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Helle Barden

Helle Barden

Titel: Helle Barden Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Terry Pratchett
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Geschehens«, erwiderte Karotte
    fröhlich.
    »Na schön, Mann am Ort des Geschehens, ich bin hier der ranghöch-
    ste Offizier, und deshalb…«
    »Da sprichst du einen interessanten Punkt an.« Karotte holte sein
    schwarzes Notizbuch hervor. »Hiermit enthebe ich dich deines Kom-
    mandos.«
    »… sonst mir wird eingeschlagen Goohuloog-Kopf.«
    »… sonst mir wird eingeschlagen Goohuloog-Kopf.«
    »Was? Bist du übergeschnappt?«
    »Nein. Aber ich glaube, du bist es. Was bedeutet, daß bestimmte Vor-
    schriften zur Anwendung kommen.«
    »Wo sind deine Befugnisse?« Schrulle starrte auf die Menge. »Ha! Ich
    nehme an, du willst auf diese Meute hier verweisen.«
    Karotte wirkte schockiert.
    »Natürlich nicht. Meine Befugnisse sind deutlich in den Gesetzen und
    Verordnungen der Städte Ankh und Morpork beschrieben. Ich beziehe

    mich auf geltendes Recht. Bitte, sag mir, was dem Häftling Kohlenfresse
    zur Last gelegt wird.«
    »Meinst du den verdammten Troll? Er ist ein Troll!«
    »Und?«
    Schrul e sah sich um.
    »Ich muß dir doch nicht hier vor al en Leuten sagen…«
    »Doch, genau das mußt du. Deshalb spricht man in diesem Zusam-
    menhang von ›Beweisen‹. Das heißt soviel wie sichtbar machen .«
    »Jetzt hör mal…« Schrul e beugte sich zu Karotte vor. »Er ist ein Troll.
    Irgend etwas hat er bestimmt angestellt. Kein Troll taugt etwas.«
    Karotte lächelte.
    Colon kannte dieses Lächeln inzwischen. Wenn Karotte auf diese Wei-
    se lächelte, wurde sein Gesicht wächsern und schien von innen heraus zu
    leuchten.
    »Und deshalb hast du ihn eingesperrt?«
    »Ja!«
    »Oh. Natürlich. Jetzt verstehe ich.«
    Karotte wandte sich ab.
    »Ich weiß beim besten Willen nicht, was dir in den Sinn…«, begann
    Schrulle.
    Man sah kaum, wie sich Karotte bewegte. Er wurde zu einem Sche-
    men, und ein seltsames Geräusch erklang – wie ein Steak, das jemand auf
    ein Bratblech klatscht. Einen Sekundenbruchteil später lag der Haupt-
    mann auf dem Boden.
    Zwei Angehörige der Tagwache erschienen vorsichtig in der Tür des
    Wachhauses.
    Ein Rasseln zog ihre Aufmerksamkeit auf sich. Nobby ließ den Mor-
    genstern an der Kette schwingen. Al erdings war die mit Stacheln besetz-
    te Kugel eine sehr schwere mit Stacheln besetzte Kugel, und Nobby un-
    terschied sich von Zwergen in erster Linie durch die Spezies, nicht durch die Größe. Das führte dazu, daß er und der Morgenstern sich gegenseitig
    umkreisten. Wenn er losließ, wurde irgend etwas entweder von der Ku-

    gel oder von einem nicht explodierenden Korporal Nobbs getroffen.
    Das eine war ebenso unangenehm wie das andere.
    »Laß den Morgenstern sinken, Nobby«, flüsterte Colon. »Ich glaube,
    wir haben hier al es überstanden…«
    »Ich kann nicht loslassen, Fred!«
    Karotte saugte an seinen Fingerknöcheln.
    »Fällt das in die Kategorie ›minimale Gewalt‹, Feldwebel?« fragte er und
    schien ernsthaft besorgt zu sein.
    »Fred! Fred! Was mache ich bloß?«
    Die Zentrifugalkraft beschleunigte Nobby. Wenn man eine mit Sta-
    cheln bewehrte Kugel an einer Kette schwingt, ist es das Vernünftigste,
    in Bewegung zu bleiben. Wer unter solchen Bedingungen stehenbleibt,
    erlebt die ebenso kurze wie aufschlußreiche Demonstration einer Spirale.
    »Atmet er noch?« fragte Colon.
    »Ja. Ich habe ihn nur ins Reich der Träume geschickt.«
    »Scheint tatsächlich minimal zu sein«, urteilte der Feldwebel großzügig.
    »Freeeddd!«
    Karotte streckte geistesabwesend die Hand aus, als der Morgenstern
    vorbeisauste. Er riß ihn zur Wand, wo die Kugel steckenblieb.
    »Ihr im Wachhaus«, sagte er. »Kommt raus.«
    Fünf Männer traten nach draußen und verharrten unsicher beim reglo-
    sen Hauptmann.
    »Gut. Und jetzt holt Kohlenfresse.«
    »Äh. Er ist nicht besonders gut gelaunt, Korporal Karotte.«
    »Weil er an den Boden gekettet wurde«, erklärte ein anderer Tagwäch-
    ter.
    »Ich nehme an, dann verbessert sich seine Stimmung gleich«, erwiderte
    Karotte. »Weil ihr die Ketten jetzt lösen werdet.« Voller Unbehagen
    scharrten die Männer mit den Füßen und erinnerten sich vermutlich an

    ein altes Sprichwort, das gut zur derzeitigen Situation paßte*. Karotte
    nickte. »Ich fordere euch nicht auf, den Dienst zu quittieren. Aber es
    wäre sicher keine schlechte Idee, wenn ihr eine Zeitlang Urlaub macht.«
    »Quirm sol um diese Jahreszeit sehr schön sein«, meinte Feldwebel
    Colon. »Dort gibt’s eine Blumenuhr.«
    »Äh… da du es schon erwähnst… es wird ohnehin Zeit,

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