Fifth Avenue--Ein Thriller (German Edition)
Rücken zur Fahrtrichtung. Sie trug ein knielanges schwarzes
Chanel-Kostüm, die Diamantenbrosche, die sie von Eric in der Nacht des
Überfalls geschenkt bekommen hatte, sowie ein dazu passendes diamantenbesetztes
Tennisarmband, ebenfalls von Eric.
Die
Beine in den schwarzen Strümpfen hatte sie übereinander geschlagen. Weil sein
Bein ausgestreckt in einem Gips steckte, musste Eric schräg auf dem Platz ihr
gegenüber sitzen. Seit man ihn aus dem Rollstuhl gehoben und in den Wagen
hinein gesetzt hatte, hatte Diana ihn nicht mehr angeschaut; es hatte auch kein
Gespräch zwischen den beiden gegeben, nachdem die Tür hinter ihnen ins Schloss
gefallen war.
Seit
ihrer Ankunft an diesem Morgen war sie abweisend zu ihm gewesen.
„Stimmt
etwas nicht?” fragte Eric. Er wusste, dass sie auf Anastassios Fondaras’ Party
gewesen war und fragte sich, ob dort etwas vorgefallen sei. Celina, George und
Elizabeth waren dort gewesen.
„Es
ist alles in Ordnung,” sagte Diana.
„Warum
unterhältst du dich dann nicht mit mir?”
„Das
willst du nun wirklich nicht wissen, Eric.”
Du dummes Weib. „Doch, ich will es wissen.”
„Dann
besprechen wir das später – nicht hier.”
Die
Limousine verließ das Krankenhausareal.
Eric
wandte sich von ihr ab und schaute aus dem Fenster. Besonders heute hatte er
keine Lust, sich mit einer launischen Frau abzugeben. Erst vor einer Stunde
hatte er erfahren, dass er – da er nicht mehr bei Redman International
beschäftigt war – auch nicht länger durch die Firma krankenversichert war
und somit sämtliche medizinische Kosten selbst zu tragen hatte. Dieser Betrag
hatte bereits eine sechsstellige Zahl überschritten und würde gewiss noch
weiter ansteigen, wenn man die Monate der Rehabilitation hinzuaddierte, die
jetzt vor ihm lagen. Obgleich Geld für ihn im Augenblick kein Problem
darstellte, brachte ihn die Vorstellung, für etwas zahlen zu müssen, das George
Redmans Tochter verursacht hatte, zur Weißglut.
Die
Limousine fuhr auf die Fünfte zu. Eric beobachtete, wie Männer und Frauen und
Kinder die Straßen und Avenuen entlangspazierten, wie sie ihre Hunde an
neonfarbigen Rolleinen führten, wie sie mit iPods joggten, die sie an ihren
Hosenbund geklemmt hatten.
Er
ließ ein Fenster herunter und atmete die Gerüche der Stadt ein. Bald würde er
wieder auf dem Posten sein. Die Stadt würde wieder ihm gehören, und er wäre
wieder ganz oben – nur diesmal ohne das Prestige, das Redman
International verlieh.
Als
sie in die Fünfte einbogen, griff Diana in ihre Tasche, zog ihr Mobiltelefon
hervor und begann, Nummern einzugeben. „Ich rufe im Redman Place an und stelle
sicher, dass keine ungeladenen Gäste auf uns warten,” sagte sie.
Eric
sah sie an. „Ich dachte, du hättest dich schon um die Presse gekümmert.”
„Das
habe ich,” sagte Diana. „Darum hat uns auch niemand am Krankenhaus begrüßt.
Aber manches kann schiefgehen, Eric, und deshalb rufe ich jetzt an, weil ich
mich vergewissern möchte, dass alles in Ordnung ist.”
Von mir aus. Eric sah wieder aus dem Fenster. Er wollte
jetzt nur nach Hause, ein kaltes Bier aus dem Kühlschrank nehmen und in sein
eigenes Bett kriechen. Im Moment war ihm die Presse völlig egal. Er war
vielmehr mit dem Gedanken beschäftigt, dass er vielleicht Celina oder George
sehen könnte, während er durch die Lobby rollte. Er könnte Krücken benutzen,
aber die waren so unhandlich, dass er sich auf ihnen eher wie ein Krüppel
vorkam als im Rollstuhl.
Eric
wollte nicht schwach erscheinen, sollte er George oder Celina begegnen.
Diana
beendete ihr Gespräch. Sie sah zum Fenster hinaus. Eric beobachtete sie –
etwas in ihren Zügen war verändert. Die Finger ihrer rechten Hand spielten mit
der Brosche, die er einst Celina geschenkt hatte.
„Was
ist los?” fragte er.
„Es
gibt ein Problem.”
„Was
für ein Problem? Ist die Presse da?”
„Mit
der Presse hat das nichts zu tun.”
„Was
ist es denn?”
Sie
holte tief Luft und stieß alles auf einmal heraus. Die Verärgerung, die er
zuvor in ihr gespürt hatte, schien nun einer Gefühlsregung Platz gemacht zu
haben, die er nicht näher bestimmen konnte.
„Diana
–“
„Es
ist dein Apartment,” sagte sie.
* * *
Vor
dem Wasserrohrbruch war das Apartment wegen seiner Aussicht auf den Central
Park eines der meistgesuchten in Manhattan. Es war Millionen wert. Seine
Sammlung von Gemälden, antikem Mobiliar und Skulpturen, die er anonym auf
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