. Ich mochte große Höhen nicht.
    »Du wirst es brauchen, aber du wirst dich schnell daran gewöhnen«, versicherte mir Rachel und setzte sich in Bewegung, sprang über die Steine und lief leichtfüßig den Pfad zum Klippenrand entlang.
    Der zehn Klick lange Fußmarsch an der steilen

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