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Herr des Chaos

Herr des Chaos

Titel: Herr des Chaos Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Robert Jordan
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hastig Saidin fahren. »Es tut mir leid. Ich wollte euch nicht erschrecken.« Sobald sie sich rühren konnten, flohen Bode und Larine zu den anderen Mädchen und in deren tröstende Umarmung. »Bode? Larine? Es tut mir leid. Ich werde euch nichts tun, das verspreche ich.« Sie sahen ihn nicht an. Keine von ihnen. Sulin allerdings blickte ihn an, und auch die anderen Töchter. Ihre Mienen waren nichtssagend, ihre Blicke jedoch mißbilligend.
    »Was geschehen ist, ist geschehen«, sagte Bashere und stellte seinen Krug ab. »Wer weiß? Vielleicht war es gut so.«
    Rand nickte bedächtig. Gut möglich. Am besten hielten sie sich von ihm fern. Es war besser für sie. Er wünschte sich nur, er hätte noch eine Weile länger über ihre Heimat sprechen können. Noch eine Weile, in der sie ihn nur als Rand al'Thor angesehen hätten. Seine Knie zitterten noch immer von Alannas Prozedur her, aber sobald er sich in Bewegung gesetzt hatte, blieb er nicht stehen, bis er sich schließlich auf Jeade'ens Sattel schwang. Es war am besten, daß sie sich vor ihm fürchteten. Am besten, daß er die Zwei Flüsse vergaß. Er fragte sich, ob dieser Berg auch einmal leichter werde, oder ob sein Gewicht weiter zunahm.

KAPITEL
11

    Lehrende und Lernende
    K aum war Rand aus der Tür, als Verin langgezogen ausatmete. Sie hatte die Luft angehalten. Einst hatte sie Siuan und Moiraine gegenüber betont, wie gefährlich er sei. Keine von beiden hatte auf sie gehört, und nun, nachdem wenig mehr als ein Jahr vorüber war, war Siuan einer Dämpfung unterzogen und möglicherweise tot, während Moiraine... Auf den Straßen hörte man pausenlos Gerüchte über den Aufenthalt des Wiedergeborenen Drachen im Königlichen Palast, das meiste davon völlig unglaublich, und von den glaubhaften erwähnte keines eine Aes Sedai. Moiraine hatte vielleicht geplant, ihn glauben zu machen, er habe Entscheidungsfreiheit und könne seinen eigenen Weg gehen, doch sie würde ihm nie gestatten, sich allzu weit von ihr zu entfernen, erst recht nicht jetzt, da er zu solcher Machtfülle aufgestiegen war. Nicht jetzt, da die Gefahr, die er darstellte, derart groß geworden war. Hatte Rand sie ebenfalls bestürmt, doch heftiger als gerade eben bei ihnen? Er war gealtert, seit sie ihn zuletzt gesehen hatte, und sein Gesicht zeigte die Härte vieler Kämpfe. Das Licht wußte, daß es wirklich genug Gründe dafür gab, aber konnte es nicht auch gleichzeitig an seinem Kampf um die geistige Gesundheit liegen?
    Moiraine war tot, Siuan tot, die Weiße Burg gespalten, und Rand wahrscheinlich dem Wahnsinn nähe. Verin schnalzte gereizt mit der Zunge. Ging man Risiken ein, konnte es sein, daß die Rechnung dafür eingelöst werden mußte, wenn man es am wenigsten erwartete, und in einer Art, die man ebenfalls nicht erwartete. Beinahe siebzig Jahre aufwendiger Vorarbeiten auf ihrer Seite, und nun war das alles eines jungen Mannes wegen in Frage gestellt. Trotzdem; sie hatte zu lange gelebt, zuviel durchgemacht, um sich der Verzweiflung einfach hinzugeben.
    Alles der Reihe nach; kümmere dich um die Dinge, die jetzt erledigt werden können, und mache dir nicht zu viele Gedanken über Sachen, die vielleicht niemals geschehen werden. Diese Lehre hatte sie in ihrem Leben Öfters befolgt, und sie hatte sich das zu Herzen genommen.
    Das wichtigste war, zunächst einmal die jungen Frauen zu beruhigen. Sie drückten sich noch immer wie eine Herde von Schafen aneinander, weinten, klammerten sich fest und verbargen die Gesichter. Sie verstand das recht gut. Für sie war es nicht das erste Mal, daß sie einem Mann gegenübergestanden hatte, der die Macht gebrauchen konnte, und der noch dazu der Wiedergeborene Drache selbst war, und trotzdem hatte sie ein Gefühl im Magen, als befinde sie sich auf einem Schiff bei schwerem Seegang. Sie redete beruhigend auf die Mädchen ein, tätschelte hier eine Schulter, strich dort über das Haar und bemühte sich, ihre Stimme mütterlich klingen zu lassen. Ihnen erst einmal beizubringen, daß Rand weg war, was in den meisten Fällen auch bedeutete, daß sie die Augen wieder öffneten, tat viel dazu, sie einigermaßen zu beruhigen. Wenigstens hörte das Schluchzen auf. Aber Janacy verlangte andauernd mit durchdringender Stimme, man solle ihr erklären, daß Rand gelogen habe, daß alles ein Trick gewesen sei, während Bodewhin genauso schrill forderte, man solle ihren Bruder suchen und retten. Verin hätte auch viel dafür gegeben, zu wissen, wo sich Mat befand.

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