Gwen (German Edition)
saß einträchtig mit Dirk Statler auf dem Sofa.
„Da bist du ja endlich!“ Pat schaute auf von dem großen recyclinggrauen Papierstapel, den beide vor sich auf dem Sofatisch liegen hatten. „Kannst du nicht was kochen? Wenn ich nicht bald was zu Essen bekomme, kriege ich noch die Krise!“
„Gute Idee, auch ich könnte einen Happen vertragen“, kommentierte Dirk gut gelaunt.
Gut gelaunt, obwohl er zusammen mit Pat die unzähligen Papierblätter faltete, die sich bei näherer Betrachtung als die Erstausgabe der Survival News USA erwiesen, Pats erwartete Lieferung aus der Druckerei. Aus Kostengründen hatte Norman entschieden, wie sich Gwen erinnerte, die Zeitung per Hand zu falten.
Was jetzt offensichtlich durch Pats und Dirk Statlers Hände geschah. Trotz seiner verbundenen Augen stellte er sich dabei noch nicht einmal ungeschickt an. Tastend legte er die Papierkanten aneinander, knickte jedes Blatt sorgsam in der Mitte und strich es glatt, wobei seine Finger jedes Mal über die Schlagzeile glitten: „ STOPPT STATLER-TEC! Rettet den Catneck River! “
„Wie hast du ihn dazu gebracht?“, stieß Gwen erschüttert hervor.
„Mir war einfach langweilig “, erklärte der Besitzer von Statler-Tec . „Und statt nur dumm rumzuhängen, kann ich auch genauso gut eure Band-Programme falten.“
Pat lächelte süffisant. „Wenn er schon hier Kosten verursacht, kann er sich schließlich auch nützlich machen. Und jetzt koch endlich!“
Zu perplex, um zu widersprechen, ging Gwen in die Küche und setzte Nudelwasser auf.
„Wie war Corys Feier?“, fragte Pat, ohne in ihrer Arbeit innez uhalten.
„Was?“ Gwen riss sich zusammen. „Oh, Corys Fe ier! Schön, sie war schön.“
„ Wäre ich nur mitgegangen!“, stöhnte Pat. „Kaum warst du weg, hat das Telefon ununterbrochen geklingelt. Zuerst war Norman dran. Er kommt morgen. Dem konnte ich zum Glück glaubhaft machen, dass ich ihn nicht hier, sondern bei ihm zuhause treffen will. Weil mir hier die Decke auf den Kopf fällt und ich unbedingt mal raus muss, habe ich ihm gesagt.“ Sie warf einen Blick auf den Mann neben ihr. „Was ja auch stimmt. Und dann riefen irgendwelche blöden Werbefirmen an. Ach ja, und meine Mutter. Sie hätte am liebsten gleich ihre Koffer gepackt, um herzukommen, nachdem sie eine Reportage über ungeklärte Mordfälle gesehen hat und glaubt, Norman auf einem der Fahndungsfotos erkannt zu haben.“
Gwen fiel die Zwiebel aus der Hand, die sie gerade schälen wollte. „Du konntest ihren Besuch doch abwenden, oder?“
„ Gerade so. Ich erzählte ihr einfach, Norman wäre sowieso nicht da und würde zu einer USA-Tournee aufbrechen.“
Als die Türglocke läutete, rollte Pat die Augen. „Siehst du? Davon rede ich. Auch ohne Telefon hat man hier keine Ruhe!“ Sie erhob sich und öffnete die Tür nur einen Spaltbreit. „Ja, bitte?“
Männliches Gemurmel ertönte, woraufhin Pat erw iderte: „Nein … halt … Moment mal! “
Sie wurde beiseite geschoben , und Walter Norlander trat ein. „Oh, Mann, Dirk! Was machst du für Sachen, kaum dass ich dir den Rücken drehe? Was ist mit deinen Augen?“
„Denen geht’s schon besser.“ Dirk erhob sich, und die Männer umarmten sich. Dirk stieg von dem Deutsch, das er und sein Freund automatisch gesprochen hatten, um auf Englisch: „Keine Sorge, Patty, das ist nur mein Kumpel.“
„ Wie beruhigend!“ Nicht die Spur beruhigt warf Pat die Wohnungstür ins Schloss.
Lauernd trat Gwen aus der Küche. „Woher wissen Sie, dass er hier ist, Wally?“ , fragte sie auf Deutsch.
„Hallo, Gwen!“ Wally beugte sich, um Venus zu streicheln, die sein Hosenbein beschnüffelte. „Es war nur so eine Idee, dass er hier sein könnte.“
„Und warum sind Sie eigentlich noch hier? Für einen Freun dschaftsbesuch sind Sie bereits zu lange in Catnecktown.“
„Dirk hat mich als seinen Karatetrainer engagiert.“
„Für wie dumm halten Sie mich, Wally? Wie ist Ihr Buchstabencode in diesem Verbrecheralphabet?“
„Solche Fragen sollte man lieber nicht stellen, Gwen.“ Wally warf einen misstrauischen Blick auf Pat, drehte sich um zu Dirk und zeigte ein rasches Grinsen. „Nette Klamotten, Alter.“ Seine Stimme wurde drängend. „Mann, Dirk, warum hast du dich nicht gemeldet? Sofort als ich von meinen Kontakten erfahren habe, dass du im Krankenhaus bist, bin ich in den Flieger gestiegen. Als ich im Krankenhaus nach dir gefragt habe, musste ich feststellen, dass du weg bist, ohne dass einer
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