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Herr des Chaos

Herr des Chaos

Titel: Herr des Chaos Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Robert Jordan
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als Kompliment gemeint, Frau, vielleicht sogar in Rosen gebettet.«
    »Komplimente?« grollte Siuan zurück. Ihre blauen Augen funkelten ihn an. »Ich brauche Eure Komplimente nicht! Es gefällt Euch einfach, wenn ich Eure Hemden bügeln muß. Ihr seid ein kleinerer Mann, als ich jemals glaubte, Gareth Bryne. Erwartet Ihr von mir, daß ich Euch wie eine Marketenderin hinterherlaufe, wenn das Heer marschiert, und auf weitere Eurer Komplimente hoffe? Und Ihr werdet mich nicht mehr so anreden, als Frau Das klingt wie: Komm her, Hund!«
    An Brynes Schläfe begann eine Ader zu pulsieren. »Es gefällt mir, daß Ihr Wort haltet, Siuan. Und falls das Heer jemals marschiert, erwarte ich, daß Ihr es auch weiterhin haltet. Ich habe diesen Eid niemals von Euch verlangt. Ihr habt ihn von selbst angeboten und versucht, Euch damit vor der Verantwortung für das zu drücken, was Ihr angerichtet hattet. Ihr habt nicht geglaubt, daß Ihr gezwungen würdet, Euch an den Eid zu halten, oder? Was den Marsch des Heeres betrifft: Was habt Ihr darüber gehört, während ihr vor den Aes Sedai gekrochen seid und ihnen die Füße geküßt habt?«
    Innerhalb eines Herzschlags wandelte sich Siuans heißer Zorn zu eisiger Ruhe. »Das gehört nicht zu meinem Eid.« Man hätte sie für eine junge Aes Sedai halten können, die hoch aufgerichtet und mit diesem kühl arroganten Trotz vor ihm stand, eine, die noch nicht sehr lange mit der Macht gearbeitet hatte und deren Gesicht deshalb bisher nicht diese typische Alterslosigkeit angenommen hatte. »Ich werde nicht für Euch spionieren. Ihr dient dem Burgsaal, Gareth Bryne, und den Treueeid habt Ihr geschworen. Euer Heer wird marschieren, wenn sich der Saal dazu entschließt. Lauscht ihren Worten und gehorcht dem, was ihr vernehmt.«
    Brynes Haltung änderte sich blitzschnell. »Ihr wärt ein Gegner, der es wert ist, die Klingen mit ihm zu kreuzen«, lachte er bewundernd. »Ihr wärt eine bessere...« Doch schon wurde aus dem Schmunzeln wieder eine düstere Miene. »Der Saal, ja? Pah! Dann richtet Sheriam aus, sie kann endlich damit aufhören, mir auszuweichen. Was ich hier tun kann, habe ich getan. Sagt Ihr, ein Wolfshund im Zwinger kann genausogut durch ein Schwein ersetzt werden, wenn die Wölfe kommen. Ich habe diese Männer nicht um mich versammelt, damit sie auf dem Markt feilgeboten werden.« Nach einem knappen Nicken schritt er durch die Menge fort. Siuan blickte ihm mit gerunzelter Stirn nach.
    »Worum ging es denn nun eigentlich?« fragte Nynaeve, und Siuan fuhr zusammen.
    »Um nichts, was Euch etwas anginge!« fauchte sie und strich ihr Kleid glatt. Man hätte denken können, Nynaeve habe sich mit Absicht angeschlichen. Die Frau nahm aber auch alles immer persönlich.
    »Laßt es sein«, sagte Nynaeve gefaßt. Sie würde sich nicht durch solche Nebensächlichkeiten ablenken lassen. »Was ich aber nicht sein lasse, ist, Euch zu untersuchen.« Heute würde sie etwas Nützliches tun, und wenn sie sich dafür umbringen mußte. Siuan öffnete den Mund und blickte sich dabei um. »Nein, Marigan ist nicht hier, und im Moment benötige ich sie auch nicht. Ihr habt mich erst zweimal - zweimal! - an Euch herangelassen, seit ich einen Hinweis darauf fand, daß etwas in Euch geheilt werden könnte. Ich werde Euch heute untersuchen, und falls Ihr das verhindert, erzähle ich Sheriam, daß Ihr ihren Befehl mißachtet, Euch mir zur Verfügung zu halten. Ich schwöre Euch, ich werde das sagen!«
    Einen Augenblick lang glaubte sie, die andere Frau werde es aufs Äußerste ankommen lassen, aber schließlich sagte Siuan mürrisch: »Heute nachmittag. Heute vormittag habe ich zu tun. Es sei denn Ihr glaubt, Eure Tätigkeit sei wichtiger, als Eurem Freund von den Zwei Flüssen zu helfen?«
    Nynaeve trat näher an sie heran. Niemand sonst auf der Straße schenkte ihnen mehr Beachtung als höchstens einen Blick im Vorübergehen, aber trotzdem senkte sie die Stimme: »Was haben sie mit ihm vor? Ihr sagt immer wieder, sie hätten sich noch nicht entschlossen, was sie seinetwegen unternehmen sollen, aber mittlerweile müssen sie doch wohl zu irgendwelchen Schlüssen gekommen sein!« Falls ja, dann wußte Siuan Bescheid, ob das nun beabsichtigt war oder nicht.
    Urplötzlich war Leane da, und Nynaeves Worte verpufften wirkungslos. Siuan und Leane starrten sich gegenseitig wütend an wie zwei verfeindete Katzen, die sich ins Gehege gekommen waren.
    »Nun?« knurrte Siuan zwischen zusammengebissenen Zähnen

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