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Herr des Chaos

Herr des Chaos

Titel: Herr des Chaos Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Robert Jordan
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hervor.
    Leane schnaubte und schüttelte den Kopf, daß ihre Locken flogen. Ein hämisches Grinsen verzerrte ihr Gesicht, doch ihre Worte entsprachen keineswegs Ihrer Miene oder dem Tonfall: »Ich habe versucht, ihnen das auszureden«, fauchte sie, allerdings leise. »Aber sie hatten dir noch nicht einmal gut genug zugehört, um sich ihre eigenen Gedanken zu machen. Heute abend wirst du nicht mit den Weisen Frauen zusammentreffen.«
    »Möwenscheiße«, fluchte Siuan. Dann drehte sie sich auf dem Fuß um und stolzierte davon, allerdings auch nicht schneller als Leane in entgegengesetzter Richtung.
    Nynaeve hätte fast die Hände frustriert gehoben. Sie redeten, als befände sie sich überhaupt nicht hier, und als wisse sie nicht genau, wovon sie sprachen. Ignorierten sie einfach. Siuan sollte besser heute nachmittag bei ihr erscheinen, wie sie es versprochen hatte. Sonst würde sei eine Möglichkeit finden, die Frau auszuwringen und zum Trocknen aufzuhängen! Sie zuckte zusammen, als hinter ihr eine Frau zu sprechen begann: »Diese beiden sollte man wirklich zu Tiana schicken, damit sie eine kräftige Tracht Prügel beziehen.« Lelaine trat neben Nynaeve und blickte erst Siuan und dann Leane hinterher. So herumzulaufen und sich an Leute anzuschleichen! Logain, Burin oder die Adligen aus Altara waren nirgends zu sehen. Die Blaue Schwester rückte ihre Stola zurecht. »Natürlich sind sie nicht mehr die, die sie einst waren, aber man sollte doch denken, daß sie wenigstens den Schein wahren. Es wird nicht besonders gut wirken, wenn sie sich wirklich noch einmal auf der Straße gegenseitig die Haare ausreißen.«
    »Manchmal passen Leute einfach nicht zusammen, und es kommt ständig zu Reibereien«, sagte Nynaeve. Siuan und Leane arbeiteten so hart daran, dieses Täuschungsmanöver aufrechtzuerhalten, und dann war wohl das Wenigste, was sie dazu beitragen konnte, ein bißchen Unterstützung zum rechten Zeitpunkt. Wie sie es haßte, wenn sich Menschen an sie heranschlichen.
    Lelaine blickte auf Nynaeves Hand, die schon wieder ihren Zopf ergriffen hatte, und sie riß die Hand schnell weg. Zu viele kannten mittlerweile ihre Angewohnheit. Dabei strengte sie sich so an, das zu unterdrücken. Aber die Aes Sedai sagte lediglich: »Nicht, wenn es die Würde der Aes Sedai untergräbt, Kind. Frauen, die den Aes Sedai dienen, sollten sich in der Öffentlichkeit zurückhalten, gleich wie töricht sie sich privat auch verhalten mögen.« Daran gab es gewiß nichts zu deuteln, oder jedenfalls nichts, was sie hätte sagen können, ohne Anstoß zu erregen. »Warum seid Ihr hereingekommen, als ich vorhin Logain vorführte?«
    »Ich hatte geglaubt, der Raum sei leer, Aes Sedai«, sagte Nynaeve schnell. »Es tut mir leid. Ich hoffe, ich habe nicht zu sehr gestört.« Das war keine Antwort, denn sie konnte ihr kaum sagen, sie habe sich vor Myrelle versteckt, aber die schlanke Blaue sah ihr nur einen Moment lang in die Augen.
    »Was glaubt Ihr, wird Rand al'Thor unternehmen, Kind?«
    Nynaeve riß verwirrt die Augen auf. »Aes Sedai, ich habe ihn ein halbes Jahr nicht mehr gesehen. Alles, was ich weiß, ist das, was ich hier vernahm. Hat der Saal...? Aes Sedai, was hat der Saal in bezug auf ihn beschlossen?«
    Lelaine musterte aufmerksam Nynaeves Gesicht und schürzte die Lippen. Diese dunklen Augen schienen auf beunruhigende Weise direkt in Nynaeves Kopf zu blicken. »Ein bemerkenswerter Zufall. Ihr kommt aus dem gleichen Dorf wie der Wiedergeborene Drache, genau wie dieses andere Mädchen, Egwene al'Vere. Man hielt große Stücke auf sie, als sie Novizin wurde. Habt Ihr eine Ahnung, wo sie sich befindet?« Sie wartete nicht auf eine Antwort. »Und diese beiden anderen jungen Männer, Perrin Aybara und Mat Cauthon. Beide ebenfalls Ta'veren, wie ich hörte. Wirklich bemerkenswert. Und dann Ihr mit Euren außergewöhnlichen Entdeckungen, trotz Eurer Beschränkungen. Wo sich Egwene auch befinden mag, wird sie sich auch auf Gebiete vorwagen, die keine von uns je betreten hat? Ihr alle habt eine ganze Menge Gesprächsstoff für die Schwestern geliefert, wie Ihr euch denken könnt.«
    »Ich hoffe, sie sagen nur das Beste«, stellte Nynaeve bedächtig fest. Man hatte ihnen viele Fragen über Rand gestellt, seit sie nach Salidar gekommen waren und besonders, seit die Delegation nach Caemlyn aufgebrochen war. Manche Aes Sedai schienen kaum ein anderes Thema ihr gegenüber zu kennen. Aber dieses Gespräch war doch etwas anderes. Das war halt auch das

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