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Finnisches Inferno: Kriminalroman (Arto Ratamo ermittelt) (German Edition)

Finnisches Inferno: Kriminalroman (Arto Ratamo ermittelt) (German Edition)

Titel: Finnisches Inferno: Kriminalroman (Arto Ratamo ermittelt) (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Taavi Soininvaara
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schien es so, als habe sich die Situation noch verschlimmert, nachdem der ehemalige KGB-Agent Wladimir Putin in Russland die Zügel in die Hand genommen hatte.
    Ketonen überlegte, ob FAPSI, der Telekommunikationsdienstder russischen Regierung, in die Dateien von DataNorth eingebrochen war. Ein kleines Land wie Finnland besaß nicht die Möglichkeiten, dem Aufklärungspotential solch einer großen Organisation etwas entgegenzusetzen. FAPSI verfügte für die Übermittlung und Sammlung von Daten über ein eigenes Satellitennetz. In seiner Heimat durfte der Dienst ganz legal Industriespionage betreiben: Er war berechtigt, den elektronischen Kommunikationsverkehr der russischen Unternehmen und sogar die Internetanschlüsse von Privatpersonen zu überwachen. Ketonen nahm sich jedoch vor, den Russen nichts vorzuwerfen, solange es keinen Anlass dafür gab.
    Vom Skilaufen am Vortag waren seine Rückenschmerzen stärker geworden, deswegen machte er ein paar Dehnübungen, die er aus einem Yogabuch gelernt hatte. Dabei war ihm allerdings der Rettungsring um die Taille im Wege. Yoga entspannte seinen Rücken besser als Massage und war auch billiger. Im Geiste dankte er seinem Nachbarn. Reiska hatte ihm im letzten Sommer geraten, mit ihm einen Yogakurs zu besuchen, den Studenten der TH organisierten. Damals war Ketonens Bandscheibenvorfall gerade schlimmer und äußerst schmerzhaft geworden. Er hatte das aber strikt abgelehnt. Der Chef der SUPO konnte sich nicht bei Zeremonien obskurer fanatischer Vegetarier sehen lassen. Reiska hatte ihm jedoch ein paar Übungen beigebracht, und die waren so wirkungsvoll gewesen, dass er ein von seinem Nachbarn empfohlenes Yogabuch gekauft hatte. Allmählich wurde er zu einem Experten für Iyengar-Yoga.
    Ketonen hatte gelernt, sich auf seinen Instinkt zu verlassen, der sich in über dreißig Jahren Polizeiarbeit entwickelt hatte und ihm jetzt sagte, dass etwas wirklich Großes im Gange war. Er fürchtete, dass es tatsächlich so war – und gleichzeitig hoffte er es. Seine Abende verbrachte der Witwer am liebsten miteinem anspruchsvollen Fall. Urplötzlich fiel ihm etwas ein, und er sprang so ungestüm auf, dass Musti in ihrem Korb zusammenzuckte.
    Arto Ratamo konnte Vietnamesisch!

5
     
    Irina Iwanowa lächelte, als die schwarze Dame auf d5 rückte. Mit ihrer königsindischen Angriffstaktik hätte sie ihren Gegner nach ein paar Zügen matt setzen können. Tang Wenge, Handelsattaché der chinesischen Botschaft in Finnland, war ein erbärmlicher Schachspieler. Er beherrschte nur die sizilianische Verteidigung. Doch im Xiangqi, dem chinesischen Schach, sei er ein Meister, behauptete Tang. Das bezweifelte Irina, denn der Mann machte nicht den Eindruck, als wäre er eine große Leuchte. Es war halb eins, Grund zur Eile bestand nicht. Sie warteten in Tangs Dienstwohnung in Oulunkylä auf neue Nachrichten zum Fall Inferno. Irina hatte sich geweigert, in die chinesische Botschaft zu kommen, weil sie vermutete, dass die SUPO das Gebäude schon bald überwachen lassen würde wie ein Sultan seinen Harem.
    Tang Wenge konzentrierte sich ganz auf die Jiaozi, die er gierig verschlang. Er hatte den Küchenchef der Botschaft gebeten, ihm schon jetzt das spezielle Essen für das chinesische Neujahrsfest zuzubereiten, obwohl das erst in zwei Wochen, am 12. Februar, gefeiert wurde. Das Jahr 4700, ein Jahr des Pferdes, würde für ihn ein gutes werden: Da er 1954 geboren war, stand er von seinem Horoskop her im Zeichen des Pferdes.
    In Helsinki gab es den ersten brisanten Aufklärungsfall, seit Tang Chef der Filiale von Guoanbu in Finnland war. Der Chinese wirkte nervös. Er fürchtete, es könnte ein Fehler gewesensein, dass er im Sommer 2000 zwei Russen angeworben hatte, die neben anderen Agenten von der Abteilung des SVR in Helsinki entlassen worden waren. Er hatte Irina Iwanowa und Gennadi Protaschenko als Mitarbeiter ausgewählt, weil sie einigermaßen Finnisch sprachen, das Land, die Sitten und Gebräuche kannten, schon Kontakte besaßen und wie Finnen aussahen. Ein Chinese hingegen fiel in Helsinki immer noch auf wie ein Strauß im Hühnerstall. Guoanbu hatte Filialen in einhundertneunundsiebzig Städten in fünfundfünfzig Ländern, und der größte Teil von ihnen beschäftigte Arbeitskräfte aus dem jeweiligen Land.
    Finnland war ins Visier der Industriespionage von Guoanbu geraten, nachdem Wen Ho Lee, ein Mitarbeiter im Atomlabor von Los Alamos, 1999 wegen der Weitergabe von Informationen über das

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