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Feuergipfel

Titel: Feuergipfel Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Elizabeth Lowell
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knarrend und quietschend vor ihnen.
    »So, und jetzt schaff mir diesen gescheckten Gaul aus dem Weg«, sagte Hunter. »Ich habe wichtigere Dinge zu tun, als mich mit koketten Damen zu unterhalten.«
    Elyssa musterte Hunter einen langen, angespannten Moment lang. Sein Ausdruck ließ keinerlei Nachgiebigkeit erkennen, keinen Hinweis darauf, daß er schließlich doch noch einlenken und aufgrund ihrer Angst um Bill etwas unternehmen würde.
    Na schön, sagte sie sich trotzig. Dann werde ich es eben selbst tun.
    Sie ignorierte das offene Tor und trieb Leopard auf den breiten, mit Gebüsch verstärkten Korralzaun zu. Der Hengst nahm ihn mit einem kraftvollen Sprung und ließ Hunter fluchend im Staub zurück.

15
    Auf Zehenspitzen und mit angehaltenem Atem schlich Elyssa die Treppe hinunter. Bei jedem Schritt des Weges flehte sie innerlich, daß der vom Zureiten der Mustangs erschöpfte Hunter wie ein Stein schliefe ...
    ... oder - falls er doch aufwachte - das Knarren und Ächzen der Treppe irrtümlich für die Klagen des Hauses über den feucht-kalten Bodennebel halten würde, der in die Holzwände eindrang.
    Bei dem Gedanken, Hunter gegenüberzutreten, nachdem er sie in dem Busch-Korral derart beleidigt und in ihrem Stolz gekränkt hatte, überlief es Elyssa heiß und kalt zugleich.
    Denk einfach nicht an ihn und daran, daß die Männer in der
    Schlafbaracke über dich lachen. In Anbetracht dessen, was mit der Ladder S passiert, sind alles andere nur kleine Fische.
    Aber Elyssa legte dennoch keinen Wert darauf, Hunter zu begegnen. Sie wußte nicht, ob sie ihn dann einfach ignorieren oder ihre Flinte heben und erleben würde, wie ihm der kalte Angstschweiß ausbrach.
    Die letztere Vorstellung hatte etwas ausgesprochen Reizvolles.
    Denk nicht an Hunter.
    Erst nachdem sie die Küchentür leise hinter sich geschlossen hatte, entspannte Elyssa sich wieder - Gott sei Dank war sie ihrem scharfzüngigen Wächter entkommen.
    Sie eilte über die offene Fläche zwischen dem Haus und dem Stallgebäude. Ein großer, kürbisgelber Mond hing tief am Nachthimmel. Es waren nur wenige hohe Wolken zu sehen, Überreste eines abendlichen Gewitters. Trotz seiner Größe spendete der Mond nur spärlich Licht. Was immer an Helligkeit zur Erde drang, wurde von den dichten Nebelschwaden aufgesogen, die tief über dem Boden wallten und jede Vertiefung, Furche und Bodensenke füllten.
    Etwas Kaltes stupste Elyssa am Finger. Sie unterdrückte einen Aufschrei und blickte hinunter.
    Vixen schaute zu ihr auf und wedelte hoffnungsvoll mit dem Schwanz.
    »Nein«, flüsterte Elyssa. »Geh wieder zurück und bewache den Stall.«
    Vixen legte den Kopf schief, zögerte einen Moment und trottete dann ergeben zurück.
    Elyssa blickte zu der Schlafbaracke hinüber. Weiße Nebelfetzen tanzten wie silbrige Flammen in einem schwachen Wind. In den Fenstern war nirgendwo ein Lichtschimmer wahrzunehmen, nicht einmal bei Gimp.
    Mit raschen Schritten ging Elyssa zum Stall hinüber, sattelte Leopard und ritt in Richtung Wind Gap. In ihrem schwarzen Reitkostüm, einer dunklen Jacke, die einmal Mac gehört hatte, und mit dem schwarzen Schal, der ihr helles Haar verhüllte, war sie selbst in den Lücken zwischen einzelnen Nebelschwaden nur sehr schwer zu erkennen.
    Und im Dunst selbst war sie praktisch unsichtbar.
    Elyssa hatte noch niemals so lange für den Weg zu Bills Ranch gebraucht. Zusätzlich zu dem Nebel nutzte sie jede verfügbare Deckung, um ihren einsamen Ritt durch die Nacht geheimzuhalten.
    Man konnte unmöglich wissen, ob die Culpeppers nicht einen ihrer Männer auf dem Grat über Wind Gap postiert hatten.
    Wie Elyssa gehofft hatte, wurde der Nebel dichter, sobald sie Wind Gap hinter sich gelassen hatte. Aber die Erfahrung sagte ihr, daß sich die Schleier kurz nach Tagesanbruch auflösen würden. Bis dahin mußte sie wieder auf der Ranch sein.
    Und zwar mit Bill Moreland!
    Sie fürchtete sich vor dem, was passieren würde, wenn Hunter Bill mit einem Gewehr in der Hand begegnen würde.
    Was genau ist es, was dir an diesem küheklauenden, pferdestehlenden, Culpepper-liebenden Sohn einer räudigen Hündin Sorgen macht?
    Es schauderte sie bei der Erinnerung an den Ausdruck, den sie in Hunters Augen gesehen hatte, als er vor ein paar Tagen auf Ab Culpepper zielte.
    Blanker Haß.
    Eine Kugel in den Kopf kann er haben!
    Elyssa hatte Angst, daß Hunter Bill sofort erschießen würde, genauso wie er mit vierbeinigem Ungeziefer verfahren würde, das ein Kalb

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