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Gefaehrten der Finsternis

Titel: Gefaehrten der Finsternis Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Chiara Strazzulla
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Gesicht stand.
    Der Dämon streckte Tyke seinen dürren Arm hin. »Los, steh auf«, befahl er ihm. »Du hast es wenigstens probiert.«
    Tyke spuckte aus und brachte mit letzter Kraft zwei Worte heraus: »Tötet mich!«
    Der Dämon lachte schrill auf. »Wir werden dich nicht töten«, gab er zurück. »Noch nicht. Der Herr der Finsternis will dich lebend.«
    »Ich habe nicht vor, mich meinem Bruder zu unterwerfen«, sagte Tyke mit etwas festerer Stimme. »Er ist ein dreckiger Verräter.«
    »Das geht uns nichts an«, sagte der Dämon, packte Tyke am Arm und zog ihn mit Leichtigkeit hoch, als würde er einen vertrockneten Zweig vom Boden aufheben. »Jetzt kehren wir zum Lager zurück. Und versuche nicht noch einmal wegzulaufen. Du hast ja gesehen, was dann passiert. Beim nächsten Mal sind wir leider gezwungen, dich zu töten.«
    »Dann tötet mich doch!«
    Mit einer überraschenden Bewegung gelang es Tyke trotz aller Erschöpfung und seiner blutenden Wunden, sich loszumachen. Die Krallen des Dämons hinterließen weitere Kratzer auf seiner Hand, aber er achtete nicht darauf, sondern stürzte sich auf die
mageren Beine des Geschöpfes, dorthin, wo der Dämon am verletzlichsten war. Und sein Gegner stolperte tatsächlich und fiel der Länge nach rückwärts hin, wobei er im Fallen noch die Flügel an den Körper zog. Tyke sprang über ihn hinweg. Er hatte ihn mit Sicherheit nicht außer Gefecht gesetzt und da blieben ja noch die anderen drei und der Goblin. Und er war so müde und verwundet!
    Die drei Dämonen versuchten ihn zu packen, aber er konnte durch ihre Beine hindurchschlüpfen. Sie verfolgten ihn bis zu der Stelle, an der der Riesenork zusammengebrochen war. Hinter dem Ork begannen die langen Reihen der Zelte der Untoten, dorthin konnte er auf keinen Fall fliehen. Er lehnte sich an den riesigen reglosen Körper. Und plötzlich fasste er wieder neuen Mut.
    Ja, kein Zweifel, das Herz des Riesen schlug noch.Tyke wusste zwar, dass diese Untiere zäh waren, aber er hätte niemals geglaubt, dass sie eine so schwere Verletzung überleben konnten. Diese Bestie war wohl nur vorübergehend außer Gefecht gesetzt.
    Das weckte einen völlig verrückten Gedanke in ihm: Er musste es irgendwie schaffen, den Ork aufzuwecken.
    Zunächst versuchte er es mit wenig Überzeugung, indem er dem Ork gegen seinen mächtigen Arm trat, aber als einziges Ergebnis tat ihm der eigene Fuß weh. So würde das wohl nicht klappen. Da musste er schon zu drastischeren Maßnahmen greifen. Aber wie schaffte man es, einen bewusstlosen Ork aufzuwecken? Er musste ihm einen starken Schmerz zufügen - und zwar schnell. Die Dämonen kamen immer näher. Ohne groß nachzudenken, hob Tyke einen Stein vom Boden auf und schleuderte ihn mit äußerster Genauigkeit in das rechte Auge des Riesen, aus dem noch Blut von seinem Schwerthieb quoll.
    Diesmal trat die Wirkung unverzüglich ein. Der Ork richtete sich urplötzlich auf, brüllend vor Schmerz und Zorn. Tyke duckte sich schnell hinter einen Felsen, denn wenn der Ork ihn
bemerkte, dann war es um ihn geschehen. Wenn nicht, konnte sein Plan vielleicht aufgehen.
    Die Bestie tobte und stürzte sich auf die Erstbesten, die ihm in den Weg kamen. Und das waren die Dämonen und der Goblin. Letzterer versuchte gleich zu fliehen, aber der Ork zermalmte ihn mit einem einzigen Fußtritt.Tyke sah, wie der Säbel des Goblins fortgeschleudert wurde und nicht weit von seinem Versteck entfernt am Boden aufschlug. Blitzschnell sprang er dorthin, packte ihn und verschwand wieder im Schutz des Felsens. Zumindest hatte er jetzt eine Waffe.
    Er schaute sich an, was weiter geschah. Die Dämonen versuchten verzweifelt, den Ork zu bändigen. Nun griff sogar der dritte von ihnen ein. Er hatte seinen Nebelumhang abgeworfen und Tyke konnte jetzt seine haselnussbraunen Haare sehen. Auf allen vieren kroch Tyke zu dem Umhang und achtete darauf, dass man ihn nicht bemerkte. Als er ihn erreichte, musste er einen Jubelschrei unterdrücken. Dann warf er sich den Umhang über, der zwar definitiv zu groß für ihn war, aber dennoch so gut wie unsichtbar machte. Und er hatte den Säbel des Goblins. Er war zwar verwundet, aber das war jetzt nicht so wichtig.
    Während die Dämonen weiterhin mit dem Riesenork kämpften, rannte Tyke davon. Er machte erst am Abend Rast, als er direkt hinter dem Lager auf einen verlassen daliegenden Platz stieß. Inzwischen war es dunkel geworden; hinter ihm brannten die Lagerfeuer. Dank des Dämonenumhangs hatte er

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