Herr des Chaos
bewahren.
Einer ihrer Behüter. Also war sie eine Grüne. Nicht, daß dies einen Unterschied machte. Er wußte nicht viel von den Behütern, und ganz gewiß nicht, wie man das Band zerbrechen konnte oder ob das überhaupt möglich sei. Alles, was Rand von Lews Therin vernahm, war ein Gefühl der Betäubung. Nicht zum ersten Mal wünschte sich Rand, Lan wäre nicht weggeritten, nachdem Moiraine gestorben war.
»Ihr sagtet, Ihr würdet nicht nach Tar Valon ziehen. In diesem Fall - und da Ihr nicht zu wissen scheint, ob Ihr wißt, wo sich die Rebellen befinden - könnt Ihr hier in Caemlyn bleiben.« Alanna öffnete den Mund, aber er kam ihr zuvor: »Seid dankbar, wenn ich mich nicht entschließe, die Abschirmungen abzubinden und Euch so zu hinterlassen!« Das traf sie wirklich. Verins Mund straffte sich, und Alannas Augen glühten wie dieser Ofen, den er gespürt hatte. »Allerdings werdet Ihr euch von mir fernhalten, Ihr beide. Außer wenn ich nach Euch schicke, ist die Innenstadt für Euch gesperrt. Wenn Ihr versucht, diese Vorschrift zu brechen, werde ich Euch abgeschirmt zurücklassen, und noch dazu in einer Zelle. Verstehen wir uns?«
»Perfekt.« Trotz ihrer glühenden Augen klang Alannas Stimme eisig. Verin nickte lediglich.
Rand stieß die Tür auf und blieb stehen. Er hatte die Mädchen von den Zwei Flüssen vergessen. Einige unterhielten sich mit den Töchtern, während andere sie nur beobachteten und miteinander über ihrem Tee flüsterten. Bode und eine Handvoll der Emondsfelder fragten Bashere aus, der einen Zinnkrug in der Hand hielt und einen Fuß auf eine Bank gestellt hatte. Sie wirkten halb amüsiert und halb verdattert. Als die Tür aufschlug, rissen sie die Köpfe herum.
»Rand«, rief Bode, »dieser Mann behauptet schreckliche Dinge von dir!«
»Er sagt, du wärst der Wiedergeborene Drache«, sprudelte Larine heraus. Die übrigen Mädchen im Schankraum hatten offensichtlich noch nichts vernommen und schnappten bei ihren Worten nach Luft.
»Das stimmt«, sagte Rand müde.
Larine schnaubte und verschränkte die Arme unter dem Busen. »Sobald ich diese Jacke gesehen hatte, wußte ich, daß du dir einen gewaltig geschwollenen Kopf zugelegt hast. Und dann auch noch so mit einer Aes Sedai wegzurennen! Es war mir klar, als du so respektlos mit Alanna Sedai und Verin Sedai gesprochen hast. Aber was ich nicht wußte, war, daß du ein solch blinder Narr geworden bist!«
Bodes Lachen klang eher entsetzt als amüsiert. »Solche Sachen solltest du nicht mal im Scherz sagen, Rand. Tam hat dich doch wohl besser erzogen. Du bist Rand al'Thor. Jetzt hör mit diesem Quatsch auf!«
Rand al'Thor. So hieß er wohl, aber er wußte kaum mehr, wer er war. Tam al'Thor hatte ihn aufgezogen, doch sein wirklicher Vater war ein Aielhäuptling gewesen, der schon lange nicht mehr am Leben war. Seine Mutter war eine Tochter des Speers gewesen, aber keine Aielfrau. Und das war auch schon so ziemlich alles, was er von seiner Herkunft wußte.
Saidin erfüllte ihn nach wie vor Sanft hüllte er Bode und Larine in Stränge aus Luft und hob sie an, bis ihre Schuhe einen Fuß hoch über dem Boden baumelten. »Ich bin der Wiedergeborene Drache. Es zu leugnen, würde nichts ändern. Wunschdenken vermag nichts daran ändern. Ich bin nicht mehr der Mann, den ihr aus Emondsfeld kennt. Versteht ihr jetzt?« Ihm wurde bewußt, daß er sie anschrie, und so klappte er den Mund zu. Sein Magen fühlte sich wie Blei an, und er zitterte. Warum hatte Alanna so etwas getan? Welche neue Aes-Sedai-Intrige schlummerte hinter diesem hübschen Gesicht? Vertraue keiner von ihnen, hatte Moiraine gesagt.
Eine Hand berührte seinen Arm, und sein Kopf fuhr herum.
»Bitte laßt sie herunter«, sagte Alanna. »Bitte. Sie fürchten sich.«
Es war mehr als nur bloße Furcht. Aus Larines Gesicht schien alles Blut gewichen zu sein und ihr Mund stand so weit offen, wie es nur ging, als wolle sie schreien und habe vergessen, wie. Bode schluchzte so sehr, daß sie am ganzen Körper bebte. Sie waren nicht die einzigen. Der Rest der Mädchen von den Zwei Flüssen drückte sich so weit wie möglich von ihm entfernt aneinander, und die meisten von ihnen weinten ebenfalls. Auch die Serviererinnen befanden sich in dieser eng gedrängten Gruppe, und sie weinten genauso heftig wie alle dort. Der Wirt war auf die Knie niedergesunken, brachte nur erstickte Laute hervor, und seine Augen quollen heraus.
Rand ließ die beiden Mädchen heruntersinken, und dann ließ er
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