GU Liebevolle Gebote fuer ein erfuelltes Leben
Liebe verbinde ich mit Gott, für mich ist das ganz vertraut und normal. Aber erschrick jetzt nicht, wenn dir das Wort Gott oder alles, was damit zu tun hat, fremd ist. Ich meine nicht, dass jemand an Gott glauben muss. Schon gar nicht so, wie ich an Gott glaube. Ich meine eher, dass es für jeden Menschen, der glücklich leben möchte, gut ist, möglichst bewusst zu leben. Bewusst mit sich verbunden zu sein und zugleich auf den anderen zu hören, in einer Beziehung, die beiden guttut und die Gutes bewirkt für die anderen.
Verschenk dich, ohne auszubrennen
Es ist ohne Zweifel das Leiden unserer modernen Gesellschaft. Fast scheint es, als sei eine Epidemie in Gang gesetzt, der immer mehr Menschen zum Opfer fallen: Lehrer, Mütter, Polizisten, Ärzte, Priester, Manager – niemand ist vor einem Burn-out gefeit. Spätestens wenn Unzufriedenheit, Unruhe, bleierne Müdigkeit oder Erschöpfung die Menschen heimsuchen, ist es Zeit, genau hinzuschauen.
Traum und Wirklichkeit
Die Ursachen für das Burn-out-Syndrom sind vielfältig und schwer greifbar. Aber darum soll es in diesem Buch ja auch nicht gehen. Hier geht es vielmehr um die Liebe – und an dieser Stelle darum, was die Liebe mit Burn-out zu tun hat. Und da gibt es einen ganz zentralen Zusammenhang. Wenn wir uns Geschichten von einem Burn-out ansehen, finden wir beispielsweise Ärzte, die müde und kraftlos sind, oder Lehrer, die nur noch auf die Pensionierung warten. Bei genauer Betrachtung stellt man fest, dass hier irgendwann Traum und Wirklichkeit auseinandergedriftet sind. So wollen Lehrer aus Berufung ihren Schülern wirklich eine Bildung für Kopf und Herz angedeihen lassen – und nicht unter Zeitdruck ein viel zu großes Stoffpensum durchpauken müssen. Ärzte, die ihren Beruf lieben, wollen Menschen helfen und retten – und nicht Kranke dahingehend anschauen, ob ihr Einsatz auch nicht die Fallpauschale übersteigt! Diese Fremdbestimmtheit im eigentlich ersehnten Beruf schafft innere Spannungen, die enorme Kräfte verschleißen.
Den Sinn der Arbeit wiederfinden
Und um diesen Kräfteverschleiß geht es. Burn-out ist nur selten eine Frage des Zuviels, also der Quantität. Wäre es so, ginge es um Erschöpfung, nicht um Burn-out. Nein, es geht um das Wie, um die Qualität der Arbeit. Und es geht um den Sinn der Arbeit, denn ohne den läuft es gar nicht. Und der Sinn ist die Liebe. Wir sind alle aus der gleichen Liebe geboren. Wenn deutlich wird, was eigentlich das Anliegen am Beginn der Berufslaufbahn war, dann kann die Liebe auch wieder fließen. Wer den Sinn kennt, um dessentwillen er sich aus freien Stücken entschieden hat, genau diesen Weg zu gehen, der kann seine gegenwärtige Situation mit den Augen der Liebe anschauen und auch Herausforderungen leichter bewältigen. Vielleicht ist ja eine Kurskorrektur nötig geworden. Denn es ist möglich, sich zu verschenken, ohne auszubrennen.
»Die Kräfte der Liebe stehen allen Menschen zur Verfügung. Deshalb lade ich dich ein, in deiner Arbeit nie das Lieben zu vergessen, nie Dienst nach Vorschrift zu machen. Sobald du den Sinn, die Liebe spürst, wachsen dir neue Kräfte zu.«
Die Liebe, der Sinn meines Lebens, schützt mich vor einem Burn-out
Im August 2011 mussten wir uns mit einer furchtbaren Nachricht auseinandersetzen: Bei Fernando, dem Geschäftsführer von Cristo Vive Chile, war ein hoch aggressiver Krebs diagnostiziert worden. Fernando war 1997 aus der Geschäftswelt zu uns gekommen. Kennengelernt hatte ich ihn, weil eine liebe Freundin aus unserer Gemeinde sagte, ihr Sohn wolle mich sprechen. Fernando hatte damals Extremsport betrieben und war dabei verunglückt. Nun lag er im Krankenhaus und dachte über sein Leben nach und was er damit anstellen wollte. Über seine Mutter hatte er von unserer Arbeit erfahren.
Im Krankenhaus und später in der Phase der Rekonvaleszenz führten wir viele Gespräche, über seine Arbeit als Manager und über Gott und die Welt. In Fernando wuchsen das Interesse an unserer Arbeit und der Wunsch, den Ärmsten unserer Gesellschaft zu dienen.
Fernando kam zunächst als Ehrenamtlicher, ab Ende des Jahres 2000 war er angestellter Mitarbeiter, bis er schließlich im Mai 2002 Verantwortung als Geschäftsführer für die Fundación Cristo Vive übernahm. Dafür gab er einen sehr gut dotierten Managerposten auf und stellte seine Fähigkeiten für wenig Geld dem Dienst für die Ärmsten zur Verfügung.
Jetzt, nach der schrecklichen Diagnose, brach für Fernando eine
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