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Helter Skelter - Der Mordrausch des Charles Manson

Helter Skelter - Der Mordrausch des Charles Manson

Titel: Helter Skelter - Der Mordrausch des Charles Manson Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Vincent Bugliosi
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für Miss Van Houten.
    Erst später sollten wir erfahren, was in dieser Zeit hinter den Kulissen passierte. Manson hatte sein eigenes Kommunikationssystem eingerichtet. Und jedes Mal, wenn er hörte, dass ein Verteidiger eines der Mädchen im Interesse seiner Mandantin einen Schritt unternehmen wollte, der möglicherweise Mansons eigener Verteidigung zuwiderlief, wurde ein solcher Anwalt binnen Tagen vom Prozess abgezogen. Barnett hatte geplant, ein psychiatrisches Gutachten über Leslie erstellen zu lassen. Als er davon erfuhr, legte Manson sein Veto ein, und als der Psychiater im Sybil Brand erschien, war Leslie nicht bereit, sich mit ihm zu treffen. Ihr Ersuchen, Barnett zu entlassen, folgte auf dem Fuß.
    Mansons Ziel war es, die gesamte Verteidigung selbst in die Hand zu nehmen. Er wollte im Gerichtssaal und auch hinter den Kulissen die vollkommene Kontrolle über seine Family behalten.
    Manson erklärte dem Gericht, dass er sich selbst vertreten wolle, weil »Anwälte mit Menschen spielen, und ich bin ein Mensch, und ich will nicht, dass jemand in dieser Angelegenheit mit mir spielt«. Die meisten Anwälte seien nur an einem interessiert, an Publicity, meinte Manson. Er habe in letzter Zeit eine Menge von ihnen gesehen und wisse daher, wovon er spreche. Kein Anwalt, der früher schon einmal für das Büro der Staatsanwaltschaft gearbeitet habe, sei für ihn akzeptabel. Er hatte wohl erfahren, dass zwei andere Angeklagte vom Gericht bestimmte Pflichtverteidiger bekommen hatten, die früher einmal stellvertretende Staatsanwälte gewesen waren (Caballero und Part).
    Richter Keene wies darauf hin, dass viele im Strafrecht tätige Anwälte zunächst einmal bei der Bezirks-, Stadt- oder Bundesstaatsanwaltschaft Erfahrungen sammelten. Ihre Kenntnisse aus der Strafverfolgung kämen ihren Mandanten oft zugute.
    Manson: »Das klingt von Ihrer Warte aus gut, aber nicht von meiner.«
    »Euer Ehren«, fuhr Manson fort, »ich bin in einer schwierigen Position. Die Nachrichtenmedien haben mich schon exekutiert und beerdigt … Wenn hier jemand hypnotisiert wird, dann die Menschen durch die Lügen, die man ihnen erzählt … Es gibt auf der ganzen Welt keinen Anwalt, der mich als Mensch repräsentieren kann. Das muss ich selbst übernehmen.«
    Richter Keene schlug vor, ihm einen erfahrenen Anwalt an die Seite zu stellen, mit dem Manson sich besprechen könne. Im Unterschied zu anderen Anwälten, mit denen Manson zu tun gehabt habe, sei dieser nicht daran interessiert, ihn zu vertreten. Seine einzige Funktion sei es, mit ihm die juristischen Probleme und die Gefahren zu diskutieren, die seine eigene Verteidigung möglicherweise mit sich brächten. Manson nahm das Angebot an, und nach der Verhandlung veranlasste Keen, dass Joseph Ball, ein ehemaliger Präsident der bundesstaatlichen Anwaltskammer und früherer Ratgeber der Warren-Kommission, sich mit Manson traf.
    Manson redete mit Ball und fand, wie er Richter Keene am 24. mitteilte, dass dieser »ein sehr netter Herr« sei. »Mr. Ball versteht vielleicht alles, was es überhaupt nur am Gesetz zu verstehen geben kann, aber er versteht nicht den Generationenkonflikt, er versteht nicht die Gesellschaft der freien Liebe, er versteht keine Menschen, die versuchen, das alles abzuschütteln …«
    Ball sah in Manson »einen fähigen, intelligenten jungen Mann, unaufgeregt und manierlich …« Auch wenn er ohne Erfolg versucht hatte, ihn dazu zu überreden, sich einen guten Anwalt zu nehmen, war Ball offensichtlich von Manson beeindruckt. »Wir haben verschiedene juristische Probleme durchgesprochen, und ich habe festgestellt, dass er eine schnelle Auffassungsgabe hat … eine bemerkenswerte Auffassungsgabe. Er hat einen klaren Verstand. Ich habe ihm dazu gratuliert. Ich glaube, ich habe Ihnen schon gesagt, dass er einen hohen IQ hat. Muss er haben, um sich auf diesem Niveau zu unterhalten.« Manson »hegt keinen Groll gegen die Gesellschaft«, sagte Ball, »und er denkt, dass alle, wenn er vor Gericht erscheint und wenn er die Möglichkeit hat, zu den Geschworenen und zu dem Gericht zu sprechen, verstehen werden, dass er nicht der Mann ist, der solch schreckliche Verbrechen begeht«.
    Nach Ball sprach auch Keene noch einmal über eine Stunde mit Manson und fragte ihn nach seinen Kenntnissen über die Verfahrensabläufe vor Gericht und das mögliche Strafmaß für die Delikte, deren er angeklagt war, wobei er ihn beinahe anflehte, sich die Sache mit der eigenen Verteidigung noch

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