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Gesammelte Werke 6

Gesammelte Werke 6

Titel: Gesammelte Werke 6 Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Arkady Strugatsky
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Territorium, das der Dunkelhäutige bewachte, hatten Außerirdische eines benachbarten Universums die Menschen unterjocht. Auch sie hatten die Macht an sich gerissen, eine Feudalordnung errichtet und machten regen Gebrauch vom Recht der ersten Nacht. Die Außerirdischen lebten wie im Schlaraffenland, aber auch für die, die in ihrer Gunst standen, fiel etwas ab. Ungefähr zwanzig Meilen von hier – immer am Graben entlang – lag ein Bezirk, in dem Außerirdische vom Stern Altair die Menschen unterjocht hatten; es handelte sich um vernunftbegabte Viren, die sich im Körper des Menschen ansiedelten und ihm ihren Willen aufzwangen. Und weiter westlich gab es eine große Kolonie der Galaktischen Föderation. Auch dort waren die Menschen unterjocht, lebten aber gar nicht schlecht, zum einen, weil Seine Exzellenz der Statthalter sie schlachtreif mästete, zum anderen, weil er aus ihren Reihen die Leibgarde Seiner Majestät des Galaktischen Imperators A-u MMMDLXII. rekrutierte. Außerdem gab es noch unterjochte Gebiete von vernunftbegabten Parasiten, vernunftbegabten Pflanzen und vernunftbegabten Mineralien sowie Gegenden, die von Kom munisten beherrscht wurden. Hinter den Bergen schließlich lag eine Gegend, die ebenfalls niedergezwungen worden war, doch wusste bisher niemand, von wem. Man erzählte sich verschiedenste Geschichten über diese Gegend, die man jedoch nicht ernsthaft glauben konnte …
    An dieser Stelle wurden wir unterbrochen. Über die Ebene strichen im Tiefflug ein paar tellerförmige Flugobjekte, aus denen Bomben trudelten. »Geht das schon wieder los«, murrte der Dunkelhäutige, legte sich mit den Füßen in Richtung der Detonationen auf die Erde, hob die Maschinenpistole und eröffnete das Feuer auf die am Horizont galoppierenden Kunstreiter. Mit einem Satz war ich draußen, schlug die Tür hinter mir zu, lehnte mich mit dem Rücken dagegen und lauschte dem Pfeifen, Heulen und Krachen der Bomben. Der Pilot und das Mädchen standen, noch immer ins Gespräch vertieft, auf den Stufen des Refrigerators. Der alte Mann, der mittlerweile alle Fische aus dem Aquarium geangelt hatte, betrachtete das Pärchen und wischte sich mit einem Taschentuch die Tränen fort. Ich lugte noch einmal vorsichtig durch die Tür: Die Ebene überzog sich langsam mit den Feuerbällen der Explosionen. Nach und nach klappten die Metalldeckel auf, und blasse, zerlumpte Menschen mit grimmigen, bärtigen Gesichtern und Brechstangen in Händen kamen zum Vorschein. Meinen Gesprächspartner von vorhin hieben gepanzerte Reiter mit langen Schwertern in Stücke, er brüllte und wehrte sie mit der Maschinenpistole ab … Entlang des Grabens sah ich einen großen Panzer mit drei Raupenketten direkt auf mich zufahren und aus Kanonen und Maschinengewehren feuern. Wieder tauchten aus den radioaktiven Wolken tellerähnliche Flugobjekte auf …
    Ich schloss die Tür und schob sicherheitshalber den Riegel vor.
    Dann kehrte ich zu meiner Zeitmaschine zurück und stieg in den Sattel. Ich wollte noch ein paar Millionen Jahre weiterfliegen und mir die von Wells beschriebene sterbende Erde ansehen. Da aber muckte die Zeitmaschine: Die Kupplung ließ sich nicht durchtreten. Ich drückte und drückte und trat dann mit voller Kraft aufs Pedal. Es knackte und knirschte, das sich wiegende Korn stand kopf, und ich kam zu mir. Ich saß auf dem Vorführstand im kleinen Konferenzsaal unseres Instituts, und alle Blicke ruhten auf mir.
    »Was ist mit der Kupplung?«, wollte ich wissen und sah mich suchend um. Die Zeitmaschine war weg. Ich war ohne sie zurückgekehrt.
    »Das ist unwichtig!«, rief Louis Sedlovoi. »Tausend Dank! Sie haben mir sehr geholfen. Es war unglaublich interessant, nicht wahr, Kollegen?«
    Im Auditorium erhob sich zustimmendes Gemurmel.
    »Aber das habe ich doch alles schon mal irgendwo gelesen«, warf einer der Magister in der ersten Reihe zweifelnd ein.
    »Natürlich! Natürlich!«, rief Louis Sedlovoi. »Er war ja auch in der bereits beschriebenen Zukunft!«
    »Viel zu wenig Action«, meinten die in den hinteren Reihen, die nach wie vor mit funktionellem Schiffeversenken beschäftigt waren. »Da wird ja bloß geredet …«
    »Das ist nun wirklich nicht meine Schuld«, wies Sedlovoi die Kritik zurück.
    »Von wegen bloß geredet«, sagte ich und kletterte vom Vorführstand. Ich dachte daran, wie mein dunkelhäutiger Gesprächspartner niedergemetzelt worden war, und mir wurde übel.
    »Wieso denn?«, wunderte sich ein Bakkalaureus. »Es

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