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Fiebertraum

Fiebertraum

Titel: Fiebertraum Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: George R.R. Martin
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nicht, etwas zu sein, das wir nicht sind, was wir niemals sein sollten. Ich verachte die Schwachen, die Wechselbälge, die sich so sehr hassen, daß sie unter dem Zwang stehen, vorzugeben, sie seien etwas anderes. Sie empfinden genauso.«
    »Das tue ich nicht.«
    »Nein? Warum hassen Sie Sour Billy sosehr?«
    »Er ist nichtswürdig.«
    »Natürlich ist er das!« Julian wirkte überaus amüsiert. »Der arme Billy ist schwach und giert danach, stark zu sein. Er täte alles, um zu meinem Volk zu gehören. Wirklich alles. Ich habe andere gekannt wie ihn, viele andere. Sie sind nützlich, oftmals unterhaltsam, aber niemals liebenswert. Sie verachten Billy, weil er unsere Rasse imitiert und sich an Ihren eigenen Leuten vergreift, Captain Marsh. Der liebe Joshua empfindet genauso und begreift nicht, daß er in Billy sozusagen sein Ebenbild vor sich hat.«
    »Joshua und Billy Tipton sind sich in nichts gleich«, sagte Marsh mit Nachdruck. »Billy ist verschlagen wie ein Wiesel. Joshua hat vielleicht einige schlimme Dinge getan, aber er versucht, sie wiedergutzumachen. Er hätte euch allen geholfen.«
    »Er hätte uns zu dem gemacht, was Sie sind, Captain Marsh, Ihre eigene Nation ist sich in der Frage der Sklaverei schrecklich uneins, einer Sklaverei, deren Basis einzig und allein die Rasse ist. Angenommen, Sie könnten das beenden. Angenommen, Sie wüßten eine Methode, wie Sie über Nacht jeden Weißen pechschwarz machen können. Würden Sie es tun?«
    Abner Marsh machte ein finsteres Gesicht. Ihm gefiel die Vorstellung, plötzlich pechschwarz zu sein, überhaupt nicht, aber er erkannte, worauf Julian hinauswollte, und in diese Richtung wollte er eigentlich auch nicht. Daher schwieg er.
    Damon Julian trank seinen Wein und lächelte. »Aha«, sagte er, »Sie begreifen. Sogar Ihre Abolitionisten geben zu, daß die farbigen Rassen minderwertig sind. Sie würden keinen Sklaven dulden, der so zu tun versucht, als sei er weiß, und sie wären entrüstet, wenn ein Weißer aufgefordert würde, ein Elixier zu trinken, das ihn schwarz färbte. Ich habe dieses Sklavenkind nicht aus Bosheit getötet, Captain Marsh. Ich habe es getan, um Joshua zu treffen, den lieben Joshua. Er ist wunderschön, aber er stößt mich ab.
    Sie sind ein ganz anderer Fall. Haben Sie wirklich Angst gehabt in jener Nacht im August, daß ich Ihnen etwas antun würde? Oh, vielleicht hätte ich das auch getan in meiner Qual und meiner Raserei. Aber nicht vorher. Was mich anzieht, das ist Schönheit, Captain Marsh, und damit können Sie nicht aufwarten.« Er lachte. »Ich denke nicht, daß ich jemals einen häßlicheren Mann gesehen habe. Sie sind widerwärtig, strotzen vor Fett, sind mit rauhem Haar und Warzen bedeckt, Sie stinken nach Schweiß, Sie haben eine flache Nase und Schweinsaugen, Ihre Zähne sind schief und fleckig. Sie könnten in mir genausowenig den roten Durst wecken wie Sour Billy. Doch Sie sind stark, und Sie haben geradezu tollkühnen Mut, und Sie kennen Ihren Standort, Ihren Wert. das alles bewundere ich. Sie können auch ein Dampfschiff führen. Captain, wir sollten keine Feinde sein. Kommen Sie zu mir. Führen Sie für mich die Fiebertraum .« Er lächelte. »Oder wie immer es jetzt gerade genannt wird. Billy beschloß, daß es einen neuen Namen bekommen müsse, und Joshua hat irgendwo einen Namen gefunden. Sie können das alles wieder rückgängig machen, wenn es nicht den richtigen Namen für Ihren Geschmack trägt.«
    » Sie «, sagte Marsh.
    Julian runzelte die Stirn.
    »Ein Schiff ist immer eine Sie und kein Es «, knurrte Marsh.
    »Aha«, meinte Damon Julian.
    »Billy Tipton führt dieses Schiff doch, oder nicht?«
    Julian hob die Schultern. »Billy ist Aufseher, kein Flußschiffer. Billy kann ich jederzeit verschmerzen. Wollen Sie das, Captain? Soll ich ihn wegjagen? Das wäre Ihre erste Belohnung, wenn Sie sich zu mir gesellen. Billys Tod. Ich werde ihn für Sie töten, oder Sie tun es selbst. Er hat Ihren Maat getötet, müssen Sie wissen.«
    »Hairy Mike?« fragte Marsh und spürte einen eisigen Hauch in den Gliedern.
    »Ja«, sagte Julian, »und Ihren Maschinisten ebenfalls, ein paar Wochen später. Er erwischte ihn dabei, wie er die Kessel zu beschädigen versuchte, damit sie explodieren. Wollen Sie Ihre Leute rächen? Es liegt in Ihrer Macht.« Julian beugte sich vor und sah ihn eindringlich an, wobei seine dunklen Augen erregt funkelten. »Sie können auch noch andere Dinge bekommen. Reichtum. Ich habe dafür nichts

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