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Ferne Ufer

Titel: Ferne Ufer Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Diana Gabaldon
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gellenden Schrei aus, da die abrupte Bewegung seinen verwundeten Arm erschüttert hatte.
    »O mein Gott, Herr im Himmel, allmächtiger Vater!« Unter Stöhnen beugte er sich vor und griff sich an den linken Arm. »Du bist es tatsächlich! Verdammte stinkende Teufelshölle! Herrje!«
    »Ist mit dir alles in Ordnung?« fragte ich töricht. Durch die Holzdielen drang gedämpftes Geschrei aus dem oberen Stockwerk, gefolgt von den polternden Schritten der Hausbewohner, die sich erhoben hatten, um der Ursache des Aufruhrs auf den Grund zu gehen. Jennys Kopf erschien in der Tür. Als Jamie sie sah, gelang es ihm, »Hinaus!« zu brüllen, bevor er sich keuchend vor Schmerzen wieder zusammenkrümmte.
    »Himmel«, stieß er zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. »Was in Gottes Namen tust du hier, Sassenach?«
    »Was meinst du damit?« gab ich zurück. »Du hast nach mir geschickt. Und was soll das heißen, ich sei es tatsächlich?«
    Vorsichtig nahm er die Hand von seinem linken Arm. Doch das half offenbar nicht, denn er umklammerte ihn erneut und stieß eine Anzahl französischer Flüche aus, die sich mit den Fortpflanzungsorganen diverser Heiliger und Tiere befaßten.
    »Um Gottes willen, leg dich hin!« befahl ich ihm und drückte ihn zurück in die Kissen.
    »Ich dachte, du wärst ein Fiebertraum!« keuchte er. »Was denkst du dir eigentlich dabei - tauchst neben meinem Bett auf und erschreckst mich fast zu Tode.« Sein Gesicht war schmerzverzerrt. »Meine Güte, es ist, als würde mir der Arm abfallen. Aua, verdammt!« schrie er, als ich entschlossen seine Finger von seinem Arm nahm.
    »Hast du Ian denn nicht hinter mir her geschickt, um mich wissen zu lassen, daß du im Sterben liegst?« fragte ich und rollte rasch den Ärmel seines Nachthemds auf. Der Arm war oberhalb des Ellbogens dick bandagiert.
    »Ich? Nein! Aua, das tut weh.«
    »Es wird noch mehr weh tun«, gab ich zurück, während ich den Verband behutsam abwickelte. »Soll das heißen, der kleine Teufel ist mir von sich aus nachgeritten? Du hast also gar nicht gewollt, daß ich zurückkomme?«

    »Ob ich gewollt habe, daß du aus Mitleid zurückkommst, als wäre ich ein räudiger Hund? Heiliger Vater! Nein! Ich habe dem kleinen Bastard verboten, dich zu suchen.« Wütend blickte er mich an.
    »Ich bin Humanmedizinerin«, sagte ich kalt, »keine Tierärztin. Wenn du nicht gewollt hast, daß ich zurückkomme, was sollte dann das Gerede vorhin? Beiß in die Decke, das Ende des Verbands ist festgeklebt. Ich muß es losreißen.«
    Er tat nicht wie empfohlen, sondern biß sich auf die Lippe. Im Schein des Feuers ließ sich seine Gesichtsfarbe zwar nicht erkennen, aber er schloß die Augen, und seine Stirn war schweißbedeckt.
    Ich wandte mich einen Augenblick ab, um in Jennys Schreibtischschublade nach Kerzen zu suchen. Bevor ich Jamie weiter untersuchte, brauchte ich mehr Licht.
    »Vermutlich hat Ian mir nur erzählt, du würdest sterben, um mich dazu zu bringen, mit ihm zurückzureiten.« Da waren sie, echte Wachskerzen, von den Bienen von Lallybroch.
    »Falls es dich interessiert, ich sterbe wirklich«, sagte er trocken.
    Leicht erstaunt drehte ich mich zu ihm um. Er blickte mich ganz ruhig an. Sein Arm schmerzte ihn offensichtlich nicht mehr so stark. Aber sein Atem kam immer noch stoßweise, und seine Augen glänzten fiebrig. Ich antwortete nicht sofort, sondern zündete erst die Kerzen an und steckte sie in den großen Kandelaber an der Anrichte, der nur zu besonderen Anlässen genutzt wurde. Im Raum sah es aus, als gäbe es gleich eine Party. Sachlich beugte ich mich über das Bett.
    »Dann laß mich mal sehen.«
    Die Wunde ähnelte einem gezackten dunklen Loch, das an den Rändern leicht verschorft und bläulich verfärbt war. Mit leichtem Druck wanderte mein Finger über die umliegende Haut. Sie war rot und stark entzündet und darüber hinaus voller Eiter. Jamie wand sich unruhig hin und her, als meine Fingerspitzen den Muskel abfühlten.
    »Du hast eine hübsche Infektion, mein Lieber«, erklärte ich. »Ian sagte, der Schuß hätte dich in die Seite getroffen. War das ein zweiter Schuß, oder hat sich die Kugel durch den Arm gebohrt?«
    »Sie hat sich durchgebohrt. Jenny hat sie mir aus der Seite entfernt.
War aber nicht so schlimm. Sie saß nicht tief.« Er sprach abgehackt und preßte zwischen den Sätzen die Lippen unwillkürlich zusammen.
    »Laß mal sehen.«
    Langsam drehte er die Hand und den Arm nach außen. Selbst diese kleine Bewegung

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