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Gefangene der Sehnsucht

Gefangene der Sehnsucht

Titel: Gefangene der Sehnsucht Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Kris Kennedy
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Kuss hineinkriechen.
    Seine Hand beschrieb einen kühnen Weg hinunter zu ihrer Taille und schob sich unter ihren Umhang, zerrte am zerschlissenen Stoff ihres Kleides, zog ihn fest über ihre Brüste. Es war diese erfahrene männliche Hand, die Eva noch einmal überdenken ließ, auf welch unbekümmerte Weise sie in diese Schenke geraten war und an diesen Mann, der so sonnenleichte Küsse gab.
    Dann, ohne Vorwarnung, ließ er die Hände sinken. Das war alles. Er nahm einfach seine Hände fort und hörte auf, Eva zu berühren.
    Sie fühlte sich, als wäre sie zurückgeschleudert worden.
    Sie zerrte am Oberteil ihres Gewandes. Die Schnürung fühlte sich an, als würde sie sie einengen. Auch die Ärmel waren plötzlich viel zu eng – wer hatte sie gesäumt? Oh, ja. Das war sie gewesen. Der Stoff, alt und abgetragen, kratzte wie Zähne an ihren Handgelenken.
    So viel zu Schenken und Küssen. Sie war mit beidem fertig.
    Jamies steinharter Körper bewegte sich neben ihr. »Sie sind fort.«
    »Das weiß ich«, schaffte sie, pikiert zu murmeln. Dabei hatte sie es gar nicht gewusst.
    Die breiten Schultern, an die sie sich geklammert hatte auf so … so … lüsterne Weise, neigten sich vor, während er zum zweiten Mal aufstand.
    »Ihr werdet hierbleiben«, sagte er grimmig. Seine Stimme klang wieder harsch, seine Augen blickten wieder hart, als hätten sie miteinander nichts geteilt, das so … was auch immer gewesen war. »Ich werde nachschauen, wie die Lage ist.«
    »Und wenn ich nicht ›hierbleiben‹ möchte wie ein Hund, den Ihr zurückgelassen habt?«, fragte sie kalt.
    Er betrachtete sie mit der gleichen Kälte. »Wünscht Ihr, dass ich Euch anbinde? Wie einen Hund?«
    Sie keuchte. »Das würdet Ihr nicht wagen.«
    Er beugte sich vor und schickte seinen gefährlichen, erregenden Atem an ihr Ohr. »Reizt mich nicht zu beweisen, welche furchtbaren Dinge ich tun kann, Eva. Die Ritterlichkeit ist in meinem Herzen vor langer Zeit gestorben. Provoziert mich nicht.«
    Er richtete sich auf und ging zur Tür. Er stieß sie auf, knarrendes Ding, das sie war, und überschaute die Straße wie ein Mann, der eine verlassene Straße überschaute. Er sah ganz und gar nicht wie ein Mann aus, der die Arbeit von Kirchenmännern schätzte.
    Er blickte zurück. »Ich komme wieder.«
    Aber er kam nicht wieder. Weil er es nicht konnte.
    Als er zum Kai ging, schwand seine Wut nach und nach. Evas Kuss hatte ihn so wirkungsvoll gestoppt wie ein Schlag auf den Kopf: Er war einfach zu Boden gegangen.
    Am schlimmsten von allem war, dass er es gewusst hatte. Irgendwo in sich drinnen hatte er gewusst, dass er zu Boden gehen würde. Und ihr Kuss war ihm wichtiger gewesen als seine Beute.
    Seine Wut fiel um einige Grade, bis tief hinunter in das Königreich der Eisberge. Grimmig richtete er seine Gedanken wieder auf das Naheliegende: Peter von London.
    Hol den Priester zurück. Dann mach, dass du wegkommst von der Frau mit den grauen Augen und den Geschichten über sommerglühende Weinberge. Fort von den leichtsinnigen, sinnlichen Küssen, die ihn dazu gebracht hatten, eine Aufgabe zu vergessen. Zum ersten Mal in seinem Leben.
    In Gedanken versunken beobachtete Eva die betrunkenen Engländer, die sich am Tresen lümmelten. Father Peter aus London herauszuschaffen hätte eigentlich eine einfache Angelegenheit sein sollen, eine Sache des Herzens und einiger günstiger Augenblicke. Stattdessen war sie dazu verdammt, hier zu sitzen und zu warten und mit einem gefährlichen Mann zu konspirieren. Einem abwesenden Mann. Sie setzte sich kerzengerade auf. Einem schon viel zu lange abwesenden.
    Er würde nicht zurückkommen.
    Ihr Atem ging plötzlich schneller, und sie versuchte, ruhig durchzuatmen. »Es ist nicht die Zeit für Panik«, murmelte sie, aber schon wollte ihr Bewusstsein davonwirbeln wie ein Kreisel, mitten hinein in all die schrecklichen Auswirkungen des Misserfolgs. In solchen Momenten konnte einem nur der Verstand weiterhelfen, nicht aber die Panik wirbelnder Kreisel. Sie öffnete den Mund und holte tief Luft. Es trocknete ihre Lippen. Denk nach. Denk nach.
    Als sie diese Barbaren das letzte Mal gesehen hatte – als Jamie sich geweigert hatte, ihnen die Augen auszustechen –, hatten sie mit zwei Männern gesprochen, die das wettergegerbte Aussehen von Seeleuten gehabt hatten.
    Der eine Wettergegerbte war fort, aber der andere stand noch dort am Tresen und führte in diesem Moment einen Krug zum Mund. Als Eva sein Benehmen und die Art, wie die

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